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Arktis oder Suezkanal: Nordostpassage selten genutzt

Rostock/Hamburg Arktis oder Suezkanal: Nordostpassage selten genutzt

Die Abkürzung durch das Eismeer wird nicht vor 2035 konkurrenzfähig

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Macht den Weg frei für Handelsschiffe: der russische Atomeisbrecher „Jamal“ im Einsatz im Nordpolarmeer.

Quelle: Alexey Kashapov

Rostock/Hamburg. Ein Blick auf den Globus zeigt: Der Seeweg von Rostock nach Tokio ist entlang der russischen Arktisküste deutlich kürzer als die herkömmliche Verbindung über Mittelmeer und Suezkanal. Schiffe könnten auf der Route Tausende Kilometer einsparen. Berechnungen dänischer Wissenschaftler haben jedoch ergeben, dass die Passage über den Suezkanal bis mindestens 2035 die wirtschaftlich günstigere Variante bleibt – trotz des Klimawandels.

 

OZ-Bild

Schiffe, die etwa von Rostock aus über das Mittelmeer und den Suezkanal nach Tokio (Japan) fahren, müssen dabei den Wissenschaftlern zufolge rund 21000 Kilometer absolvieren. Über die Arktisroute wären das nur etwa 13200 Kilometer – das bedeutet: weniger Kraftstoffverbrauch und kürzere Fahrtzeit.

Dennoch rentiert sich die Arktis-Abkürzung erst für wenige Schiffe. „Die Nordostpassage ist bislang nur selten eine sinnvolle Alternativroute von Ostasien nach Europa“, erklärt das geschäftsführende Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg, Ralf Nagel.

Denn auch in der wärmeren Jahreszeit blockiert immer wieder Eis die Fahrtroute. Schiffe, die keine sogenannte Eisklasse vorweisen können, müssen daher von Eisbrechern begleitet werden. Die russischen Atomeisbrecher bahnen zwar den Frachtern den Weg durchs arktische Eis, sorgen aber für erhebliche Zusatzkosten.

Abschreckend sind für viele Reeder auch bürokratische Hürden und hohe Versicherungspolicen. So müssten für die Durchfahrten umfangreiche Angaben zu Schiff, Ladung, Besatzung und Route gemacht werden.

Zudem können sich die erhöhten Risiken auf Versicherungsprämien auswirken.

Konkurrenzfähig wird die Route nach Einschätzung der Copenhagen Business School und des Arctic Institute (USA) also frühestens ab dem Jahr 2035. Dann erst könnte der Klimawandel das Eis so weit zusammengeschmolzen haben, dass Frachter die Fahrt ohne die teure Begleitung russischer Eisbrecher angehen können.

Trotzdem haben in den vergangenen Jahren immer wieder Schiffe die Arktis-Route genutzt. Über jede einzelne Fahrt führt die russische Behörde „Northern Sea Route Information Office“ Buch und veröffentlicht die Listen im Internet. Im Jahr 2010 waren es demnach nur vier Schiffe, drei Jahre später dann schon 71. Bis 2015 ging die Zahl der Schiffe jedoch wieder auf 18 zurück. Eine verschwindend geringe Anzahl im Vergleich zum Suezkanal, den jedes Jahr rund 17000 Schiffe passieren.

Bereits im Jahr 2009 hatte die heute insolvente Bremer Beluga-Reederei zwei deutsche Frachtschiffe auf die Arktis-Route geschickt. Als sich vor drei Jahren der chinesische Frachter „Yong Sheng“ auf den Weg durchs arktische Eismeer machte, verkündeten Beobachter gar den Beginn eines neuen Zeitalters im Seeverkehr. Auch wenn dies nicht eintrat: Folgenlos war die Fahrt der „Yong Sheng“ nicht. Im vergangenen August taucht der Name auf der Liste der russischen Behörde erneut auf: Die „Yong Sheng“ fuhr von Shanghai (China) ins schwedische Varberg am Kattegat. An Bord: Teile für Windenergieanlagen. Und auf der Rückfahrt transportierte der Frachter Stahlrohre nach Korea – ebenfalls über die Arktisroute.

Mit einer Zunahme um immerhin das Vierzigfache heutiger Warenströme durch die Nordostpassage rechnet das Arctic Institute bis zum Jahr 2030. VDR-Geschäftsführer Nagel begrüßt daher die Einführung des sogenannten Polarcodes der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO). Die zusätzlichen Sicherheits- und Umweltschutzvorschriften für die arktischen Gewässer sollen Anfang 2017 in Kraft treten. Dazu gehören u. a. geschlossene Rettungsboote, spezielle Schiffskonstruktionen und fürs Eis verstärkte Strukturen sowie Trainings für Mannschaften und vor Kälte schützende Kleidung.

Der Arktische Rat

Im 1996 gegründeten Arktischen Rat haben sich Kanada, USA, Russland, Norwegen, Dänemark, Island, Finnland und Schweden zusammengeschlossen. Das Forum dient der Koordination einer gemeinschaftlichen Arktispolitik, etwa bei politischen und wirtschaftlichen Aspekten. Unter dem Arktischen Meer werden zahlreiche Rohstoffe vermutet. So sollen dort 13 Prozent des noch unentdeckten Erdöls sowie 30 Prozent der Erdgasreserven lagern.

Axel Meyer

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