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Seewirtschaft Der Adler der „Graf Spee“ und Hitlers Erbe
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00:01 21.08.2017
War erst drei Jahre alt: Das Panzerschiff „Admiral Graf Spee“ sinkt brennend vor Montevideo. Quelle: Foto: British Official/ap/dpa

. Er ist 2,80 Meter hoch, 350 Kilo schwer, Relikt der ersten großen Seeschlacht des Zweiten Weltkriegs. Der Reichsadler des deutschen Panzerschiffes „Admiral Graf Spee“, am 17. Dezember 1939 gesunken vor Uruguay. 2006 wurde er geborgen, nun entscheidet sich, was damit passiert, das laut Schätzung mindestens vier Millionen Dollar wert sein soll.

Eingekesselt von den britischen Kriegsschiffen „Exeter“, „Ayax“ und „Achilles“ und schwer beschädigt hatte Kapitän Hans Langsdorff damals die Selbstversenkung des Schiffes in der Mündung des Río de la Plata vor Uruguay angeordnet. 1100 Matrosen setzten sich vorher mit einem Frachter in das Nazis freundlich gesinnte Argentinien ab. Langsdorff beging Suizid. Die Matrosen gründeten Familien in Argentinien, den Nachwuchs nannte man „Spee-Kinder“.

Einer, den der Mythos der „Admiral Graf Spee“ besonders gefesselt hat, ist der Unternehmer Alfredo Etchegaray. Er hat den Heckadler aus dem im La Plata versenkten Wrack mit einem Schwimm kran geborgen, ihm stehen 50 Prozent des Verkaufspreises zu. Der Oberste Gerichtshof Uruguays befand 2014, dass das Stück dem uruguayischen Staat gehört. Kürzlich wurde beraten, was zu tun sei mit dem Adler. Das Verteidigungsministerium diskutierte mit Vertretern mehrerer Parteien. Die Opposition will mit den Einnahmen aus einem Verkauf die Küstenwache mit neuen Schnellbooten ausstatten. Die Bundesregierung will vor allem einen Verkauf an Fans von Nazi-Devotionalien verhindern.

Erst vor ein paar Wochen machte die Beschlagnahme zahlreicher Devotionalien bei einem Händler in Buenos Aires Schlagzeilen. Neben einem kleineren Reichsadler fand sich auch eine angebliche Lupe von Adolf Hitler. Der damalige Außenminister Guido Westerwelle hatte 2010 in Montevideo gesagt: „Wir wollen verhindern, dass die Wrackteile des Schiffes, insbesondere die Nazi-Symbole, in den Handel mit Militärinsignien gelangen.“ Heute ist die Einstellung der Bundesregierung unverändert, heißt es im Auswärtigen Amt. Ziel sei, dass keine Wrackteile des Schiffs in den Militaria-Handel gelangen. Nur so lasse sich sichern, dass der Heckadler nicht zur Verherrlichung von NS-Gedankengut missbraucht werde.

Das meint auch Etchegaray. „Alle Seiten sind sich einig, dass der Heckadler nicht in die Hände von Sammlern von Nazi-Relikten geraten, sondern ins historische Museum kommen sollte“, sagt der Unternehmer. Ihm zufolge hat der damalige deutsche Botschafter in Montevideo das Wrack nach der Versenkung an einen Uruguayer verkauft – für 15

000 Pfund. Der Käufer sei Strohmann des britischen Geheimdienstes gewesen, der die Instrumente der präzisen Artillerie der „Admiral Graf Spee“ untersuchen wollte.

Sieben Stücke seien nach Großbritannien gebracht worden. Etchegaray will aus dem Wrack ein Museum im Wasser machen.Juan Garff und Georg Ismar

OZ

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