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Seewirtschaft Die Kreuzfahrt durchs ewige Eis gibt es für 21000 Euro
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Die Kreuzfahrt durchs ewige Eis gibt es für 21000 Euro
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19:47 13.04.2018
Die „Sea Spirit“ ist das kleinste, deutschsprachig geführte Expeditions-Kreuzfahrtschiff. Es geht seit Mai 2015 auf Törn. Quelle: Foto: Obs/foto Poseidon Expeditions
Rostock

Antarktis, Grönland, Spitzbergen, Amazonas: Abgelegene Regionen mit kleinen oder keinen Häfen – das sind die Ziele der sogenannten Expeditionskreuzfahrten. Und diese Touren „liegen im Trend“, teilt der Kreuzfahrtverband Clia (Cruise Lines International Association) auf OZ-Anfrage mit. „Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, planen die Reedereien bis zum Jahr 2022 weltweit 26 neue Expeditionskreuzfahrtschiffe in Dienst zu stellen“, erklärt Clia-Deutschland-Chef Helge Grammerstorf.

Die Schiffe werden speziell für die Fahrten in abgelegene Regionen gebaut. Mit maximal 500 Passagieren haben diese Spezialschiffe deutlich geringere Kapazitäten als herkömmliche Kreuzfahrtgiganten, die bis zu 5000 Menschen an Bord nehmen können. Zudem seien Expeditionskreuzfahrtschiffe wendiger. „Das ermöglicht zum Beispiel die Beobachtung von seltenen Tieren“, sagt Grammerstorf.

Mit der „Endeavor“-Serie setzen auch die MV Werften auf das Segment der Abenteuer-Kreuzfahrten. Anfang des Jahres startete auf der Stralsunder Werft die Produktion der „Crystal Endeavor“, der ersten der „weltgrößten Megayachten mit Eisklasse“. Das Schiff soll mit einer Länge von 164 Metern bis zu 200 Passagiere an Bord nehmen können. Reiseziele werden die Tropen und Polarregionen sein. Ab 2020 soll die Yacht in See stechen. Insgesamt will die malaysische Genting-Gruppe für die US-amerikanische Reederei Crystal Cruises drei dieser Luxus-Expeditionsschiffe in Stralsund bauen. Die Aufträge lasten die Werft bis 2021 aus.

Doch was ist überhaupt eine Expeditionskreuzfahrt? Kennzeichen seien außergewöhnliche Routen, die begleitet werden von Vorträgen und fachkundigen Experten, etwa Biologen, Gletscherforschern oder Historikern, heißt es bei Hapag-Lloyd Cruises. Während bei klassischen Kreuzfahrten die meisten Attraktionen an Bord passierten, seien bei Expeditionskreuzfahrten die Erlebnisse und Beobachtungen außerhalb des Schiffes wichtiger, so die norwegische Reederei Hurtigruten.

Dauer und Exklusivität machen die Reisen jedoch zu einem oft kostspieligen Vergnügen. Die Preisklassen reichten vom „mittleren Preissegment bis hin zu Luxusreisen im fünfstelligen Eurobereich“, erklärt Grammerstorf. Bei Hapag Lloyd kostet beispielsweise eine 32-tägige Antarktis-Fahrt auf der „Bremen“ knapp 17000 Euro. Und durch die Arktis schippert man bei der Reederei 19 Tage auf der „Hanseatic“ – für 21000 Euro.

Trotz der hohen Preise: Das Segment der Abenteuerreisen wächst laut Branchenverband Clia „mit rekordverdächtiger Geschwindigkeit“. Expeditionskreuzfahrten seien bei Reedereien wie Crystal Cruises, Hapag Lloyd Cruises und Ponant regelmäßig ausgebucht. Die Kunden seien häufig wohlhabend und aufgrund der längeren Reisedauer etwas älter, heißt es bei Hapag Lloyd Cruises.

Doch die zunehmende Schifffahrt – etwa in der Arktis – birgt nach Angaben des Naturschutzverbands Nabu unkalkulierbare Umweltrisiken. So würden Probleme, die durch die Kreuzschifffahrt generell entstehen, „in ökologisch sensiblen Gebieten noch schwerer wiegen“, betont Daniel Rieger, Nabu-Referent für Verkehrspolitik.

Die Umweltschützer fordern dort ein Schwerölverbot: „Schweröl als Schiffskraftstoff ist für die Arktis und für das Klima nicht zu verantworten.“ Bei einer Havarie gäbe es in diesen Breitengraden kaum Möglichkeiten, austretendes Schweröl einzudämmen. Die Folgen für die Region wären verheerend. Zudem fehlten nach wie vor Systeme zur Abgasreinigung.

26 Millionen buchten eine Kreuzschifffahrt

2,2 Millionen Passagiere aus Deutschland buchten laut Branchenverband Clia im vergangenen Jahr eine Kreuzschifffahrt. Weltweit waren es Schätzungen zufolge rund 26 Millionen Passagiere. Angaben, wie viele davon an Expeditionskreuzfahrten teilnahmen, gibt es nicht.

Bis zu 200 Passagiere können mit der Expeditionsyacht „Crystal Endeavor“ reisen, die derzeit auf der Stralsunder Werft gebaut wird. An Bord wird es 100

Suiten sowie Freizeit- und Wellnessbereiche geben.

Axel Meyer

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