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Seewirtschaft Abwasser marsch!
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00:01 23.10.2017
Alles fließt: Terminalleiter Jens Käkenmeister in der Schiffsabwasser-Analysestation in Warnemünde.

Kreuzfahrtschiffe gleichen riesigen Wohnblocks, ja Kleinstädten. Und ihre Bewohner – tausende Passagiere plus Besatzung – produzieren jede Menge Abwasser:

bis zu 220 Liter pro Tag und Kopf. Abwasser aus Toiletten, Duschen und Pools, das bislang oft – mehr oder weniger geklärt – einfach so im Ozean landet. Bedingungen: mindestens vier Knoten Geschwindigkeit und zwölf Meilen Abstand von der Küste.

Für das „Sondergebiet“ Ostsee gibt es schon heute strengere Bestimmungen, die 2019 bzw. 2021 nochmals verschärft werden: Dann gelten für alle Kreuzfahrtschiffe und Passagierfähren Abwasser- Grenzwerte (u. a. für Phosphate und Nitrate), die auch moderne Klärsysteme an Bord nur selten schaffen. Und so bleibt die Alternative: Schmutzwasser in Häfen abgeben.

Am Kreuzfahrtterminal in Warnemünde ist das bereits seit 2012 möglich. Rostock Port nahm damals eine zusammen mit dem Rostocker Wasserversorger Eurawasser Nord und dem Warnow-Wasser- und Abwasserverband gebaute Entsorgungsanlage in Betrieb. „Pro Stunde können wir 150 Kubikmeter Abwasser abpumpen“, erklärt Christian Hardt, Sprecher bei Rostock Port. Eine Dienstleistung, die in der gerade zu Ende gegangenen Kreuzfahrtsaison knapp die Hälfte der Schiffe nutzten. „Bei 190 Anläufen wurde 87 mal so genanntes Grauwasser abgegeben.“

Zuvor jedoch werden in einer so genannten Analysestation zahllose Parameter gecheckt – so zum Beispiel Chlorgehalt und pH-Wert. Entspricht das Wasser den Vorgaben, heißt es: Wasser marsch!

Insgesamt 23400 Kubikmeter wurden 2017 über dicke Schläuche in die Warnemünder Kanalisation und schließlich ins Klärwerk Rostock-Bramow gepumpt. Seit Inbetriebnahme flossen rund 146000 Kubikmeter. „300 Kubikmeter sind pro Schiff und Anlauf kostenlos“, sagt Hardt. Finanziert wird dies über das so genannte Hafengeld, das alle Gastschiffe zahlen müssen. Darüber hinaus kostet der Kubikmeter drei Euro.

Nutzer sind unter anderem die Schiffe der Aida-Flotte. Man berücksichtige „bereits bei der Routenplanung, dass Abwasser in den Häfen an zertifizierte Entsorger abgegeben werden kann“, erklärt Sprecherin Martina Reuter. Zudem seien alle zwölf Schiffe mit Kläranlagen ausgerüstet. Grundsätzlich werde „kein ungeklärtes Abwasser in die Meere“ gepumpt.

Die Warnemünder Einrichtung zählt zu den wenigen derartigen Anlagen im Ostseeraum und besaß 2012 „Pilotcharakter“, sagt Gabi Kniffka, Sprecherin von Eurawasser. Denn gerade für kleine Häfen ist es schwierig, eine Infrastruktur aufzubauen, die große Abwassermengen in kürzester Zeit abnehmen kann. Die Anlagen werden nur wenige Monate im Jahr gebraucht, müssen aber „auch außerhalb der Kreuzfahrtsaison gewartet werden“, erklärt Andrej Vatterrott von Rostock Port.

Deshalb setzen viele Häfen auf mobile Tankwagen – so zum Beispiel auch Rostock Port: im Seehafen. Auch auf der nördlichen Hafeninsel in Stralsund, wo im Sommer zahllose Flusskreuzfahrtschiffe abgefertigt werden, kommen so genannte Saugwagen zum Einsatz. Eine stationäre Anlage gibt es nicht, erklärt Steffen Klar, Leiter Hafenentwicklung im Seehafen Stralsund. „Völlig offen“ sei auch, ob je eine gebaut werde. Der Bedarf scheint gering: In diesem Jahr gab es „lediglich zwei Entsorgungen“, sagt Klar.

Überhaupt kein Schmutzwasser wurde in dieser Saison im Seehafen Wismar übernommen, erklärt Geschäftsführer Michael Kremp. Aber: Im Zuge der Modernisierung des Kreuzfahrtliegeplatzes werde, so Kremp, „eine Grauwasser-Annahmestelle mit direkter Verbindung zur Kläranlage integriert“.

Ziel: Saubere Ostsee

Ab Juni 2019 gelten in der Ostsee strengere Einleitgrenzwerte für Abwasser auf neuen Passagierschiffen, ab 1. Juni 2021 dann auch für vorhandene Passagierschiffe: Es darf nur noch Abwasser mit maximal 1,0 Milligramm Phosphor pro Liter und maximal 20 mg Nitrat/Liter in die See gepumpt werden. Die Werte orientieren sich an denen städtischer Kläranlagen. Alternativ müssen Passagierfähren und Kreuzliner Abwasser in Häfen entsorgen. Für Frachtschiffe ändert sich nichts.

Thomas Luczak

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