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Seewirtschaft In La Spezia lässt die Nato das Meer erforschen
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft In La Spezia lässt die Nato das Meer erforschen
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03:37 02.09.2013
Dirk Tielbürger, Direktor des CMRE

Viel Zeit bleibt Dirk Tielbürger nicht mehr. Nach drei Jahren als Direktor des Centre for Maritime Research and Experimentation (CMRE) der Nato in La Spezia wird der gebürtige Herforder Ende Oktober nach Eckernförde an die Wehrtechnische Dienststelle 71 der Bundeswehr zurückkehren. An seiner früheren Wirkungsstätte erwartet ihn ein ähnliches Aufgabenfeld aus Forschungsorganisation und Geschäftsplanung wie in Italien.

Das von der Nato betriebene Zentrum für maritime Forschung und Seeversuche in La Spezia ist zwar auf einem Militärgelände untergebracht, aber außer den Wachen sieht man hier kaum Uniformierte. „Wir haben natürlich ein paar militärische Stellen“, betont Tielbürger. „Von der deutschen Marine ist ein Verbindungsoffizier hier. Bei den Technikern und Wissenschaftlern ist der Bezug zum Militär aber nachrangig. Da steht die technisch-wissenschaftliche Qualifikation im Vordergrund.“

Glück braucht man allerdings auch, denn auf die 80 Stellen am CMRE können sich Anwärter aus allen 28 Nato-Staaten bewerben. „Ganz so wild ist es aber nicht“, relativiert Tielbürger. „Die Bewerber kommen gewöhnlich nur aus Staaten, die selbst maritime Forschung betreiben“. Derzeit arbeiten in La Spezia Techniker und Wissenschaftler aus 15 Ländern, darunter drei Deutsche.

Zentrale Arbeitsgrundlage der Experten der Nato-Forschungsstätte ist Wasserschall. „Ortung und Kommunikation sind unter Wasser nur mit Schallwellen möglich“, erklärt Tielbürger. „Radiowellen werden schon nach wenigen Metern geschluckt.“ Am CMRE geht es daher nicht nur um die Entwicklung neuer Geräte und Lösungen für den militärischen Einsatz. Viele Arbeiten befassen sich grundlegend mit ozeanografischen Fragen, um die Bedingungen besser zu verstehen, die die Schallübertragung unter Wasser beeinflussen.

Zentrales Ziel bei ozeanografischen Arbeiten ist es, die Wasserschallbedingungen eines Kampfgebiets so genau und zeitnah bestimmen zu können, dass sie taktisch genutzt werden können. „In einem aktuellen Projekt verbinden wir zum Beispiel von Unterwassergleitern im Kampfumfeld gemessene Wassertemperaturen und Salzkonzentrationen mit dem mathematischen Modell des Seegebiets“, so Tielbürger.

„Auf diese Weise können wir Karten berechnen, auf denen man in Echtzeit sieht, in welcher Tiefe das Schallgeschwindigkeitsminimum liegt. Ortungssysteme können diese Grenze kaum durchdringen.

Tieferliegende Schichten sind also ein ideales Versteck für U-Boote.“

Projekte wie die Kampfumfeldprognose zeigen aber auch, welche zentrale Rolle unbemannte Unterwasserfahrzeuge bei der Datenbeschaffung spielen. Zu ihnen gehören neben den lautlosen, aber langsamen Unterwassergleitern auch schnellere Exemplare mit Propellerantrieb. Sie werden am CMRE beispielsweise eingesetzt, um zentimetergenaue Schall-Scans vom Meeresboden aufzunehmen, die dann von einer selbst entwickelten Mustererkennungssoftware nach Minen durchsucht werden. Ziel: die herkömmliche Minensuche mit Schiffen durch eine billigere, ungefährlichere Lösung zu ersetzen.

Seit Anfang dieses Jahres wird das CMRE auf ein neues Geschäftsmodell umgestellt, da die Nato die Organisation ihrer Forschung mit Blick auf Bedarf und Effizienz stark reformiert hat. „Für uns hat das zur Folge, dass wir uns jetzt über projektbezogene Verträge finanzieren müssen“, erläutert Dirk Tielbürger. „Das heißt nicht, dass wir nichts mehr aus dem Geldtopf der Nato bekommen, aber es gibt kein direktes Budget mehr.“ Man habe jetzt Kunden, „hauptsächlich natürlich das strategische Oberkommando der Nato in Norfolk, aber es können auch einzelne Nationen sein oder die EU“. Dass die Reform in seine Amtszeit fiel, sieht Tielbürger als „gute Vorbereitung für Eckernförde“.

Techniker und Wissenschaftler aus 15 Staaten
1959 wurde das von der Nato betriebene Centre for Maritime Research and Experimentation (CMRE) im italienischen La Spezia gegründet. Das Aufgabenspektrum bei der Entwicklung neuer Geräte und Lösungen reicht von der Minensuche über die Ortung von Unterwasserfahrzeugen und den Hafenschutz bis zur Piratenabwehr. Das CMRE verfügt über 80 Stellen, zurzeit arbeiten in La Spezia Techniker und Wissenschaftler aus 15 Staaten.

Frank Krull

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