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Schweine-TV: Bauern lassen Bürger in den Stall gucken

Zemmin Schweine-TV: Bauern lassen Bürger in den Stall gucken

Mit einer Webcam in Zemmin will der Bauernverband Viehhaltung transparent machen.

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Landwirt Andreas Kühling (38) aus Zemmin zeigt die Stall-Webcam auf der Homepage des Bauernverbandes MV.

Quelle: Stefan Sauer

Zemmin. Gerade spannend sind die ersten Bilder nicht: elf Schweine in einer Bucht der Kühling GbR Zemmin im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Alle recht propper, gut 100 Kilo schwer. Doch das eigentlich als neugierig geltende Borstenvieh, dem Fachleute Spielfreude und Bewegungsdrang nachsagen, liegt auf dem nackten Fußboden — und döst vor sich hin. „Je älter ein Schwein ist, desto träger wird es“, klärt Landwirt Michael Kühling auf. „Schweine, die sich nicht mit Futtersuche befassen müssen, schlafen bis zu 80 Prozent des Tages.“ Wer weiß das schon.

Deshalb beteiligt sich der Familienbetrieb an einer Kampagne, mit der der Deutsche Bauernverband auf Transparenz setzt. Jeder Landesverband will eine Webcam installieren, über die Verbraucher miterleben können, wie die Tiere gehalten werden, deren Fleisch sie später im Supermarkt kaufen. In Schleswig-Holstein und Bayern gibt es solche Kameras bereits.

Gestern gegen 11.00 Uhr schalteten Michael Kühling und Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl die Webcam im Zemminer Stall „scharf“. Als Futter in die Tränken gepumpt wird, kommt Bewegung in die Mastschwein-Gruppe. Einige Tiere stehen auf, andere lockt selbst das nicht hoch vom Betonboden, durch dessen Spalten Kot und Gülle ablaufen sollen.

24 Stunden am Tag soll die Kamera Bilder liefern. Auf der Internetseite des Bauernverbandes reicht ein Klick — und man schaut live in die Bucht. „Wir stellen uns der Öffentlichkeit“, sagt Tietböhl.

„Wir zeigen, wie es in Ställen tatsächlich aussieht.“ Die Bauern hätten genug davon, „immer wieder in die Schmuddelecke gestellt zu werden“. Allerdings meinen die Landwirte, dass viele Menschen heute „von landwirtschaftlicher Tierhaltung so weit weg sind“, dass sie unrealistische Forderungen stellen.

„Viele würden unsere Schweine gern auf Stroh sehen“, weiß Michael Kühling. Dann müssten die Buchten mindestens zweimal pro Wochen ausgemistet werden. „Das ist aufwendig, wir müssen aber effektiv arbeiten“, wirbt Bauer Kühling um Verständnis für wirtschaftliche Zwänge. Aus seiner Sicht haben Spaltenböden „mehr Vorteile als Nachteile“. Es gebe zum Beispiel weniger Probleme mit Salmonellen.

Auch dass seine 5500 Mastschweine kein Ringelschwänzchen haben, rechtfertigt der Bauer. Vor zwei Jahren habe der Betrieb, den Kühling mit seinem Bruder Andreas leitet, bei 200 Tieren ausprobiert, die Schwänze nicht zu kürzen. „Es ging nicht. Sie knabbern sich an und bekommen Infektionen“, sagt er. Per Sondergenehmigungen darf der Betrieb weiterhin die Schwänze kürzen.

Die „Filmstars“ der ersten Webcam-Gruppe erwartet in der kommenden Woche der Schlachthof. Zwei Wochen später werden in derselben Bucht 25 Jungschweine einquartiert. „Besucher“ können drei Monate beobachten, wie es den Tieren geht, bis sie ihr Schlachtgewicht erreichen. Gestern war nach zwei Stunden „Sendezeit“ schon Schluss — die Internetseite war überlastet, ab heute soll das anders sein.

• Bilder auf www.ostsee-zeitung.de

 



Elke Ehlers

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