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Seewirtschaft Die größte Maschine der Welt
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00:10 08.05.2017

Welche Aufgaben warten in Monaco auf Sie?

Mathias Jonas: Zum einen die nächste Stufe der Digitalisierung in der Schifffahrt. Zwar sind 98 Prozent der Hauptrouten und Häfen inzwischen mit elektronischen Seekarten abgedeckt. Nun kommt aber mit der autonomen Schifffahrt eine neue Entwicklung auf uns zu, analog zum autonomen Autofahren. Darauf müssen wir reagieren.

Wie weit ist da die Entwicklung?

Technisch wäre es heute bereits möglich, Schiffe ohne Besatzungen fahren zu lassen, aber es gibt besondere Anforderungen an Aktualität und die Genauigkeit der dafür erforderlichen Informationen.

Bisherige Seekarten reichen da nicht aus. Sie zeigen etwa nur die Mindestwassertiefen an. Das passt aber selten zum aktuellen Wasserstand. Wenn aktuelle Gezeiten- und Seegangsdaten laufend hinzugefügt werden, kann die tatsächliche Wassertiefe errechnet und angezeigt werden. Damit könnten Wasserstraßen effizienter genutzt werden. Dazu brauchen wir allerdings internationale Standards. Es nützt nichts, wenn jeder Staat, jeder Hafen sein eigenes System hat.

Wie läuft denn die Zusammenarbeit in der Internationalen Hydrographischen Organisation?

Wir müssen oft noch Verständnis dafür wecken, wie wichtig es ist, Meeresdaten zur Verfügung zu stellen. Gerade in Ländern, in denen die Daten vom Militär gehütet werden, herrscht da oft die Angst vor Missbrauch. Hier kann die IHO als Türöffner wirken, etwa indem wir zum Beispiel Verschlüsselungsmodelle für die Daten entwickeln und den gesellschaftlichen Nutzen einer breiten Streuung der Informationen deutlich machen.

Wie vollständig ist heute unser Bild der Meere?

Die Ozeane nehmen rund zwei Drittel der Erdoberfläche ein. Erst zehn Prozent davon sind genau vermessen. Das Küstenmeer bis zu einer Wassertiefe von etwa 200 Metern kennen wir gut, der Rest ist oft nur eine blaue Fläche auf der Karte. Wir brauchen aber ein Gesamtbild, um die großen Prozesse zu verstehen. Das Meer ist die größte Maschine der Erde, es ist ständig in Bewegung und produziert Wetter, Klima, Leben.

Wem nutzen Ihre Daten?

In den letzten hundert Jahren hat sich die Hydrographie stark auf Informationen für die Seefahrt konzentriert. Das wandelt sich, es kommen immer mehr Nutzer dazu, etwa die Offshore-Windenergie, der Tiefseebergbau oder Aquakultur.

Die Ausbeutung der Meere führt zu riesigen Umweltproblemen. Wie können Sie da gegensteuern?

Durch Schifffahrt, Fischfang und Einleitung von Schadstoffen lastet ein erheblicher Nutzungsdruck auf den Meeren. Hier steuern wir gegen und es gibt auch Fortschritte wie die Einführung der Doppelhüllentanker, die die Gefahr von Ölpesten deutlich reduziert haben. Die Zahl der Kollisionen sinkt seit Jahren. Die Schifffahrt ist sicherer geworden, jetzt muss sie sauberer werden.

Wie soll das funktionieren?

Moderne Schiffstechnik hilft Abgase und Einleitungen zu reduzieren, digitale Navigationstechnik verhindert Kollisionen. Ausgewiesene Schutzgebiete müssen konsequent von schädlichen Nutzungen freigehalten und die Einhaltung der Auflagen kontrolliert werden. Das Eis der Arktis schmilzt, dadurch entstehen neue Seewege. Wir müssen versuchen, die Fehler, die wir anderswo gemacht haben, in den arktischen Gewässern nicht zu wiederholen, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten.

Inwiefern können sie von den Erfahrungen, die Sie in Rostock gesammelt haben, profitieren?

Die zwischenstaatliche Zusammenarbeit zum verantwortungsvollen Umgang mit der Ostsee kann als Blaupause für andere Regionen dienen. Wir haben die Schiffsabgase reduziert, es gibt Maßnahmen, das Einschleppen fremder Arten durch Ballastwasser zu vermeiden, und Schiffe dürfen ihren Müll und ihr Schmutzwasser nicht mehr in der Ostsee entsorgen. Wenn wir zeigen, dass es hier möglich ist, kann es auch anderswo funktionieren.

Interview: Axel Bã¼ssem

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