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Hanjin-Pleite trifft auch MV

Rostock Hanjin-Pleite trifft auch MV

Zusätzliche Kosten durch Verzögerungen bei Containerlieferungen / Handel fürchtet um Weihnachtsgeschäft

Rostock. Die Pleite der südkoreanischen Reederei Hanjin sorgt auch in Mecklenburg-Vorpommern für Unruhe. Zwar ist keine Reederei im Land direkt betroffen und auch der Rostocker Seehafen meldet keine Probleme, aber Experten sehen durchaus Gefahren für die Gesamtwirtschaft. Etwa 500000 Container mit Waren im Gesamtwert von geschätzt zwölf Milliarden Euro können wegen der Insolvenz derzeit nicht von Hanjin-Schiffen entladen werden.

 

OZ-Bild

„Für die betroffenen Firmen in MV ist die Insolvenz ärgerlich und mit zusätzlichem Aufwand verbunden“, sagt Hans Fabian Kruse, Präsident des AGA Unternehmensverbandes. So könnten Container bis zu fünf Wochen später ankommen und zusätzliche Kosten anfallen. „Die Außenhändler in MV versuchen nun, Lösungen für die betroffene Ladung zu finden, sie schalten die Versicherungen ein, bemühen sich, die Container freizukaufen und Umbuchungen zu organisieren“, sagt Kruse.

Auch der maritime Experte bei der Industrie- und Handelskammer Rostock, Björn Swinarski, meint: „Negativ betroffen sind die Empfänger und Versender der Fracht, die sich derzeit in den Containern auf den Hanjin-Schiffen befindet. Die Waren werden nur verspätet und mit erhöhtem Aufwand ausgeliefert.“ Gerade für den Einzelhandel, der sich auf das Weihnachtsgeschäft vorbereitet, könne das zum Problem werden. „Wir hoffen hier auf schnelle Lösungen“, sagt Swinarski.

In der Branche bestand die Hoffnung, dass durch die Pleite die Frachtraten steigen und Überkapazitäten reduziert werden könnten. Das hat sich laut Swinarski bislang nicht bestätigt: „Die rund 100 Schiffe von Hanjin machen nur rund zwei Prozent der Gesamttonnage aus und verschwinden nicht vom Markt. Entsprechend muss und wird es weitere Bereinigungen geben. Am schlimmsten betroffen sind jedoch die Eigner der Schiffe, da die Linienreeder in der Regel nur einen Teil der unter ihrem Namen fahrenden Schiffe besitzen.“

Auch die Reederei Laeisz mit Hauptsitz in Rostock hatte Schiffe an Hanjin verchartert. „Von der Insolvenz sind wir nicht direkt betroffen, im Juli dieses Jahres haben wir das letzte an Hanjin vercharterte Schiff zurückgeliefert bekommen. Alle Außenstände wurden bezahlt“, sagt Geschäftsführer Nikolaus Schües, der ebenfalls kaum positive Signale von der Hanjin-Pleite erwartet: „Eine Marktstabilisierung ist durch den Wegfall von Hanjin nicht zu erwarten, die Schiffe bleiben vermutlich fast alle auf See, eine Verknappung des Transportangebotes entsteht also nicht.“ Stattdessen habe die Insolvenz für eine Vertrauenskrise zwischen Linienreedereien und Ladungseigentümer gesorgt. Dies gelte es nun wiederherzustellen, sagt Schües. „Hoffentlich ergibt sich daraus eine Tendenz zu Qualitätsmanagement, was auch helfen würde.“

Unterdessen gibt es Anzeichen für eine Lösung der Krise: Fast 90 Prozent der von Hanjin betriebenen Containerschiffe könnten bis Ende Oktober entladen werden, kündigte Südkoreas Finanzminister Yoo Il Hoo an. „Die Logistik-Störungen werden dann beendet sein“, wurde Yoo zitiert. Dafür wolle sich die Regierung einsetzen.

Am Mittwoch hatte die Fluggesellschaft Korean Air, größter Aktionär bei Hanjin Shipping, die Freigabe eines Darlehens von 60 Milliarden Won (48,5 Millionen Euro) beschlossen. Das Geld soll für die Bewältigung der Logistikkrise genutzt werden. Korean Air gehört wie Hanjin Shipping zum Hanjin-Dachkonzern.

Ob diese Mittel ausreichen, um die Gebühren für die Entladung der Schiffe zu bezahlen, ist unklar. Nach früheren Schätzungen eines Gerichts, das Anfang September dem Antrag der weltweit siebtgrößten Reederei auf Insolvenzverwaltung zugestimmt hatte, sind etwa 170 Milliarden Won nötig, um die Gebühren zu zahlen.

Axel Büssem

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