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Schweinezüchter zwischen billig und bio

Güstrow Schweinezüchter zwischen billig und bio

Auf dem „Schweinetag“ in Güstrow ging es um die Zukunft der Branche. Handel und Verbraucher machen Druck.

Güstrow. Was erwarten Verbraucher von Schweinefleisch-Produzenten? Was verlangt der Handel von den Bauern? Auf dem „Schweinetag“ in Güstrow (Landkreis Rostock) ging es genau um die Themen, die Schweinehalter in Mecklenburg-Vorpommern vor Probleme stellen. Der Fleischkonsum sinkt – bei Schweinefleisch am stärksten. In Umfragen geben Verbraucher dafür mehrere Gründe an. An erster Stelle steht „die Unzufriedenheit mit der Tierhaltung“, sagt Prof. Ulrich Hamm von der Universität Kassel (Hessen).

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Auf dem „Schweinetag“ in Güstrow ging es um die Zukunft der Branche. Handel und Verbraucher machen Druck.

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„Das Verbraucherverhalten hat sich extrem gewandelt“, bestätigt auch Sandra Erdmann von der Handelskette Edeka Nord. „Nach dem Krieg hat kaum jemand gefragt, wie die Tiere leben. Da wollten die Menschen satt werden.“ Vorrang hatte, dass die Bauern viel Fleisch produzieren. Später wurde anderes wichtig: Keimfreiheit, hoher Magerfleischanteil, Regionalität und Preis. „Im Einstiegssortiment müssen wir Fleisch und Wurst günstig anbieten, sonst gewinnt der Discounter“, sagt Sandra Erdmann. An der Fleischtheke werde aber viel Markenfleisch angeboten.

Trotzdem musste sie als Tierschutzbeauftragte des Edeka Nordfrische-Fleischwerkes in Valluhn (Ludwigslust-Parchim) so manchen „Shitstorm“ über sich ergehen lassen. In den sozialen Netzen entlädt sich immer häufiger die Kritik aufgebrachter Verbraucher, die mit der Schweinehaltung unzufrieden sind. „Darauf müssen wir reagieren“, sagt die Handelsvertreterin. Edeka setzt sich deshalb für die Ausweitung der Tierwohl-Initiative ein, bei der Bauern mehr Geld für das abgelieferte Fleisch bekommen, wenn sie die Haltungsbedingungen der Tiere verbessern. 1,6 Millionen Euro stellt Edeka Nord dafür pro Jahr zur Verfügung. Pro Kilo Fleisch erhalten Landwirte bisher vier Cent mehr, künftig sollen es sechs Cent sein.

Allerdings: Das Programm ist umstritten. Das vom Handel dafür aufgebrachte Geld reicht nicht aus, um alle interessierten Landwirte einzubeziehen. Außerdem ist für Verbraucher nicht erkennbar, welches Fleisch aus verbesserter Haltung kommt. Pikant: Der Tierschutzbund stieg im September aus der Tierwohl-Initiative aus.

Prof. Hamm ermuntert die Bauern, auf Öko-Produktion umzustellen. Bio-Qualität sei gefragt. „Die Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln wächst sehr viel schneller als die Öko-Fläche.“ Deutsche Bauern würden den Markt Anbietern aus Dänemark, Österreich und den Niederlanden überlassen. „Alle anderen Branchen haben begriffen, dass sie auf dem Weltmarkt Qualität liefern müssen. Nur die Landwirtschaft versucht es mit billigen Massenprodukten.“

Die Schweinebauern im Saal waren skeptisch. „Wir haben doch gar keinen Einfluss auf den Markt. Der Handel diktiert, was wir liefern sollen. Abgerechnet wird nach Gewicht und Magerfleisch-Anteil“, beschreibt Ulrich Söhnholz aus Neubukow-Panzow (Landkreis Rostock) die Situation. Pro Kilo Schweinefleisch erhalten die Bauern derzeit 1,55 Euro, Anfang des Jahres waren es nur 1,24 Euro.

Jörg Brüggemann vom Schweinekontroll- und Beratungsring der LMS Agrarberatung in Schwerin meint: „Die Wünsche der Verbraucher werden nicht alle umsetzbar sein. Wir sollten uns auf halber Strecke treffen.“ Der wirtschaftliche Druck auf die Landwirte sei groß.

Elke Ehlers

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