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Wirtschaft Schweriner Hightech-Schnüffler für Terrorabwehr in Rio
Nachrichten Wirtschaft Schweriner Hightech-Schnüffler für Terrorabwehr in Rio
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00:05 06.05.2016
Ein Gefahrstoff-Detektor im Einsatz Quelle: Jens Büttner/dpa
Schwerin

. Mit hochsensiblen Schadstoff-Detektoren einer Hightech-Schmiede aus Schwerin soll die Sicherheit bei den Olympischen Spielen in Brasilien erhöht werden. Die Airsense Analytics GmbH produzierte dafür mehr als 30 „elektronische Nasen“ — zum Abwehren möglicher Terrorangriffe. Die rund vier Kilogramm schweren Detektoren erfassen und analysieren chemische Substanzen und gefährliche Gase in Sportstätten, Hotels, Bussen und Bahnen. Die Geräte sollen an allen Wettkampforten auch zusammen mit Drogenspürhunden flächendeckend eingesetzt werden. Die mobilen „Schnüffler“ wurden jetzt an Polizei, Feuerwehr und Militär in Brasilien ausgeliefert, sagte Geschäftsführer von Airsense Analytics, Wolf Münchmeyer.

Auftragsvolumen: mehrere Millionen Euro.

Während der Spiele im August und der Paralympics im September in Rio de Janeiro sollen 85 000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein, doppelt so viele wie bei Olympia 2012 in London. Bereits für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 rüstete die mecklenburgische Firma Armee und Polizei in Brasilien mit 70 Sensor-Apparaten aus. Damit sorgen nun rund 100 Gasmessgeräte für mehr Sicherheit am Zuckerhut.

Eine „elektronische Nase“ funktioniert ähnlich wie die menschliche, aber viel zuverlässiger, erklärt Ingenieur Münchmeyer. Mittels Schlauch und Pumpe wird Luft angesaugt und analysiert. Dazu wurde das Gerät zuvor auf bestimmte Gerüche „trainiert“, um sie wiedererkennen zu können. Mehrere hundert toxische Gase, chemische, biologische und radioaktive Substanzen, Kampf- und Explosivstoffe ließen sich in kleinsten Konzentrationen binnen weniger Sekunden feststellen, noch bevor sie vom Menschen zu riechen seien, erläutert er. Die Daten werden rechnergestützt ausgewertet. Bei Gefahr ertönten Alarm- und Lichtsignale.

Zehn Jahre Entwicklungszeit stecken in den Spezialgeräten für Südamerika, sagt Geschäftsführer Andreas Walte. Die aktuelle Variante enthält auch einen Baustein zum Aufspüren von Sprengstoffen wie TNT. Nach den Terroranschlägen von Paris und Brüssel arbeite Airsense fieberhaft am Analysieren neuerer explosiver Materialien. Solche Stoffe könnten selbst aus herkömmlichen Dünge- und Lösemitteln sowie aus relativ einfach zu beschaffenden toxischen Chemikalien extrahiert werden, erklärt Walte. „Wichtig ist die Schulung der Sicherheitskräfte vor Ort.“ Die begann jetzt in Rio.

Das Unternehmen Airsense Analytics beschäftigt 30 Ingenieure, Wissenschaftler und Techniker. Entwickelt und gebaut werden auch Gefahrstoff-Messgeräte für die Pharma-, Umwelt- und Lebensmittelindustrie, die Luft-, Raum- und Seefahrt sowie für Sicherheitsbehörden in aller Welt. Im Einsatz war die Anti-Terror-Technik made in Mecklenburg auch schon bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Italien und 2014 in Sotschi sowie bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland und 2014 in Brasilien.

Darüber hinaus forscht Airsense im Auftrag des Bundes an Einsatzmöglichkeiten der „elektronischen Nase“ in der Landwirtschaft. So befasste sich ein Vorhaben mit dem Überwachen von Gärprozessen in Biogasanlagen, wie dem Forschungsinformationssystem Agrar und Ernährung FISA-online zu entnehmen ist. Ein anderes Projekt sah die Entwicklung von Gasdetektoren zum Aufspüren von Pilzen und organischen Giftstoffen auf Getreidefeldern und in Lagerstätten für Nahrungsmittel vor.

Firma gehört zu weltweit führenden Herstellern

Airsense Analytics wurde im April 1996 gegründet, Geschäftssitz ist die Landeshauptstadt Schwerin. Airsense entwickelt und produziert Sicherheitsinstrumente für die Bereiche öffentliche Sicherheit und Luftfahrt sowie Logistik und Umwelt.

Das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Sicherheitsausrüstung. Die mobilen Detektionsgeräte liefern in Sekundenschnelle Ergebnisse — zum Beispiel nach Unfällen mit Gefahrgütern oder bei der Lebensmittelkontrolle.

Von Grit Büttner

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