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Erster Elektrokutter der Welt fährt abgasfrei auf Fischzug

Rostock/Tromsø Erster Elektrokutter der Welt fährt abgasfrei auf Fischzug

In Norwegen schippert die von Siemens mitentwickelte „Karoline“ durch die Fjorde

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Der weltweit erste Elektrokutter „Karoline“ wird hauptsächlich von einem batteriebetriebenen Elektromotor angetrieben.

Quelle: Siemens Ag

Rostock/Tromsø. Kaum Abgase, geringerer Dieselverbrauch und weniger Stress für die Fischer: Der weltweit erste Elektrokutter „Karoline“ fährt mit einem batteriebetriebenen Elektromotor in Norwegen auf Fischfang. Hybride und vollelektrische Antriebe für Schiffe gehören zu den „ wichtigsten Trends in der maritimen Branche“, betont der der Leiter des Vertriebs für Maritime Industrie bei Siemens, Ralf Sternberg, auf OZ-Anfrage.

Die knallgrüne „Karoline“, die seit Oktober 2015 im Einsatz ist, wurde vom norwegischen Bootshersteller Selfa Arctic AS entwickelt. Der deutsche Technologiekonzern Siemens AG lieferte Elektromotor, Batterie, Generator sowie die Steuerung des Systems. Der Antrieb wurde mit einem Dieselmotor kombiniert.

Nach der Ausfahrt werden die Batterien im Hafen Tromsø aufgeladen. Der Strom reicht für einen Betrieb von etwa acht Stunden. Wenn es auf See länger dauert, kommt aber auch der elf Meter lange Kutter nicht ohne herkömmlichen Treibstoff aus. Dann müssen Dieselmotor und Generator zugeschaltet werden, um Strom für den Elektroantrieb zu produzieren.

In den ersten 30 Tagen hat die „Karoline“ laut einer Siemensmitteilung 58000 Kilogramm Fisch gefangen, bei einem Verbrauch von „nur 0,04 Liter Diesel pro Kilo Fisch“. Das sei „eine Reduzierung von 80 Prozent im Vergleich zu normalen Fischkuttern mit Dieselmotor“. Bei einem Gesamtverbrauch der norwegischen Flotte von 400 Millionen Liter Diesel pro Jahr gebe es daher große Einsparpotenziale. Nebeneffekt: Die Fischer würden ihre Arbeit als weniger ermüdend empfinden, heißt es. Denn die Abgase, Vibrationen und Lärm, die sonst der tuckernde Dieselmotor verursacht, fallen weg.

Mit Strom betriebenen Schiffen wird bereits eine glorreiche Zukunft vorausgesagt. „Sie sind ein wichtiger Baustein zur Vermeidung von Emissionen, zur Optimierung von Energiekosten und zur Reduktion von Wartungsaufwendungen“, erklärt Sternberg.

So könnte in Norwegen nach Angaben der Selfa-Arctic-Werft der CO2-Ausstoß von Fischfangflotten mit Booten wie der „Karoline“ entscheidend reduziert werden. Allerdings brauche es dazu finanzielle Anreize. Unbestätigten Quellen zufolge sind Elektroschiffe gut 20 Prozent teurer als herkömmliche. Bei Elektroautos haben sich in Deutschland unlängst Regierung und Autoindustrie als Kaufanreiz auf eine Prämie von 4000 Euro für reine Elektroautos und 3000 Euro für Plug-in-Hybride geeinigt.

Neben dem Fischkutter schippert in Norwegen seit Frühjahr 2015 auch die weltweit erste Fähre mit Elektroantrieb über die Gewässer. Die von Siemens mitentwickelte „Ampere“ bedient eine sechs Kilometer lange Verbindung im Sognefjord. Laut einer Studie wären 70 Prozent aller norwegischen Fährverbindungen profitabel, wenn sie mit Batterie- oder dieselelektrischen Hybridantrieben betrieben würden.

Norwegen erzeugt seinen Strom nahezu ausschließlich aus erneuerbaren Energien.

Axel Meyer

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