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Größenwahn? Proteste gegen Mega-Kanal

Rivas Größenwahn? Proteste gegen Mega-Kanal

Gegner der Wasserstraße durch Nicaragua befürchten gewaltige Umweltschäden und Enteignungen.

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Rivas. Der umstrittene Nicaragua-Kanal: Trotz massiver Proteste in dem mittelamerikanischen Land peitscht die Regierung des Präsidenten Daniel Ortega das gigantische Projekt durch.

Vor wenigen Wochen haben die Bauarbeiten in der Provinz Rivas an dem knapp 280 Kilometer langen Kanal für Containerschiffe der sogenannten Post-Panamax-Klasse begonnen. Die Gegner befürchten unterdessen Umweltschäden, Enteignungen und einen Ausverkauf des Landes an chinesische Investoren.

Weil das zweitärmste Land Lateinamerikas die Kosten für die geplante Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik nicht allein aufbringen kann, hatte es den chinesischen Geschäftsmann Wang Jing ins Boot geholt. Der gründete 2013 das chinesische Unternehmen HKND (Hongkong Nicaragua Development), das bis 2019 rund 50 Milliarden US-Dollar (41 Mrd. Euro) in den Bau des „Großen Interozeanischen Kanals“pumpen will.

Die Mammutinvestition weckt in Nicaragua Hoffnung auf Arbeit, Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Häfen, ein Airport und Fabriken sollen entstehen. Und die fast dreißig Meter tiefe künstliche Wasserstraße soll dem etwa 750 Kilometer Luftlinie entfernten Panama-Kanal Konkurrenz machen.

Der 101 Jahre alte Panama-Kanal wird gegenwärtig ausgebaut. Ab 2016 soll er auf einer Länge von 82 Kilometern und einer Tiefe von 18,3 Metern für Schiffe mit einer maximalen Containerkapazität von 13000 TEU (Twenty-foot Equivalent Unit/Standardcontainer) befahrbar sein. Das soll jedoch der Nicaragua-Kanal mit einer maximalen Kapazität von 25000 TEU noch deutlich übertreffen.

Für die Schifffahrt wird der zweite Kanal in Nicaragua „positive Kosteneffekte“ mit sich bringen, heißt es beim Verband Deutscher Reeder (VDR). „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt VDR-Sprecher Christof Schwaner der OZ.

Doch der als größenwahnsinnig verschriene Nicaragua-Durchstich vom Rio Brito am Pazifik bis zur Mündung des Flusses Punta Gorda an der Karibikküste hat die Bevölkerung tief gespalten. Die Trasse führt durch tropischen Regenwald und den Nicaragua-See, das größte Trinkwasserreservoir Mittelamerikas. Bei der Havarie eines Öltankers droht eine Katastrophe.

Außerdem könnte es Tausende Enteignungen geben: An der Kanalroute leben knapp 30000 Menschen, die dem Bauwerk möglicherweise weichen und umgesiedelt werden müssen. Betroffene reagieren immer wütender. Vor kurzem eskalierten in der Provinz Rio San Juan die Proteste gegen den Kanalbau: Eine Polizeiwache wurde in Brand gesetzt, es gab Verletzte und Festnahmen.

Auch der Vertrag, den der politisch linksgerichtete, ehemalige sandinistische Revolutionär Ortega mit seinen chinesischen Geschäftspartnern unterzeichnet hat, erhitzt die Gemüter. Darin wird den Chinesen eine Konzession für 50 Jahre gewährt, die um weitere 50 Jahre verlängert werden kann. „Die Konzession verstößt gegen Grundrechte, die Regierung hat uns den Chinesen ausgeliefert“, wird die Anwältin Mónica López Baltodando im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ zitiert. Nicaragua übertrage den Chinesen „das Recht auf Schifffahrt und Wasser“.

Während HKND das Projekt im Internet mit den markigen Worten „Der Jahrhundert-Traum wird wahr“ bewirbt, beklagt der Journalist und Ortega-Gegner Carlos Fernando Chamorro, dass die Bevölkerung nicht befragt und die Konzession unter Ausschluss der Öffentlichkeit erteilt worden sei. Chamorro: „In Wahrheit dient das Projekt der Geldwäsche, eine kleine Clique will sich damit bereichern.“

Kanal soll 2019 fertig sein

5100 Schiffe sollen den zwischen 230 und 530 Meter breiten Nicaragua-Kanal nach der Fertigstellung im Jahr 2019 jährlich durchqueren.

Die Regierung des Landes erwartet, dass dann fünf Prozent des Welthandels auf den Meeren über den Kanal abgewickelt werden.

Die Fahrt durch die Wasserstraße soll etwa 30 Stunden betragen.

 



Axel Meyer

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