Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Seewirtschaft Eintauchen in die virtuelle Fregatte
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Eintauchen in die virtuelle Fregatte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 13.02.2017

Bevor Philipp Lebrenz die Fähre mit dem Flüssigerdgas LNG betankt, muss er zunächst: Sicherheitszäune aufstellen, Tropfschutz installieren, Schlauch anschließen, Ventile öffnen und mit Stickstoff spülen. Alles richtig gemacht – dafür gibt es ein Lob. Aber nicht vom Kapitän, sondern vom Computerprogramm. Philipp Lebrenz arbeitet auch nicht an der Kaikante. Der 27-Jährige ist Entwicklungs-Ingenieur beim Rostocker Unternehmen Benntec (früher Marinesoft).

In einem Raum des Firmenstandorts im Technologiepark Warnemünde setzt Philipp Lebrenz eine futuristische Brille auf, die einer überdimensionierten Taucherbrille ähnelt. Dann bewegt er sich mit Hilfe sogenannter Controller durch eine virtuelle Realität (VR), eine Welt, die im Computer generiert wird. In dieser Welt wandelt er über Offshore-Plattformen – ohne abzustürzen. Oder repariert eine Fregatte der Deutschen Marine – ohne durch einen Fehler einen teuren Schaden zu verursachen.

Mit dieser Technologie für das Lernen in computergenerierten Welten betritt Benntec Neuland. Durch die Kombination der VR-Brille und der Lernsoftware tauche man tief in die virtuelle Welt ein, erklärt der Geschäftsbereichsleiter E-Learning, Volker Köhler (60): „Das weckt Emotionen, die dabei helfen, das erlernte Wissen zu verfestigen.“ Komplexe Systeme würden so anschaulich dargestellt und vermittelt.

Das 1990 gegründete Unternehmen ist ein Spezialist auf dem Gebiet der Lernsoftware (E-Learning) und der Simulation, vor allem im maritimen Bereich. Unternehmen und Institutionen aus aller Welt schulen und trainieren ihre Mitarbeiter mit den Technologien von Marinesoft, etwa das Nautische Zentrum im südasiatischen Sri Lanka oder die Columbus Universität in Panama. Auch die Deutsche Marine nutzt die Technologie.

Vor etwa zwei Jahren fusionierte Marinesoft mit der Bremer Firma Benntec. „Die beiden Unternehmen haben ähnliche Geschäftsfelder, durch die Fusion entstand eine fruchtbare Zusammenarbeit“, erklärt Köhler. Die Unternehmen firmieren seither unter dem Dach der Benntec Systemtechnik GmbH, wobei der Rostocker Standort eine eigenständige Marke blieb. Auch die Mitarbeiterzahl sei gewachsen. Seit der Fusion habe Benntec in Rostock um gut zehn Prozent auf jetzt 50 Beschäftigte zugelegt. Zusammen mit dem Bremer Standort arbeiten bei Benntec 140 Beschäftigte, bei einem Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro.

Nicht nur Softwareentwickler sind bei Marinesoft tätig, sondern auch Schiffsbetriebstechniker, Nautiker und ehemalige Marineangehörige. „Diese Mitarbeiter sprechen die Sprache unserer Auftraggeber“, erklärt Köhler. Das sei von Vorteil, etwa bei der Herstellung neuer Produkte, mit denen z. B. vermittelt wird, wie Schiffsmotoren zusammengesetzt sind. Oder wie die Funkanlage eines Marineschiffs zu bedienen ist. Oder wie die Sonaranlage eines U-Boots funktioniert.

Die Kunden sind offenbar zufrieden: Die Wirtschaftswoche kürte Benntec – und damit Marinesoft – aktuell bei der Kundenzufriedenheit als besten Mittelstandsdienstleister Deutschlands. Und laut einem Ranking des MMB Instituts (Essen) gehört die Firma zu den umsatzstärksten E-Learning-Produzenten bundesweit.

Axel Meyer

Mehr zum Thema

Täglich erreichen die OZ-Redaktion weitere Leserbriefe zur Namensablegung der Uni Greifswald

10.02.2017

Undemokratische Entscheidung? Abstimmen bis das Ergebnis passt? Die OZ geht den wichtigsten Thesen nach.

11.02.2017

Die Entscheidung der Universität zu Ernst Moritz Arndt bewegt die OZ-Leser

11.02.2017

Auch der Kreuzfahrt Guide 2017 besticht durch seine Vielfalt. Tolle Fotos, Reportagen, Porträts von Kreuz- und Flusslinern reizen den Leser, den Urlaub auf See zu verbringen.

13.02.2017

Rostocker Wissenschaftler sind alternativem Fischfutter auf der Spur

13.02.2017

Der jüngste Neubau der Lürssen-Werft in Bremen, die 123 Meter lange breite Yacht „Jupiter“, absolvierte erneut eine mehrtägige Probefahrt in der Deutschen Bucht.

13.02.2017
Anzeige