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„75 Jahre nach dem Untergang waren wir als Erste da unten“

Stralsund „75 Jahre nach dem Untergang waren wir als Erste da unten“

Reinhard Öser kennt sich auf dem Grund der Ostsee gut aus. Regelmäßig sucht der ehemalige Marinetaucher nach unentdeckten Wracks — so wie nach dem deutschen Torpedoboot „Tiger“.

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Stralsund. Reinhard Öser kennt sich auf dem Grund der Ostsee gut aus. Regelmäßig sucht der ehemalige Marinetaucher nach unentdeckten Wracks — so wie nach dem deutschen Torpedoboot „Tiger“. Ein Jahr lang hatte sich der 55-Jährige zusammen mit anderen Tauchern auf die Suche vor der dänischen Insel Bornholm vorbereitet. Wie die Expedition verlaufen ist, das erzählt Öser in seinem neuen Buch „Auf dem Grund des Meeres“, das heute erscheint. Darin sind auch viele Wracks und Flugzeuge dokumentiert, die Öser für das Landesamt für Bodendenkmale und Unterwasserarchäologie MV regelmäßig begutachtet.

Doch zurück zur „Tiger“: „Wir vermuteten das Wrack in etwa 70 Meter Tiefe in einem Gebiet, in dem nach 1945 Munition versenkt wurde“, erzählt Öser. Im September 2014 machte sich das Forschungsteam von Stralsund aus auf die Suche nach dem Boot. Es sank am 27. August 1939 nach einem Zusammenstoß mit einem Zerstörer. „In einem alten Kriegstagebuch stand, dass nach dem Untergang Detonationen zu hören waren. Und tatsächlich war es in zwei Teile zerbrochen.“ Bereits im vierten Anlauf wurde „Tiger“ gefunden. „75 Jahre nach dem Untergang waren wir als Erste da unten, das war ein tolles Gefühl“, erinnert sich Öser.

In Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) entdeckte er ein Kleinst- U-Boot vom Typ „Seehund“ in 17 Metern Tiefe. Fünf der 285 bis Ende des Zweiten Weltkrieges gebauten Exemplare waren in der Ostsee versunken. Im Herbst 2015 tauchte er das zweite Mal vor dem Ostseebad, um den Zustand des Wracks zu beurteilen. Bereits Anfang der 1990er Jahre hatte Öser mit einem Kameraden das Mini-U-Boot entdeckt. Es lag auf der Steuerbordseite, die Torpedos fehlten. Ein Einschussloch war an der Plexiglasluke zu erkennen. Im Inneren befanden sich zwei Leichen — Kommandant und Ingenieur. Im Oktober 2015 war von der gusseisernen Schraube des „Seehundes“ auf Grund der Korrosion nicht mehr viel übrig. Auch die Blech-Abdeckung zum Schutz des Kriegsgrabs war durchgerostet. Sie war 1999 angebracht worden, nachdem ein Wrackplünderer das Plexiglas gestohlen hatte.

Auf der anderen Seite MVs — östlich von Arkona auf Rügen — liegt seit 1935 ein Frachter namens „Guschi“ in 40 Metern Tiefe. Das Schiff war mit einer Ladung Rundholz unterwegs, als es 15 Seemeilen vor Arkona sank. Warum, ist unklar.

Vermutlich wurde die „Guschi“ um 1910 gebaut. Mittlerweile sind die Wände zerstört. Der Schiffskörper aus Stahl ist mit Sediment bedeckt. „Bei unseren Untersuchungen 2014 fanden wir etliche Ausrüstungsgegenstände, zum Beispiel ein gut erhaltenes Steingutgefäß“, erzählt Öser in seinem Buch. Er ist sicher: Das Wrack stelle eine wichtige archäologische Quelle des Schiffbaus und der Schifffahrt sowie des Handels in der Ostsee dar. Deshalb müsse es unbedingt weiter erforscht werden.

Nicht im Buch enthalten ist der 1915 versenkte deutsche Kreuzer „Undine“, der vor Rügen in der Nähe des Windparks „Baltic 2“ liegt. „Seit der Windpark fertig ist, wurde die ,Undine‘ stark geplündert“, bedauert Öser. Um mehr Menschen für das Problem Wrackplünderei zu sensibilisieren, bietet er Ostsee-Expeditionen für Hobbytaucher an.

Buchpremiere: „Auf dem Grund des Meeres“: 7. April, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Rostock

Von Kerstin Schröder

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