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Seewirtschaft Fischerei auf Bestellung
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00:00 06.06.2017
Rostock

Die Meere sind überfischt, Arten bedroht. Fischzuchtfarmen belasten die Umwelt. Viele Fischprodukte tragen deswegen Gütesiegel wie MSC, ASC oder Friend of the Sea. Die Zertifikate versprechen nachhaltigen, umweltschonenden Fischfang. Doch kann man sich darauf verlassen? Laut Greenpeace-Fischratgeber nur begrenzt. Grund: Häufig werden auch unter diesen Siegeln bestandsgefährdete Fischarten angeboten – oder der Kunde weiß nicht, wo und wie die Fische gefangen wurden. Ist es also noch möglich, ohne schlechtes Gewissen Fisch zu essen?

Wenn Kunden Fisch „beim Fischhändler ihres Vertrauens erwerben, also im Einzelhandel und nicht bei Supermarktketten, sind sie meist auf der sicheren Seite“, sagt Carsten Kühn, Leiter des Instituts für Fischerei MV. „Denn der kann genaue Auskunft über Herkunft, Zucht- und Fangmethoden geben.“ Eine Kooperative im Nordosten zeigt, wie es geht: Die Müritz-Plau GmbH vermarktet ihren Fisch online:

mit Informationen – wie der Fisch gefangen wurde und woher er kommt. Über SMS oder eine App schicken die Fischer, die mit der Kooperative zusammenarbeiten, Fotos und Infos ihres Fanges sowie den Fangplatz. Der Clou: Durch die Onlinevermarktung im „Fischkaufhaus“ ist der nachhaltig gefangene Fisch nicht teurer. Grund: Er wird ohne Zwischenhändler verkauft. Umgekehrt können Kunden den Fisch auch direkt bei der Kooperative bestellen. Die Fischer legen dann nur die Netze aus, die sie für den bestellten Fisch brauchen.

Ostseefischer Henry Diedrich arbeitet mit der Kooperative der Müritzfischer zusammen. Wenn er mit seinem Kutter um sieben Uhr Morgens in den Kubitzer Bodden vor Ummanz (Insel Rügen) tuckert, ist sein Fang bereits vorbestellt. So weiß er genau, wie viel Fisch er heute auch verkaufen kann. Denn: Der Einkäufer der Kooperative, Matthäus Marten, informiert Diedrich schon einen Tag vorher genau über den Bedarf.

Diedrich geht heute auf Heringsfang. Der Boddenfischer hat seine Netze schon gestern knapp unter der Wasseroberfläche aufgestellt. Durch die Vorbestellungen kann er es sich leisten, in „seinem Bodden“ traditionell mit Stellnetzen und Langleinen zu fischen. Das ist besonders nachhaltig. Grund: Durch die stehenden Netze werden die Lebensräume der Fische nicht zerstört – Schleppnetze werden dagegen über den Grund gezogen. Und noch etwas spricht für diese sogenannte stille Fischerei: Kleine Fische können durch die Netze hindurchschwimmen. „Würde ich mit dem Schleppnetz fischen, würden die Fische in das Netz gepresst werden und sich verfangen, indem sie sich zum Beispiel querstellen. Dann hat man natürlich alle Größen im Netz“, sagt Diedrich.

Marten hat bei Diedrich für heute neben Hering auch Barsch und Zander für ein Berliner Restaurant bestellt. Deshalb fährt Diedrich zu den am Vortag ausgelegten Reusen und schaut, wie viel Fisch er an die Müritzfischer liefern kann. Vorteil: Mit der Reusenfischerei kann er genau entscheiden, welche Fische er fängt – lebend. „So kann ich den Fang sortieren und die Größen entnehmen, die ich auch wirklich brauche. Die zu kleinen Fische schmeiße ich wieder ins Wasser. Dort können sie noch ein paar Jahre leben und für den Nachwuchs sorgen, der meine Existenz sichert“, erklärt Diedrich.

Bei den meisten industriellen Fischern geschieht oft genau das Gegenteil. Carsten Kühn, Leiter des Fischereiinstituts MV, forscht an Konzepten für nachhaltige Bewirtschaftung von Gewässern. Am Jabelschen See in der Müritzregion betreiben Kühn und seine Kollegen zusammen mit den Müritzfischern eine Schnäpel-Aufzucht. Die Jungtiere sollen später in der Ostsee ausgesetzt werden und so die Bestände aufbessern. Zukunftsträchtige Fischerei ist für ihn nämlich viel mehr als ein paar Siegel und Zertifizierungen: „Die Zertifizierung nutzt primär erst mal dem Zertifizierer. Denn: Die meisten Siegel sind kostenpflichtig – Kunde und Fischer zahlen so das Siegel mit“, sagt Kühn. Und er prangert noch ein anderes Problem an: „Die meisten Kunden sehen bei der Vielzahl der Siegel kaum mehr durch.“

Deshalb arbeiteten die größeren Kutter, die für Marten auf Fang gehen, auch mit einem speziellen Programm. „Durch dieses MarineTraffic Programm können wir genau sehen, wo sich unsere Fischkutter befinden und wo sie ihre Netze auslegen“, sagt Marten. Einmal angemeldet, lassen sich auf dem Portal alle Schiffe identifizieren und verfolgen. „Diese Transparenz ist enorm wichtig für den nachhaltigen Fischfang“, meint Marten. Nur so kann der Kunde sicher sein, woher der Fang wirklich kommt. Denn hier lauert oft der Betrug. „So viele Schollen, wie in Deutschland verspeist werden, werden hier niemals gefangen“, weiß Marten.

Eckart Granitza

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