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Für die größten Schiffe gerüstet

Rostock Für die größten Schiffe gerüstet

Die Vertiefung des Seekanals Warnemünde soll 2020 starten. Anwohnern droht Lärm, auch die Schifffahrt wird behindert.

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Seekanal und Überseehafen Rostock: Ab 2020 soll die Ansteuerung auf bis zu 16,80 Meter vertieft werden.

Quelle: Foto: Thomas Häntzschel / Nordlicht

Rostock. Es ist ein Projekt von gewaltigen Ausmaßen: Rund 5,6 Millionen Kubikmeter Sediment müssen bewegt werden – damit ließe sich das Ostseestadion elfmal bis zum Rand füllen. Ziel: Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 15 Metern sollen künftig den Rostocker Seehafen anlaufen können – die größten Schiffe, die überhaupt in die Ostsee passen (heute sind 13 Meter Tiefgang möglich). Seit 2006 laufen die Vorbereitungen. Morgen lädt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Stralsund die Anwohner zu einer Informationsveranstaltung nach Warnemünde ein. OZ sprach zuvor mit Holger Brydda, Chef des WSA, und Projektleiterin Ulrike Scherf.

Wie ist der Stand der Planungen?

Ulrike Scherf: Für ein solches Vorhaben ist ein umfangreiches Genehmigungsverfahren, ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren, erforderlich. Derzeit werden alle dafür notwendigen Unterlagen und Gutachten erarbeitet.

Und wann starten die Bagger?

Scherf: Wenn alles läuft wie erhofft, könnten die Arbeiten 2020/2021 beginnen. Geplante Dauer: zwei bis zweieinhalb Jahre.

Was soll das alles kosten?

Holger Brydda: Wir gehen von 111 Millionen Euro brutto aus auf Preisbasis 2014 – den Löwenanteil kosten die Baggerarbeiten selbst. Aber wir beschäftigen auch etliche Gutachter und Planungsbüros. Über 2 Mio. Euro wurden hierfür bereits investiert.

Was muss denn alles untersucht werden, damit solch eine Zufahrt ausgebaggert werden kann?

Scherf: Allein für die aktuell laufende Hauptuntersuchung haben wir unter anderem Schall- und Luftschadstoffgutachten anfertigen lassen, dazu ein Baugrund- inklusive Schadstoffbelastungsgutachten. Es gab eine mehrmonatige Messkampagne, bei der unter anderem Strömung, Sauerstoff- und Salzgehalt, Temperatur und Leitfähigkeit an unterschiedlichen Positionen und in unterschiedlichen Tiefen gemessen wurde. Die Bestände an Fischen, Zoo- und Phytoplankton, an Brut- und Rastvögeln in der Umgebung, die Uferbiotope, die Schiffswellen – all das wurde erfasst und ausgewertet. Dann werden Prognosen erstellt, was sich mit dem Ausbau verändern könnte. Dazu kommen technische Planungen und vieles mehr.

Wo genau muss gebaggert werden?

Brydda: Vertieft werden müssen der Seekanal, die Zufahrt zum Öl- und Chemiehafen sowie die zwei Wendeplatten.

Wird die Fahrrinne auch breiter?

Brydda: Nein. Sie wird lediglich vertieft – auf 16,80 Meter auf See, auf 16,60 und 16,10 Meter im Innenbereich. Die Böschungen bleiben größtenteils unberührt.

Was geschieht mit dem Baggergut?

Brydda: Schlick und Mudde, etwa fünf bis zehn Prozent des gesamten Materials, kommen auf unser Spülfeld bei Markgrafenheide. Der größte Teil jedoch ist Mergel, der wird in der Ostsee umgelagert. Sand von weit draußen kann eventuell als Baustoff oder für Aufspülungen für Strände genutzt werden.

Drohen den Anwohnern Beeinträchtigungen?

Brydda: Ja, es geht leider nicht ohne: Der Mergel ist sehr hart, fast wie Beton. Der lässt sich nicht wegsaugen, den muss man wegbaggern. Und das geht nicht geräuschlos – Bagger verursachen Lärm. Darauf wollen wir die Anwohner vorbereiten.

Welche Einschränkungen drohen der Schifffahrt?

Brydda: Es wird keine Umleitung für die Schifffahrt geben können, sie wird unausweichlich beeinträchtigt werden. Die Verkehrszentrale steht mit ihrer Zu- und Ablaufsteuerung vor großen Herausforderungen. Für größere Schiffe müssen die Bagger aus der Mitte der Fahrrinne an die Seite verholen. Aber mit heutiger Technik geht das schneller als beim letzten Ausbau Ende der 1990er Jahre.

A propos: Schiffe werden immer größer, haben immer mehr Tiefgang: Nach dem Ausbau, wann muss danach erneut vertieft werden?

Brydda: Niemals wieder. Unser Bemessungsschiff ist 275 Meter lang, 48 Meter breit und hat einen Tiefgang von 15 Metern. Es ist damit das größte, was die Darßer Schwelle und den Großen Belt, die natürlichen Grenzen der Ostsee, passieren kann.

Was soll die Veranstaltung morgen in Warnemünde bringen?

Brydda: Wir wollen einen Überblick über das Vorhaben und die derzeit laufenden Arbeiten geben, Meinungen einholen, Anregungen sammeln, Kritiker hören. Wir wollen unsere Planungsabsichten so transparent wie möglich darstellen, so dass jedem klar wird, was ihn erwartet. Insgesamt hoffen wir auf eine konstruktive Veranstaltung.

Ist das eine einmalige Aktion?

Scherf: Weitere Informationsveranstaltungen sind angedacht. Der Dialog mit den Anwohnern ist uns wichtig. Aber zunächst sind wir gespannt auf den morgigen Termin.

Interview: Thomas Luczak

Info: 18. Juli, 17.00 Uhr, Warnemünde, Hotel Neptun, Bernsteinsaal, Eintritt frei

OZ

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