Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Gips-Express zu den Trollen

Stralsund Gips-Express zu den Trollen

Wertvoller Baustoff: Abprodukt der Rauchgaswäsche von Kraftwerken wird nach Norwegen verschifft

Voriger Artikel
Konfrontation über der Ostsee
Nächster Artikel
Premiere für „PeeneMax“

Gips aus dem Spreewald über die Ostsee nach Norwegen: Der Mini-Bulker MS „Norholm“ wird im Stralsunder Hafen beladen.

Quelle: Foto: Peer Schmidt-Walther

Stralsund. Der norwegische 4700- Tonnen-Frachter „Norholm“ passiert die Stralsunder Nordmole, die von Anglern belagert ist. Im Zeitlupentempo öffnet sich die Ziegelgrabenbrücke. Der 94 Meter lange Mini-Bulker fädelt sich in Schleichfahrt durch das Nadelöhr in den Südhafen. Auf der Pier dröhnen schon die Bagger – wenig später, am frühen Nachmittag, schlagen sie ihre Schaufeln in den gewaltigen Gipsberg, der mit Güterzügen vom Spreewald-Kraftwerk Jänschwalde bei Cottbus herangekarrt worden ist. Der gelbe Stoff ist seit Jahren ein begehrtes Produkt der Rauchgaswäsche für die Herstellung von Platten im Trockenbau. „Bis 21 Uhr wollen wir fertig sein“, informiert Schiffsmakler Torsten Müller, „der Seehafen setzt jetzt alle Verladetechnik ein, um das Schiff möglichst schnell abzufertigen“.

 

OZ-Bild

Kurz vor 21 Uhr: Seelotse Jens Schwarze aus Prohn betritt im grellen Scheinwerferlicht die maritime Bühne. „Dann werd ich mich mal beim Kapitän melden“, sagt er. Bald darauf springt bullernd die Maschine an und lässt den Frachter erzittern. Die Ladeluken werden hydraulisch geschlossen, der Erste Offizier checkt die Lademarken: „Tiefgang: 6,30 Meter. 4600 Tonnen, mehr geht nicht“.

21.30 Uhr: Zentimeter um Zentimeter löst sich der Frachter von der Pier. MS „Norholm“, mit der Ladung von drei Güterzügen im Bauch, dreht träge rückwärts um die Ecke, bis der Steven in den Ziegelgraben zeigt.

Wenig später scheint das Schiff über Kopfsteinpflaster zu rumpeln. „Das passiert immer dann“, so der Lotse, „wenn wir zu wenig Wasser unterm Kiel haben, dann saugt sich das Schiff fest“. Um ein Uhr, nach dreieinhalb Stunden Revierfahrt, ist es soweit: Kapitän Deniss Sokolow (35), gebürtiger Este mit Wohnsitz in Finnland, bedankt sich beim Lotsen. Ein letztes Winken hinauf und herunter. An den Inseln Rügen und Mön vorbei führt die nächtliche Fahrt im 9,1-Knoten-„Tempo“ nach Norden. Der Wetterbericht verspricht eine ruhige Reise.

36 Stunden später: Fernab an Steuerbord zeichnet sich als grauer Strich die norwegische Küste ab. Voraus kommt die die Einfahrt in den Oslofjord in Sicht. Um die Ecke eine Dampfwolke: unser Ziel, die Norgips-Fabrik in Drammen bei Oslo. Gegen Mittag, pünktlich wie berechnet, liegt MS „Norholm“ nach 386 Seemeilen ab Stralsund längsseits an der Pier des Werkes, in dem aus Spreewald-Gips Platten für den Trockenbau „gebacken“ werden. Rund 600000 Tonnen werden pro Jahr über Stralsund nach Skandinavien verschifft – ein bedeutender Anteil in der Umschlag-Bilanz des Hafens am Strelasund.

Tendenz steigend. Etliche Schiffe sind mit Gips-Transporten beschäftigt.

Zurück auf der „Norholm“: Baggerfahrer Marek Janiszewski wirft den Motor seines 80-Tonnen-Ungetüms an. Schon zwanzig Minuten später greift die erste Schaufel in den gelben Stoff im Laderaum. Da Gips staubt, und weil Wohnhäuser in der Nähe liegen, wird er umweltfreundlich in einer Halle gelagert. Um 23 Uhr ist Schluss, so verlangen es die Gewerkschaften.

Am nächsten Mittag dann ist das Schiff leer, die Leinen klatschen ins Fjordwasser: Die Tour geht weiter, die nächsten Ziele sind Mandal, die südlichste Stadt Norwegens, und dann Eydehaven, 72 Seemeilen weiter nordöstlich. Unsere neue Ladung: Holz. Für Rostock.

326 Seemeilen geht es nun durch die inselgespickte dänische Südsee und den Großen Belt zurück nach Deutschland. Sicher wird die verkehrsreiche Nordspitze Jütlands umrundet. Hinter Kap Skagen, in Lee des Westwindes, wird es stiller. Ruhe im Schiff.

Infos zum Schiff und zu Mitreise-Möglichkeiten

MS „Norholm“: Baujahr 1995;

Bauwerft: Severnav in Rumänien (Ausbau nach Kasko-Schlepp-Reise in den Niederlanden); Schwesterschiff: „Norne“; BRZ: 3443; tdw: 4700;

Länge: 93,44 m; Breite: 15 m;

Tiefgang (max.): 6,27 m; Luken: 2; Hauptmaschine: Caterpillar

3606DITA, 1830 kW;

Geschwindigkeit (max.): 11 Knoten;

Propeller: Pitch; Eisklasse: E2;

Crew: 8; Reederei: Arriva Shipping, Haugesund; Heimathafen: Haugesund; Flagge: Norwegen.

Buchung solcher und ähnlicher Reisen: Frachtschiffreisen Kapitän Zylmann, Kappeln; www.zylmann.de

Peer Schmidt-Walther

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Grevesmühlen
Startschuss für den 1000-Meter-Lauf: Zweieinhalb Runden mussten die Jungs der Altersklasse 13 dafür um den Tannenbergsportplatz laufen.

Seit Dienstag laufen die Wettkämpfe am Tannenberg in Grevesmühlen

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Seewirtschaft
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.