Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Seewirtschaft Gefährlicher Schiffsverkehr
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Gefährlicher Schiffsverkehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 05.02.2018
Das Mehrzweckschiff „Arkona“: Die Gefahren im Seeverkehr machen die Bereitstellung von Spezialschiffen erforderlich. Quelle: Foto: D. Lilienthal
Rostock

Gigantische Containerschiffe, Kreuzliner mit 6000 Menschen an Bord: Die Größe der Schiffe nimmt beständig zu – und stellt die Sicherheit der Schifffahrt vor neue Herausforderungen. Ebenso eine steigende Anzahl von Schiffen, die sich etwa durch das Nadelöhr Kadetrinne zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark zwängen. Nicht zuletzt treiben Piraten, Terroristen und Räuber auf den Meeren ihr Unwesen. „Die Sicherheit bekommt in der maritimen Wirtschaft eine immer größere Bedeutung“, betont der Geschäftsstellenleiter MV des Maritimen Clusters Norddeutschland (MCN), Falk von Seck, in Rostock.

Erst vor einem halben Jahr war der mit Düngemittel beladene Frachter „Star of Sawara“ (japanischer Eigner, Flagge: Panama) in der Kadetrinne zwischen Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und dem dänischen Gedser auf Grund gelaufen. Glück im Unglück: Das 224 Meter lange Schiff konnte nach zwei Tagen freigeschleppt werden. Gebannt ist die Gefahr nicht: Mehr als 50000 Schiffe passieren pro Jahr die Kadetrinne – Tendenz: zunehmend.

„Wir müssen uns neuen Herausforderungen stellen“, sagt der Leiter des Havariekommandos, Hans Werner Monsees. So seien beispielsweise immer mehr Öltanker auf den Gewässern unterwegs. Vor 15 Jahren hatte die Einrichtung des Bundes und der deutschen Küstenländer – darunter Mecklenburg-Vorpommern – ihren Dienst aufgenommen. Auslöser war die Havarie des italienischen Holzfrachters „Pallas“ fünf Jahre zuvor in der Nordsee gewesen. Das Schiff war vor der Küste Schleswig-Holsteins in Brand geraten, was zu einer Ölkatastrophe im Wattenmeer geführt hatte.

Um Unzulänglichkeiten bei der Koordination solcher Unfälle zu verhindern, bündelt das Havariekommando – mit Sitz im niedersächsischen Cuxhaven – „die Verantwortung für die Planung, Vorbereitung, Übung und Durchführung aller Maßnahmen des maritimen Notfallmanagements“, wie es heißt. Etwa bei der spektakulären Bergung des gewaltigen Containerfrachters „Indian Ocean“, dessen schiere Größe eine neue Dimension der Bergung bedeutete.

Der chinesische Frachter hatte sich im Februar 2016 in der Elbe festgefahren. Fünf Tage dauerte es, bis das fast 400 Meter lange und 150000 Tonnen schwere Schiff freigeschleppt werden konnte.

Zuvor hatte ein Spülbagger den Bereich um das Schiff freigespült, außerdem wurde Treibstoff abgepumpt. Und wenn diese Anstrengungen fehlgeschlagen wären? „Dann hätte man beginnen müssen, die Container von dem Schiff zu holen – doch in ganz Europa gibt es nur einen Kran dieser Größe“, verdeutlicht Monsees diese Herausforderung.

Die stellen auch die immer größeren Kreuzfahrtschiffe dar. „Es ist schwierig, 6000 Menschen von Bord zu holen“, erklärt der Leiter des Havariekommandos. „Da sind uns aufgrund der Logistik Grenzen gesetzt.“ Die Menschen könnten nicht wie an Land einfach weglaufen, sondern seien auf dem Schiff gefangen. Monsees: „Unser Ziel ist daher, das Schiff so sicher zu machen, dass die Leute geordnet evakuiert werden können.“

Das Havariekommando, mit 40 Beschäftigten in Cuxhaven, unterhält keine eigenen Rettungseinheiten. Bei Notfällen auf See kooperiert die Behörde mit Partnern in den Bundesländern, in MV unter anderem mit der Berufsfeuerwehr in Rostock. Oder mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Stralsund, das das Mehrzweckschiff „Arkona“ betreibt. Die „Arkona“ wird beispielsweise bei der Bekämpfung von Schadstoffunfällen eingesetzt.

Eine Bedrohung für die weltweite Schifffahrt stellt nach wie vor die Piraterie dar, erklärt der Direktor des Verbands Deutscher Reeder (VDR), Wolfgang Hintzsche. Im Fokus der Piraten stehe dabei nicht die Entführung der Schiffe, sondern der Besatzungen. Im Golf von Aden sei die Zahl der Angriffe allerdings zurückgegangen. So habe man die Situation im Bereich Somalia durch den Einsatz privater Sicherheitskräfte beruhigen können. Eine zunehmende Gefahr stellten hingegen Kriege dar. So seien im Jemen Schiffe mit Panzerfäusten beschossen worden.

Havariekommando

Seit dem Start der Behörde 2003 hat das Havariekommando 71 sogenannte komplexe Schadenslagen koordiniert.

Dazu gehören laut Definition Vorfälle, bei denen Menschenleben, Sachgüter von bedeutendem Wert, die Umwelt oder die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs gefährdet sind. Dabei fielen 389 Einsatztagen an.

Spektakuläre Einsätze waren etwa der Brand der Ostseefähre „Lisco Gloria“ 2010, das Feuer auf dem Containerschiff „MSC Flaminia“ 2012, die Bergung des Containerriesen „Indian Ocean“ 2016 in der Elbe sowie des Massengutschiffs „Glory Amsterdam“ 2017 in der Nordsee vor Langeoog.

Axel Meyer

Berlin. Der Wismarer SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Junge hat sich zufrieden mit dem gegenwärtigen Stand bei der neuen Verordnung für Sicherheit auf Traditionsschiffen gezeigt.

05.02.2018

Bremerhavener Werft verlangt deutlich mehr als 75 Millionen Euro

05.02.2018

Nach dem Schiffsunglück mit der „Costa Concordia“ wurde er in Italien als Held gefeiert – jetzt will der ehemalige Kommandant der Küstenwache offenbar bei den anstehenden Parlamentswahlen antreten.

22.01.2018