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Bedrohung durch Piraten nicht gebannt

Rostock Bedrohung durch Piraten nicht gebannt

Reeder warnen vor weiteren Angriffen / Korvette „Erfurt“ aus Rostock-Warnemünde sicherte Seegebiet vor Somalia

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Piraten an der Küste bei Hobyo – eine Stadt mit 12000 Einwohnern. Sie liegt am Indischen Ozean und ist Teil des autonomen Puntland. FOTO: GETTY IMAGES

Rostock. . Ein Containerschiff ankert vor der Küste Guineas, als ein Holzboot heranrast. Sechs mit Kalaschnikows bewaffnete Männer eröffnen das Feuer, entern das Schiff und rauben Geld und andere Wertsachen. Dem Kapitän gelingt es zwar noch, das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) zu alarmieren – aber die Piraten können mit ihrer Beute fliehen.

Der Angriff vor der westafrikanischen Küste Ende September 2016 ist der letzte von 141 Vorfällen, die im aktuellen Piraterie-Bericht des IMB dokumentiert sind. Demnach haben die oft bis an die Zähne bewaffneten Räuber in den ersten neun Monaten dieses Jahres 111 Schiffe geentert und 110 Seeleute in ihre Gewalt gebracht. Außerdem wurden fünf Schiffe entführt und zehn beschossen.

15 Angriffe konnten von den Besatzungen abgewehrt werden.

Ein hohes Risiko, von Piraten angegriffen zu werden, besteht nach wie vor an den Küsten, in Buchten, Häfen oder Flussmündungen von Ländern wie dem afrikanischen Nigeria (31 Angriffe) und dem asiatischen Indonesien (34). Das IMB geht allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer „weit höher liegt“.

Deutlich zurückgegangen ist hingegen die Gefahr in den Gewässern vor dem ostafrikanischen Somalia, am Horn von Afrika – und daran hat auch die Deutsche Marine Anteil. In diesem und im vergangenen Jahr überwachte dort unter anderem die in Rostock-

Warnemünde stationierte Korvette „Erfurt“ die Gewässer. „Abschreckung, Verhütung und Beendigung von Piraterie“ zählt ein Marine-Sprecher einige der Aufgaben der „Erfurt“ auf.

Der Anti-Piraterie-Einsatz der Korvette (Besatzung: 58 Personen) – zusammen mit weiteren Schiffen, Hubschraubern und Flugzeugen im Rahmen der UN-Operation „Atalanta“ – war erfolgreich: Bis Ende September wurde laut IMB aus der Region nur ein erfolgloser Piratenüberfall gemeldet. Am Horn von Afrika, eine der meist befahrenen Schifffahrtsrouten weltweit, trug die Mission „entscheidend zum Schutz der Schifffahrt und vor allem von Seeleuten“ bei, betont der Marine-Sprecher.

Durch die „robuste Präsenz“ des UN-Verbands hätten Piraten seit 2013 in der Gegend kein Schiff in ihre Gewalt bringen können. Hunderte Passagen von Handelsschiffen seien eskortiert worden. 2011 hatten Piraten bei Somalia noch 176 Schiffe überfallen und 25 weitere entführt. Die knapp 90 Meter lange „Erfurt“ war im Juni nach Rostock zurückgekehrt. Dennoch: Das IMB gibt keine Entwarnung und ruft Kapitäne „weiterhin zur Vorsicht bei der Durchfahrt auf“.

Auch die Schifffahrtsunternehmen haben aufgerüstet. Allein im Jahr 2013 – dem Höhepunkt der Piratenüberfälle weltweit – wurden nach Angaben der Zeitung „Die Welt“ rund 1,2 Milliarden US-Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) in Sicherheitstechnik und -personal für die Handelsschiffe investiert. Seither ging die Zahl der Überfälle deutlich zurück. In diesem Jahr waren es so wenig Vorfälle wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Dennoch warnt der Verband Deutscher Reeder (VDR) davor, die Piraterie kleinzureden. So sei erst im Oktober – also nach Ende des Berichtszeitraums der IMB-Studie – ein deutscher Tanker etwa 300 Seemeilen vor der somalischen Küste angegriffen worden. Private Sicherheitskräfte hätten die Piraten mit Warnschüssen vertrieben. Das zeige deutlich: „Die Piraterie am Horn von Afrika bleibt eine unmittelbare Bedrohung für das Leben der Seeleute und den friedlichen Seehandel“, betont Ralf Nagel vom Verband Deutscher Reeder.

Sechs Schiffe, die für deutsche Reedereien fahren, wurden laut IMB-Bericht in diesem Jahr bislang attackiert. Ins Visier der Piraten geraten vor allem Container- und Frachtschiffe. Sie sind ein leichteres Ziel als beispielsweise Kreuzfahrtschiffe. Hohe Bordwände und größere Geschwindigkeiten machen es Angreifern hingegen schwer, die Kreuzliner zu entern.

Beim IMB laufen die Fäden zusammen

Das Internationale Schifffahrtsbüro (International Maritime Bureau, IMB) ist eine Spezialeinheit der Internationalen Handwerkskammer (ICC).

Das zum IMB gehörende Piracy Reporting Centre (PRC) ist die weltweit einzige Einrichtung, die rund

um die Uhr Berichte über Piraterievorfälle erhält und verarbeitet. Kapitäne und Schiffseigner sind angehalten, alle Piratenangriffe beim IMB zu melden. Das Schifffahrtsbüro berät auch die Marine und informiert über Risikogebiete.

Axel Meyer

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