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„Büchner“ wieder da: Volles Haus bei Ausstellungseröffnung

Rostock „Büchner“ wieder da: Volles Haus bei Ausstellungseröffnung

Gut 100 ehemalige Seeleute sind am Sonnabend auf das Traditionsschiff nach Rostock gekommen / 50 Exponate erinnern dort an die Geschichte der „Georg Büchner“

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Die „Georg Büchner“ im Rostocker Stadthafen, wie die Menschen sie kennen. Die Aufnahme stammt aus dem Juli 2010.

Quelle: Fotos: Wüstneck/dpa; Schröder

Rostock. Der Andrang ist groß: Immer wieder müssen Sven Rümenapf und Ronald Piechulek weitere Stühle in den Saal tragen. Am Ende sind es um die 100 Gäste, die bei ihrer Ausstellungseröffnung auf dem Rostocker Traditionsschiff dabei sind. Dort ist am Sonnabend die „Georg Büchner“ wieder aufgetaucht – in Form von 50 Exponaten. Die alten Seefahrtsbücher, Fotos und Baupläne erinnern an das ehemalige Ausbildungsschiff der Deutschen Seereederei (DSR), das im Mai 2013 vor der polnischen Halbinsel Hel gesunken ist.

„Ich hatte Gänsehaut, als ich vom Untergang hörte“, sagt Michaela Selling. Die Direktorin des Rostocker Kultur- und Denkmalpflegeamtes ist vor allem vom Maschinenraum der „Büchner“ begeistert gewesen: „Er war so gut erhalten.“ Es tue weh, dass das Schiff heute nicht mehr da sei. Es habe ein Stück Stadtgeschichte mitgeschrieben. Und es hat auch das Leben von gut 14000 Männern begleitet, die auf der „Büchner“ den Seemannsberuf gelernt haben – darunter Andreas Reimann. „Ich wurde an Bord zum Vollmatrosen ausgebildet“, erzählt er. Von der „schönen Zeit“ hat er den Ausstellungsmachern Piechulek und Rümenapf berichtet. Das Interview ist auf Videoleinwänden zu sehen.

Peter Peuß, der von 1970 bis 1977 auf dem Schiff als Ausbilder tätig war, hat auch einige Dinge beigesteuert, unter anderem ein Seefahrtsbuch und Sicherheitsvorschriften. Die Ausstellung gefällt dem Warnemünder sehr gut. „Weil sie persönliche Erinnerungen wieder aufleben lässt.“ Das tut auch eine alte Lampe, die im Frühjahr 1979 ein Lehrling, der seinen Namen nicht nennen will, eines Nachts abmontierte. Die Tat blieb nicht unbemerkt. Das Schiff wurde durchsucht, die Lampe aber nicht gefunden. „Dinge an Bord zu verstecken, zum Beispiel vor dem Zoll, gehörte schließlich zu Grundkenntnissen eines Seemanns“, berichtet der Zeitzeuge. In einem Gitarrenkoffer hat er die Lampe an Land geschmuggelt.

Besonders stolz sind die Museologen, dass auch eine ganze Reihe von Gegenständen aufgetaucht sind aus der Zeit, als die „Büchner“ noch als „Charlesville“ von Belgien aus in den Kongo fuhr. Unter anderem sind Reedereibroschüren, Rettungsring und Geschirrteile mit dem Aufdruck Compagnie Maritime Belge (CMB) zu sehen. Die Zeit als fahrendes und später stationäres Lehr- und Ausbildungsschiff illustrieren unter anderem Radierungen von Olaf Hoppe, die die Kunstsammlung der DSR zur Verfügung gestellt hat. Auch aus der Zeit als Hotel- und Herbergsschiff sind einige Exponate eingetroffen.

Und: Da man ab 1998 auf der „Büchner“ auch heiraten konnte, hat ein Hochzeitspaar – Petra und Uwe Herklotz aus Reinshagen (Kreis Rostock) – Fotos und ein „Knotenbrett“ zur Verfügung gestellt, die an ihre Trauung am 9.9.1999 erinnern.

Rostocks Hafenkapitän Gisbert Ruhnke, der auch Lehrling auf dem 1950 erbauten Schiff gewesen ist, hat gewissermaßen in letzter Sekunde den Magnetkompass und einen Maschinentelegrafen sichergestellt, bevor die „Büchner“ im Mai zur Verschrottung nach Litauen gebracht wurde und auf dem Weg dorthin unterging. Beides ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Dass diese viele ehemalige Fahrensleute besuchen werden, hofft Museumschefin Kathrin Möller. Zumindest bei der Eröffnung hatte sie schon ein volles Haus.

Zeitzeugen gesucht

Die Ausstellung „Georg Büchner – Ein Schiff taucht wieder auf“ ist im Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum im IGA Park Rostock bis zum 15. Januar 2017 zu sehen. Das Museum auf dem Traditionsschiff ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, ab 1. November bis 16 Uhr. Die Ausstellung wird nach und nach erweitert: Wer seine Erinnerungen an die „Georg Büchner“

einbringen möchte, kann Geschichten, Fotos und Objekte präsentieren.

Kerstin Schröder

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