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Kollision im dichten Nebel: Der Untergang der „Andrea Doria“

Hamburg/Rostock Kollision im dichten Nebel: Der Untergang der „Andrea Doria“

Vor 60 Jahren sank das luxuriöse Passagierschiff vor der US-Ostküste / An der Kollision beteiligt: die spätere „Völkerfreundschaft“

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Eines der luxuriösesten Passagierschiffe der Welt: die „Andrea Doria“.

Hamburg/Rostock. „Alles klar auf der Andrea Doria“ singt Udo Lindenberg zum großen Vergnügen seiner Fans seit über 40 Jahren. Doch vor 60 Jahren war auf der echten „Andrea Doria“ überhaupt nichts klar: Heute vor 60 Jahren, am 25. Juli 1956, sank das Luxus-Kreuzfahrtschiff vor der Ostküste der USA nach einer verheerenden Kollision mit dem schwedischen Schiff „Stockholm“. 1660 Menschen konnten gerettet werden, 46 starben.

Hintergrund: Die „Andrea Doria“ wurde am 16. Juni 1951 vom Stapel gelassen und Anfang 1953 in Dienst gestellt. Sie gilt mit 213 Meter Länge als letzter großer Atlantik-Kreuzer, ehe der Flugverkehr die beschaulichen Schiffspassagen ablöste. Auffällig war ihr Luxus: Sie hatte zehn Decks und drei Schwimmbecken – für jede Klasse eins. Das Schiff galt als eines der schönsten der Welt.

Doch der Traum endete jäh: Die „Andrea Doria“ befand auf der Reise vom italienischen Genua nach New York. Die „Stockholm“, ein wesentlich kleineres Passagierschiff, später als DDR-Urlauberschiff „Völkerfreundschaft“ unterwegs, hatte am Mittag New York mit Kurs Göteborg (Schweden) verlassen. In einer dichten Nebelbank südlich der Insel Nantucket wollten beide Schiffe eine drohende Kollision fatalerweise dadurch verhindern, dass sie beide nach Süden auswichen. Das Desaster nahm seinen Lauf: Der für Eisfahrten verstärkte Bug der „Stockholm“ bohrte sich kurz nach 23 Uhr in die Steuerbordseite der „Andrea Doria“ und schnitt drei Kabinendecks auf.

Die Evakuierung wurde dadurch erschwert, dass das Schiff Schlagseite hatte, so dass die Rettungsboote auf der Backbord-Seite nicht genutzt werden konnten. Anders als beim Untergang der „Titanic“ 1912 waren neben der „Stockholm“ weitere Schiffe vor Ort, um die Passagiere aufzunehmen. Elf Stunden nach der Kollision sank die „Andrea Doria“.

Auf der „Stockholm“ gab es fünf Todesopfer. Das weniger stark beschädigte Schiff nahm 545 Gerettete von der „Andrea Doria“ auf und fuhr nach New York zurück, wo der zerstörte Bug erneuert wurde. Am 3. Januar 1960 wurde das Schiff von der DDR gekauft, in „Völkerfreundschaft“ umbenannt und dem FDGB übergeben. Es wurde zu einem Einklassenschiff mit 568 Passagieren und 12442 BRT umgebaut und für Urlaubsfahrten genutzt, aber auch an fremde Gesellschaften verchartert.

1985 wurde es verkauft, mehrfach umgebaut und umbenannt – unter anderem hieß es „Fridtjof Nansen“, „Italia Prima“, „Valtur Prima“ und „Athena“. Seit 2016 heißt es „Astoria“ und hat Madeira als Heimathafen, im Juni machte es auch in Warnemünde fest. Es ist das am längsten im Dienst befindliche Transatlantikschiff der Welt.

Das Wrack der „Andrea Doria“ ist ein beliebtes, aber auch gefährliches Expeditionsziel: 16 Taucher sind hier bereits ums Leben gekommen. Namensgeber für das Schiff war übrigens ein Mann: Andrea Doria (1466-1560), Admiral in Genua. An der Spitze der genuesischen Flotte kämpfte er gegen muslimische Osmanen und nordafrikanische Piraten.

Unter Kaiser Karl V. befreite er Genua von den Franzosen und bescherte der Stadt weitgehende Selbstständigkeit. 1547 versuchten genuesische Adelsfamilien mit einem Komplott, seine Macht zu brechen – vergeblich. Dabei wurde sein Neffe Giannettino ermordet. Friedrich Schiller verwendete das Motiv später in seinem Trauerspiel „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“.

Thomas Morell und Thomas Luczak

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