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Seewirtschaft Auf Abschlepp-Kurs: „Fairplay“ kümmert sich um die Großen
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Auf Abschlepp-Kurs: „Fairplay“ kümmert sich um die Großen
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02:25 31.03.2014
Während der Schlepper „Fairplay XII“ den Tanker von achtern sichert, drücken „Axel“ und „Fairplay II“ den blauen Koloss Richtung Steuerbord. Ein vierter Schlepper zieht am Bug. Quelle: Fotos: Frank Hormann
Rostock

Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche der Warnow, während die „Fairplay XII“ gemütlich Richtung Überseehafen tuckert. Plötzlich wird das monotone Brummen des Motors von einem Knacken im Funkgerät unterbrochen: „Die Zwölf geht Achtern“, lautet die Ansage. Kapitän Wolfgang Künzel gibt ein knappes Okay und lenkt den 30 Meter langen Schlepper nach Steuerbord.

Sein Ziel: Ölhafen, Liegeplatz 03.

Seit 1990 ist das Hamburger Unternehmen Fairplay Towage in Rostock-Warnemünde ansässig. Seitdem ist Wolfgang Künzel damit beschäftigt, große Schiffe in die Häfen und Werften des Landes zu ziehen und wieder hinauszubegleiten. So auch beim Einsatz an der „Olympiysky Prospect“. „Solch einen großen Tanker hatten wir lange nicht mehr“, sagt der 59-Jährige. Vier Schlepper werden benötigt, um das blau-weiße Ungetüm — 250 Meter lang, 40 Meter breit — aus dem Hafen zu bugsieren.

Knapp 22 Millionen Tonnen wurden im vergangenen Jahr im Rostocker Überseehafen umgeschlagen. „Gut die Hälfte davon macht der Fährverkehr aus“, erklärt Steuermann Jan Palatschek (39). „Aber die Fähren haben eine Schlepp-Befreiung.“ Ob ein Schiff die Hilfe von Wolfgang Künzel und seinen Kollegen braucht, entscheiden das Hafen- und das Schifffahrtsamt. „Länge, Breite, Tiefgang und Ladung spielen dabei eine Rolle“, erklärt Palatschek. „Und die modernen Antriebe. Die großen Kreuzfahrtschiffe kommen zum Beispiel ohne unsere Hilfe aus.“ Für Wolfgang Künzel gilt deshalb: „Umso älter die Schiffe sind, desto besser ist das eigentlich für uns.“

Die „Fairplay XII“ wartet auf weitere Anweisungen der Lotsen an Bord des Tankers. „Da kommen die Losmacher“, sagt der Kapitän und zeigt auf fünf Männer in gelber Arbeitskleidung, die an der Kaikante entlang Richtung Tanker laufen. Maschinist Jens Kahra rollt währenddessen die dicke Schleppleine von der Winde am Bug des Schiffes und verbindet sie mit einem Seil, welches die Tankerbesatzung herablässt. Das Tau schlängelt sich am Heck hinauf und verschwindet an Deck der „Olympiysky“. „Jetzt wird oben festgemacht“, erklärt Künzel und gibt das Kommando „An Tau!“ Während Schlepper „Axel“

und Schwesterschiff „Fairplay II“ den Tanker von Backbord auf Kurs drücken, bewegt sich der Koloss langsam nach vorne.

Im vergangenen Monat absolvierte die Reederei Fairplay weit über 50 Aufträge, sogenannte Jobben. Vor der Finanz- und Schifffahrtskrise 2008 waren die Werften von Wismar bis Wolgast ein großer Auftraggeber. „Das hat allerdings abgenommen“, sagt Niederlassungsleiter Frank Herzer. Das Hauptgeschäft heute sind die Getreide- und Kohleschiffe oder Tanker, die den Chemiehafen ansteuern. „Einen großen Einschnitt hat der Rostocker Hafen jedoch nicht gemerkt, da Containerschifffahrt hier keine Rolle spielt“, erklärt Herzer.

Eine gute Planung der Einsätze ist für Herzer entscheidend: „Mecklenburg-Vorpommern ist ein Flächenland — auch für uns“, betont der 53-Jährige. „Denn wenn zwei unserer Schlepper in Stralsund sind, wird es schwierig, einen großen Tanker in Rostock zu versorgen.“ Weitere Schiffe in Rostock zu betreiben lohne sich wirtschaftlich jedoch nicht. „Bei Engpässen arbeiten wir eng mit unseren polnischen Kollegen oder anderen Reedern zusammen“, sagt Herzer.

Die „Olympiysky“ hat es aus dem Ölhafen geschafft. „Jetzt müssen wir nur noch das Hinterteil um die Kurve ziehen“, sagt Künzel. Die Schiffsschraube des Tankers arbeitet bereits mit. „Gleich tanzen wir auf den Wellen“, sagt Steuermann Jan Palatschek mit einem Grinsen. Während das Drahtseil unter Hochspannung steht, vibriert das ganze Schiff. Der Schlepper neigt sich und schaukelt hin und her.

Künzel konzentriert sich auf die Ansagen der Lotsen an Bord des Tankers. Zwei Minuten später ist wieder alles ruhig. „Vielen Dank und bis zum nächsten Mal!“, ertönt es aus dem Funkgerät auf Höhe der Neptun Werft. Vom Deck des Öltankers rutscht das Schleppseil. „Ab nach Hause“, sagt Künzel und dreht ab. Der nächste Einsatz steht schon auf dem Plan — nachts um eins am Chemiehafen.

• Video des Einsatzes der „Fairplay XII“ unter www.ostsee-zeitung.de

Fairplay Towage

7Standorte hat das 1905 in Hamburg gegründete Unternehmen, neben Deutschland auch in Holland und Polen. Zum Standort Rostock gehören fünf Schiffe — vier in Warnemünde (darunter auch die „Baltic“) sowie ein Notfallschlepper in Sassnitz.
55Mitarbeiter sind in Rostock tätig. Die fünfköpfigen Besatzungen eines Schleppers arbeiten in zweiwöchigen Schichten. Während dieser Zeit wohnen sie auf dem Schiff.

2500 Euro kostet ein Einsatz im Durchschnitt. Der Preis errechnet sich nach Größe und Tonnage des Schiffes.



Vanessa Kopp

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