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Havarie auf See: Starten Helfer künftig nicht mehr in MV?

Rostock Havarie auf See: Starten Helfer künftig nicht mehr in MV?

Das Havariekommando plant neue Strukturen zur Notrettung auf Ost- und Nordsee

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Notfall: Im Februar steckte die „Indian Ocean“ in der Elbe fest.

Quelle: dpa

Rostock. Brennende Schiffe, angespülte Ölklumpen, festgefahrene Containerfrachter — wer greift künftig ein, wenn es in deutschen Küstengewässern brenzlig wird? Das Havariekommando mit Sitz in Cuxhaven (Niedersachsen) plant, die Zahl der Standorte deutlich zu reduzieren — auch in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Umstrukturierung wurde angestoßen“, bestätigt der Sprecher der Behörde, Michael Friedrich, gegenüber der OZ.

Derzeitigen Plänen zufolge sollen die 13 Standorte auf acht reduziert werden. In MV arbeitet das Havariekommando bislang mit Partnern an drei Standorten zusammen — mit Feuerwehren in Wismar, Rostock und Stralsund; in Rostock zudem mit Notärzten. „Im Auftrag der Bundesländer müssen wir jetzt schauen, ob das Konzept noch den aktuellen Gegebenheiten entspricht“, erklärt Friedrich. Das tut es offenbar nicht. Anpassungen seien notwendig.

Doch wie die Organisationsstruktur der Brandbekämpfung auf See in MV künftig aussehen soll, ist noch unklar. Von Plänen, alle drei Standorte in MV „aufzulösen“, berichtet der innenpolitische Sprecher der Schweriner Grünen-Fraktion, Johannes Saalfeld. Auf der Ostsee solle die Brandbekämpfung bis zur polnischen Grenze „in Zukunft von Lübeck aus erfolgen“.

Das sei laut Saalfeld der derzeitige Stand der Verhandlungen von Bund und Ländern zum Umbau des Havariekommandos. Bei Unfällen soll demnach ein Hubschrauber „fünf bis sechs Spezialisten“ von Lübeck zum havarierten Schiff oder der Plattform fliegen, dann umkehren und „in einem zweiten Anflug den Rest eines üblicherweise zehnköpfigen Havarieteams“ holen. Bis alle Helfer, etwa bei einem Unfall an der deutsch-polnischen Seegrenze, vor Ort sind, dauere es bis zu sechs Stunden. Saalfeld: „Das scheint mir sehr lang.“

Das Havariekommando selbst verkündete unlängst, die Feuerwehrstandorte in Wismar und Stralsund in der neuen Struktur nicht mehr zu berücksichtigen. In MV konzentriere man sich „auf die starke Berufsfeuerwehr in Rostock“, wurde Behörden-Chef Hans-Werner Monsees in Medienberichten zitiert. „Für uns ist ganz wichtig, das Augenmerk auf Schnelligkeit zu legen“, erklärte Sprecher Friedrich. Die Brandbekämpfer mit Hubschraubern zu den Unglücksstellen zu bringen, spiele dabei eine zentrale Rolle.

Bislang stehen alle Pläne zur Diskussion, informiert das Schweriner Innenministerium. „Das Land setzt sich für den Erhalt der Standorte Rostock und Stralsund ein“, erklärt ein Sprecher. Die Feuerwehr in Wismar sei wegen der angespannten Personalsituation mit der Streichung einverstanden.

Einen Zeitplan, bis wann die neue Struktur umzusetzen ist, gibt es offenbar noch nicht. Der Umbau soll aber auf der nächsten Kuratoriums-Sitzung „Maritime Notfallvorsorge“ beraten werden, teilt das Innenministerium mit. Wann diese Sitzung stattfindet, konnte aber weder das Schweriner Ministerium noch das angefragte Bundesverkehrsministerium sagen. In dem Kuratorium sitzen Vertreter des Bunds sowie der Küsten-Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen.

Das Havariekommando unterhält selbst keine Rettungseinheiten. Bei schweren Unfällen auf See kooperiert das Kommando (40 Beschäftigte in Cuxhaven) mit Partnern in den Ländern, etwa Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk oder der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Außerdem organisiert die Behörde Ausbildungen und Rettungsübungen und stellt den Partnern Spezialgeräte zur Verfügung.

Im Februar leitete das Havariekommando z. B. die spektakuläre Bergung des Containerfrachters „Indian Ocean“, der sich in der Elbe festgefahren hatte. Ende 2015 wurden neue Ölaufnahmesysteme u.

a. an die THW-Ortsverbände Bad Doberan und Stralsund übergeben. Größere Einsätze in MV leitete das Kommando, als 2014 Ölklumpen auf den Inseln Rügen und Usedom angeschwemmt wurden. Auf Rügen mussten zudem Paraffinbrocken entfernt werden.

Behörde gründete sich nach „Pallas“-Katastrophe

Die Folgen der Havarie des italienischen Holzfrachters „Pallas“ vor der dänischen Nordseeküste im Oktober 1998 waren der Anlass für die Einrichtung des Havariekommandos. Die Behörde nahm Anfang 2003 in Cuxhaven ihren Dienst auf.

Die „Pallas“ war nach einem Brand führungslos ins schleswig-holsteinische Wattenmeer getrieben, wo das auslaufende Öl eine Umweltkatastrophe auslöste. Daraufhin ließ das Bundesverkehrsministerium die Havarie durch Experten auswerten. Um die maritime Notfallvorsorge zu verbessern, richteten der Bund und die fünf Küstenländer die Cuxhavener Behörde ein, die die Rettungsarbeiten bei schweren Havarien koordiniert.

Von Axel Meyer

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