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Boote made in MV gefragt: Zahl der Betriebe steigt

Stralsund/Rostock Boote made in MV gefragt: Zahl der Betriebe steigt

Landesweit 60 Prozent mehr Firmen / Auch Stralsunder Schaich-Werft floriert

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Bootsbauer an Bord: Roman Menge (28, v.l.), Matti Buschmann (21), Ingo Rüger (63) und Azubi Eric Scharold (21) machen in der Schaich Bootswerft in Stralsund alte und neue Boote wieder flott.

Quelle: Fotos: Christian Rödel (2)

Stralsund/Rostock. Als Philipp Schaich (44) im Jahr 2008 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, schlitterte die internationale Wirtschafts- und Finanzwelt gerade durch eine schlimme Krise. Eigentlich kein guter Zeitpunkt, um mit einer Zwei-Mann-Bootsbaufirma auf den Markt zu drängen.

Und doch: Neun Jahre später floriert das Bootsbau-Unternehmen. 22 Boote, an denen Reparaturen oder Generalüberholungen anstehen, stapeln sich derzeit in der Schaich-Werft auf der Insel Dänholm zwischen Stralsund und Rügen. Philipp Schaich spricht von einer sehr guten Auftragslage. Inzwischen arbeiten acht Bootsbauer in drei Hallen an Booten und Yachten aller Couleur. Zwei weitere Angestellte sind im Büro tätig.

Der Platz wird knapp, denn die kleine Werft wächst. „Die gute Konjunktur macht sich bemerkbar. Wir haben uns Stück für Stück erweitert, sind derzeit bei 20 bis 30 Prozent Wachstum im Jahr. Selbst im Sommer, wo es sonst eher ruhig zugeht, haben wir inzwischen durchgängig gut zu tun. Weil es hier langsam eng wird, sind wir auf der Suche nach einem neuen Standort“, sagt der Schiffbauingenieur.

Der Stralsunder Bootsbaubetrieb steht mit seiner kleinen Erfolgsgeschichte für eine Branche, die landesweit gerade Hochkonjunktur hat. Die Handwerkskammern in MV zählen derzeit 83 Betriebe, die im Boots- und Schiffbau aktiv sind. Noch im Jahr 2005 gab es lediglich 49 solcher Firmen – ein bemerkenswerter Anstieg um gut 60 Prozent.

Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern sagt: „Mit dem zunehmenden Tourismus und Wassersport sind auch die handwerklichen Dienstleistungen und Produkte der Boots- und Schiffbauer in MV gefragt.“ Ob die Bootswerft Rammin in Barth, Hanse Yachts in Greifswald oder Bootsbau Rügen GmbH – auch in der direkten Nachbarschaft der SchaichWerft gibt es diverse erfolgreiche Unternehmen.

Auf dem Dänholm konzentriert sich Philipp Schaich auf Motor- und Segelboote sowie Yachten – von fünf bis 15 Metern Länge ist alles dabei. So wartet beispielsweise ein 50 Jahre altes Boot mit einem holländischen Namen auf ein neues Teakdeck. Bei einem Holz-Motorboot, das auf den Wasserwegen bereits ganz Europa bereist hat, muss das Unterwasserschiff abgedichtet und saniert werden. „Wir sind bundesweit aktiv und haben auch Kunden aus der Schweiz und England“, sagt Schaich. Dabei kommen dem gebürtigen Hamburger seine Englischkenntnisse zugute, die er nach seiner klassischen Bootsbauer-Ausbildung in England erwarb. Er studierte fünf Jahre Yachtdesign in Southhampton. Eines wusste der dreifache Familienvater schon damals: „Ich wollte nicht im Schiffbau auf der Werft landen, wo man oft nur bestimmte Einzelteile eines Schiffes produziert. Das Faszinierende am Bootsbau ist, dass das Produkt von A bis Z hier durchläuft und man mit allen Facetten des Bootes zu tun hat.“

Dass es so gut laufen würde, damit hat der 44-jährige Firmenchef allerdings nicht gerechnet, als er 2008 in Stralsund ein Boots-Charterunternehmen übernahm. Seine heutige Vision ist es, in ein paar Jahren 30 Mitarbeiter unterschiedlichster Gewerke zu beschäftigen, vom Lackierer über den Motorenschlosser bis zum Segelmacher. „Ich denke inzwischen, dass das ein realistisches Ziel ist.“ Auch deshalb stellt er jedes Jahr Nachwuchs ein. Vier Lehrlinge lernen bei Schaich den Beruf des Bootsbauers von der Pike auf. Einer von ihnen, Matti Buschmann, ist in diesem Jahr sogar landesweit der Top-Azubi im Handwerk geworden.

„Für junge Menschen ist es ein sehr vielseitiger Beruf, dessen Anforderungen in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind“, sagt Hopf von der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Auch die Zukunftsaussichten für Bootsbauer seien – wie derzeit in vielen Handwerksbereichen – sehr gut.

Bessere wirtschaftliche Situation

Einmal im Jahr befragt der Deutsche Bootsbau- und Schiffbau-Verband (DBSV) seine Mitgliedsbetriebe. 2017 gaben 35,6 Prozent der Bootsbauer an, dass sich die Situation auf dem deutschen Markt verbessert hat. Außerdem schätzten 37,7 Prozent ein, dass die wirtschaftliche Situation ihres Betriebes besser ist als 2016.

83 Bootsbaubetriebe gibt es derzeit in MV. Im Bereich der Handwerkskammer Schwerin hat sich die Zahl der Betriebe in den letzten zwölf Jahren verdoppelt. 61 Lehrlinge werden derzeit landesweit in diesem Handwerksberuf ausgebildet.

Virginie Wolfram

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