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Seewirtschaft „Büchner“-Lehrlinge: Mit diesem Trick kamen wir an Bier
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft „Büchner“-Lehrlinge: Mit diesem Trick kamen wir an Bier
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01:30 25.08.2014
Heinz Erich Karallus Quelle: Nicole Hollatz
Grevesmühlen

Auf der ersten großen Fahrt von Heinz Erich Karallus auf dem DSR-Ausbildungsschiff „Georg Büchner“ wäre es 1973 fast zu einer Kollision gekommen. „Mit einem Luftkissenboot — im Kanal zwischen England und Frankreich. Weil ich einen falschen Befehl hatte“, sagt der ehemalige Wismarer, der damals auf der Brücke am Ruder stand. „Ich hatte genau den Kurs angelegt. Plötzlich sprangen alle im Karree, weil wir dem Hoverboot gefährlich nahe gekommen waren“, so Karallus. Passiert ist nichts — zum Glück.

Für Karallus und die anderen Vollmatrosenlehrlinge ging die Reise weiter nach Kuba. Dort sollten sie Rum an Bord nehmen. Ziel: Schweden. „Das war eine tolle Zeit in Kuba. Dort haben wir das erste Mal legal Bier an Bord bekommen, am 11. November gab es zum Abendbrot ein Bier!“

Um auch zu anderen Zeiten an ein kühles Blondes zu kommen, wurden die jungen Leute kreativ: „Wir waren die sogenannte Getränkeklasse und mussten in unseren Schulpausen unten aus der Last aus Deck zwei, kurz vor dem Kielschwein, Bier und andere Getränke bis fast ganz nach oben bringen in die Offiziers- und Mannschaftsmesse“, erzählt Heinz Erich Karallus. „Wir mussten immer erst hoch, das Leergut abholen.“ War eine kaputte Flasche „Hafenbräu“ dabei, verschwand diese auf dem Weg nach unten in einer Kammer der jungen Seemänner. Waren sie mit der vollen Kiste Bier auf dem Weg nach oben, wurde eine volle Flasche aus dem Kasten gegen die kaputte ausgetauscht. Karallus: „Das ging so lange gut, bis uns einer verpfiffen hat.“

Zurück in der Nordsee, erlebten die jungen Männer die harte See. „Plötzlich war der Niedergang senkrecht, ich bin die Treppe runtergeknallt.“ Normalerweise hatte Heinz Erich Karallus keine Probleme mit Übelkeit. „Da ist mir zum ersten Mal was aus dem Gesicht gefallen.“

Heinz Erich Karallus war nicht lange auf der „Büchner“. „Ich bin ‘gegangen worden‘“, sagt der Mann, der heute in der Nähe von Grevesmühlen lebt. Man habe ihm das Seefahrtsbuch abgenommen. Auslöser war eine Kleinigkeit, die Ursache, vermutet er, eine andere. „Wir sollten an Land auch am Sonnabend Unterricht haben, weil wir durch die späte Fahrt viel Zeit verloren hatten und uns jede Menge Stoff fehlte.“ Das hätte bedeutet, dass die Jugendlichen nicht übers Wochenende nach Hause konnten. „Ich habe Unterschriften gesammelt gegen den Samstagsunterricht. Das kam nicht gut an.“ 1974 flog er raus.

Die „Büchner“ ließ Karallus trotzdem nicht los. „Ich habe ein Lied für sie geschrieben: ,La Paloma für Schorsch‘.“ Er hat es selbst eingesungen und sich auf der Gitarre begleitet. „Ein Schiff fährt hinaus ohne Wiederkehr.“

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Info: Sie sind auch auf einem der DSR-Lehrschiffe „Heine“, „Körner“,
„Büchner“ oder „Fichte“ gefahren und möchten uns Ihre Geschichte erzählen? ☎ 0381 / 36 53 81; OZ, Thomas Luczak, Ressort MV,
R.-Wagner-Str. 1a, 18055 Rostock; E-Mail: schulschiffe@ostsee-zeitung.de



Nicole Hollatz

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