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Seewirtschaft Asiaten auf Ostseetour
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Asiaten auf Ostseetour
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00:05 04.07.2016
Das japanische Schulschiff „Kashima“ (vorn) wird im August auf der Ostsee unterwegs sein. Rechts: der japanische Zerstörer „Isoyuki“. Fotos (2): Frank Behling

Premiere für die Rostocker Hanse Sail: In diesem Jahr werden Soldaten aus Japan als „Botschafter in Blau“ über das maritime Fest an der Warnow schlendern. Denn:

Macht während der Sail in Warnemünde fest: der Zerstörer „Setoyuki“.

Japans Marine schickt erstmals zwei Zerstörer zur Sail.

Fakt ist: Die Ostsee ist längst nicht mehr nur im Fokus der Nato-Seestreitkräfte. Im vorigen September war die Überraschung groß: Mitten im Seemanöver „Northern Coast“ kreuzten drei chinesische Marineschiffe bei Bornholm auf. Der Verband kam von der Anti-Piraten-Mission vor Somalia und machte auf der Heimreise einen Abstecher übers Mittelmeer direkt in die Ostsee. Drei Wochen dauerte die Tour, Häfen in Polen und Dänemark wurden besucht.

Beim Institut für Sicherheitspolitik an der Uni Kiel (ISPK) beobachtet man diese Entwicklung. „Es geht um Handelsinteressen. Die maritimen Warenautobahnen beginnen und enden ja irgendwo. Und das sind Ostsee und Mittelmeer“, sagt Sebastian Bruns, Leiter der Abteilung Maritime Strategie und Sicherheit am ISPK. Er erklärt, dass in Chinas Marineakademien inzwischen auch die Schriften bekannter US-Admirale gelesen würden. Gleichzeitig habe China seine Marine in den vergangenen Jahren von einer Küstenmarine hin zu einer global einsatzfähigen Seemacht entwickelt und den Rüstungsexport angekurbelt. So nutze China die Präsenz der eigenen Flotte auch zum Werben für die heimische Schiffbauindustrie. Handels- und Sicherheitspolitik seien „eng miteinander verquickt“, sagt Bruns.

Gerade angesichts der zunehmenden Konflikte um Hoheitsgrenzen und Seegebiete in Asien komme es für die asiatischen Seestreitkräfte darauf an, Präsenz zu zeigen. „Es ist auch ein Werben für Interessen. Wenn in Ostasien ein bewaffneter Konflikt entsteht, müssten sich auch EU und Nato positionieren“, sagt Bruns. China schließe bei derartigen Reisen durch europäische Gewässer zu Japan auf, das bereits seit den 70er Jahren Schulschiffe nach Europa und in die USA schickt.

In diesem Jahr steht nun Warnemünde auf dem Reiseplan von Konteradmiral Hidetoshi Iwasaki. Am 20. Mai war er mit dem Schulschiff „Kashima“ und den Zerstörern „Setoyuki“ und „Asagiri“ in Japan aufgebrochen. An Bord: 750 Besatzungsmitglieder und 200 Offizieranwärter. 31000 Seemeilen, 169 Tage und 13 Nationen stehen auf dem Reiseplan.

Über Hawaii und Panama geht es in die Ostsee. Hier wird der Verband vom 8. bis 11. August zunächst Klaipeda in Litauen besuchen. Danach löst Admiral Iwasaki den Verband auf. Das Flaggschiff „Kashima“ fährt durch den Nord-Ostsee-Kanal zu einem Besuch ins belgische Antwerpen. Die beiden Zerstörer biegen nach der Kadetrinne nach Backbord zur Warnowmündung ab. Vom 12. bis 16. August sollen sie in Warnemünde festmachen und zum Open Ship einladen.

Die „Setoyuki“ und die „Asagiri“ sind Lenkwaffenzerstörer älterer Bauart – bewaffnet mit Flugkörpern, Torpedos und Geschützen. Spezialisiert auf die U-Boot-Jagd sowie das Bekämpfen von Schiffszielen.

Die 137 Meter lange „Asagiri“ verdrängt rund 4200 Tonnen und hat 250 Besatzungsmitglieder. Die „Setoyuki“ ist 132 Meter lang, verdrängt 3700 Tonnen und hat 200 Mann Stammbesatzung. Hinzu kommen Kadetten und Flugpersonal für Hubschrauber. Der Besuch zur Hanse Sail wurde auf einer Besprechung der deutschen Häfen Ende vergangenen Jahres eingefädelt. Neben Warnemünde präsentieren bei einer Veranstaltung in Berlin alle deutschen Hafenstädte ihre Events und sprechen Einladungen aus.

Neben der Präsenz auf den Handelswegen dienen derartige Reisen auch dem Nachweis der militärischen Leistungsfähigkeit. Beim Besuch in Deutschland sind zudem Kontakte zu in Deutschland lebenden Japanern geplant.

Die Visite der japanischen Marine hat den Status eines Freundschaftsbesuchs. So wird die Deutsche Marine in Warnemünde auch ein Patenschiff und Verbindungspersonal stellen, das den Japanern etwa bei Fragen zum Landgang zur Seite steht. Gemeinsame Übungen deutscher und japanischer Einheiten sind nicht vorgesehen, teilt das Marinekommando mit. Auch ein direkter Gegenbesuch in Japan ist vorerst nicht in Planung.

Im Gegensatz zur japanischen Flotte ist die Deutsche Marine eher klein. Die japanische Marine verfügt über 50000 Soldaten und 154 Schiffe – darunter vier Hubschrauberträger und 43 Zerstörer.

Die Deutsche Marine kämpft nach diversen Umstrukturierungen mit dem Mangel und hat noch knapp 50 Einheiten und 16000 Soldaten.

Hanse Sail lädt vom 11. bis 14. August nach Rostock

Die 26. Hanse Sail steigt vom 11. bis 14. August in Rostock. Mehr als 160 Schiffe, darunter berühmte Segler wie die „Roald Amundsen“ oder die „Fridtjof Nansen“, laden zu Tagestörns ein. An Land kann man in Erlebniswelten eintauchen – etwa in das „Leben in der Hansezeit“ oder die große Kirmes, oder man kann eines der Bühnenprogramme besuchen. Der Auftakt der 26.

Sail ist traditionell das Klassik-Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Partner ist in diesem Jahr Polen – das Land, in dem in den letzten Jahrzehnten weltweit die meisten Windjammer neu gebaut wurden.

Frank Behling

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