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Schokolade made in Rostock

Rostock Schokolade made in Rostock

Mehr als 100 Geschäfte in ganz Deutschland bieten inzwischen die Tafeln von Kilian & Close an / Alle Zutaten sind bio, vegan und fair gehandelt

Rostock. . Es begann in der eigenen Küche: Weil sie keine Schokolade fanden, die ihren Ansprüchen genügte, machten Iveta Kilianova und Ciarán Sean Close einfach ihre eigene Schokolade. Aus dem Hobby wurde eine Geschäftsidee und heute verkauft das Rostocker Paar seine Produkte sehr erfolgreich bundesweit unter der Marke Kilian & Close. Beim OZ-Existenzgründerpreis 2016 schafften sie es in die Runde der besten acht.

„Es gab einfach keine gute vegane Schokolade, meistens schmeckten die nur süß“, erinnert sich Close. Die Alternative wäre Bitterschokolade gewesen, die oft keine Milchprodukte enthält und daher für Veganer geeignet wäre. „Aber wir mögen eben auch milde Schokoladen.“

Also probierte das tschechisch-irische Duo jahrelang verschiedene Zutaten aus, um Milch und auch Kristallzucker zu ersetzen, darunter auch so exotische Ingredenzien wie Pulver aus der Yacon- oder der Macawurzel. Am Ende fiel die Wahl beim Zuckerersatz auf Kokosblütenzucker und auch die Milch kommt nicht von der Kuh, sondern aus der Kokosnuss.

Auch bei der Auswahl der Kakaobohnen legte das Duo hohe Maßstäbe an: „Schokolade ist besonders anfällig für Ausbeutung und Kinderarbeit“, sagt Kilianova. „Wir wollen aber in Einklang mit Mensch, Tier und Natur leben und auch unsere Schokolade nach diesen Grundsätzen herstellen.“

Zwei Jahre lang suchte das Paar also nach Lieferanten für Zutaten, die aus Bio-Anbau stammen sowie transparent und fair gehandelt werden – und das auch noch in den relativ kleinen Mengen, die Kilian&Close brauchen. „Wir beziehen nur Bohnen von Kooperativen aus Süd- und Mittelamerika“, erklärt Close. Die seien zwar zehn Mal so teuer wie der meist aus Afrika stammende Massenkakao, aber das sei es dem Paar wert – zumal die Qualität besser sei.

Auf der Verpackung ist aber von den hohen Maßstäben, die die Jungunternehmer an ihre Produkte anlegen, nichts zu lesen. „Wir reiten nicht darauf rum, wir werben lieber damit, dass es einfach gute Schokolade ist“, sagt Close. Dabei würde der Hinweis auf bio, fair und vegan vielen Kunden verständlich machen, warum eine Tafel Schokolade sechs Euro kostet.

Zu dem Preis trägt auch der hohe Anteil an Handarbeit bei: Anders als andere kleine Schokoladen-Hersteller rösten Kilian&Close die Kakaobohnen selbst und zerkleinern sie auch grob. Den wichtigsten Arbeitsschritt leistet jedoch auch bei den Rostockern eine Maschine: In einer sogenannten Conche werden bis zu 80 Kilo Schokolade über Tage gerührt und dabei immer feiner und cremiger.

In einer Ecke der Manufaktur steht auch noch die kleine Conche, mit der Kilianova und Close vor fünf Jahren angefangen hatten. „Die Kakaobohnen haben wir damals im Ofen geröstet“, sagt Kilianova.

„Die Conche stand in der Küche und hat tagelang ungeheuren Lärm gemacht. Die Nachbarn waren scheinbar schwerhörig, oder es hat sie nicht gestört.“

Bei der Auswahl ihrer bislang acht Sorten war das Duo ganz egoistisch: „Kriterium war: Worauf haben wir Lust?“, erinnert sich Close. Und da beide keine Fans von exotischen Sorten sind, fällt das Sortiment recht konventionell aus. „Verkaufsschlager sind karamellisierte Walnuss und weiße Schokolade mit Pistazien“, erklärt Kilianova.

Vor einem Jahr stiegen die Rostocker ins Geschäft ein. „Wir haben Proben an Feinkostgeschäfte und Weinhändler geschickt. Mehr als 90 Prozent haben sofort etwas bestellt, die meisten davon haben auch schon nachgeordert“, sagt Close. Inzwischen stehen fast 100 Geschäfte in ganz Deutschland auf der Kundenliste. 4000 Tafeln produziert das Paar im Monat.

Doch das Geschäft hat auch eine Schattenseite: „Jeden Tag essen wir mindestens eine Tafel selber, manchmal auch zwei oder drei“, sagt Close. Ergebnis: „Seit wir angefangen haben, habe ich 15 Kilo zugenommen.“

Axel Büssem

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