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Seewirtschaft Koloss rollt aus der Schiffbauhalle
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Koloss rollt aus der Schiffbauhalle
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00:05 14.08.2017
Verlässt die Montagehalle der Neptun Werft: Ein 27 Meter langer Kreuzliner-Gastank rollt per Schwerlasttransporter ins Freigelände. FOTOS (3): ELKE EHLERS

Besser hätte es Verpackungskünstler Christo auch nicht gekonnt: Mit mehreren Schichten Schutzfolie ist das riesige Bauteil umhüllt. Nur Fachleute wissen: Es ist ein Gastank, der für das neue Schiff der Aida-Flotte – die „Aidanova“ – bestimmt ist. In den nächsten Tagen wird der Koloss in den Schiffsbauch eingebaut, wie noch zwei weitere, ähnlich große Tanks. Denn die neue Schiffsgeneration der Aida-Flotte soll vollständig mit Flüssig-Erdgas LNG (Liquefied Natural Gas) fahren.

„Wir freuen uns, dass wir die Kraftwerke bauen können, die den neuen Schiffstyp antreiben werden“, sagt Raimon Strunck, Geschäftsführer der Neptun Werft Warnemünde. An der Warnow entstehen für das 13. Aida-Schiff die beiden „Mittelstücke“, die unter anderem Maschinenräume, Gastanks und Elektroanlagen enthalten. Auf diese Großkomponenten spezialisiert sich die Neptun Werft innerhalb der Meyer-Gruppe.

Im Februar war in Papenburg (Niedersachsen) Baustart für den Serien-Erstling. Mit der „Aidanova“ betrete die Rostocker Reederei „technologisches Neuland“, betont Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. Das Schiff sei „weltweit der erste Kreuzliner, bei dem ein 100-prozentiger LNG-Betrieb möglich ist“. Mit dem umweltfreundlichen Treibstoff sollen die Emissionen um bis zu 90 Prozent sinken. Zur Sicherheit erhält das Schiff zusätzlich auch einen Dieseltank.

Der Aida-Mutterkonzern Carnival Corporation hat bei den Meyer Werften in Papenburg und Turku (Finnland) insgesamt sieben Luxusliner dieser Klasse in Auftrag gegeben. Neben Aida Cruises will der britisch-amerikanische Weltkonzern den fast 340 Meter langen Schiffstyp mit 2500 Kabinen auch bei seinen Töchtern Costa Crociere, P&O Cruises und Carnival Cruise Lines einsetzen.

„In Ausstattung und Design unterscheiden sich die Schiffe, die technische Plattform aber ist identisch“, sagt Kunze. „Das bringt enorme Synergieeffekte bei Wartung und Betrieb.“ Und für die Neptun Werft sechs Folgeaufträge – denn auch die „Mittelstücke“ für die Schwesterschiffe entstehen in Warnemünde.

Konzentriert bedient Klaus Hünecke die Fernsteuerung. Der Fachmann gehört zu einer Spezialfirma aus Bremen, die Neptun mit leistungsstarker Transporttechnik unterstützt. Der 27 Meter lange LNG-Tank rollt aus der Schiffbauhalle – auf einem selbstfahrenden Schwerlasttransporter, dem Hünecke per Fernbedienung die Befehle gibt. Der gewaltige Tank wird im Freigelände zwischengelagert.

„In der Halle ist der Platz knapp“, sagt Neptun-Chef Strunck. Die beiden „Mittelstücke“ wachsen mit jedem Tag. Für ihren Bau mussten sogar die Tore der Montagehalle verbreitert werden. Der neue Kreuzliner-Typ ist nämlich nicht nur länger, sondern mit 42 Metern auch breiter als bisherige Aida-Schiffe.

Auch die vier Motoren wurden schon geliefert, der letzte in der vorigen Woche. Sie kamen direkt aus der Nachbarschaft. Lieferant ist die Caterpillar GmbH Warnemünde. Die – ebenfalls gut verhüllten – 16-Zylinder-Motoren werden jetzt in die Maschinenräume eingebaut. „So lange in den Maschinenräumen noch Rohre und Elektroleitungen verlegt werden, müssen wir die Motoren schützen“, erläutert Projektleiter Mathias Kopitzki.

Geschäftsführer Strunck ist zufrieden: „Wir liegen genau im Zeitplan.“ Am 25. September werde das Hinterschiff mit den Motoren pünktlich die Warnemünder Werft verlassen, im November dann das Vorschiff, in dem sich die Gastanks befinden. Über Ost- und Nordsee sollen Schlepper die Schwimmteile nach Papenburg ziehen, wo die einzelnen Komponenten der „Aidanova“ dann zusammengefügt werden.

Ende 2018 wird der Ozean- Riese bereits auf seine erste Reise gehen.

Derzeit herrscht bei Neptun Hochbetrieb. „Wir haben alle Gewerke hier“, berichtet Geschäftsführer Strunck. „Rohrschlosser, Maschinen- und Schiffbauer, Elektriker, Isolierer. Lackierer, Schweißer – insgesamt etwa 1000 Leute.“ Denn neben den mehr als 500 Neptun-Mitarbeitern sind noch einmal so viele Kräfte von Zulieferfirmen auf dem Gelände, die ihren Part zur „Aidanova“ beisteuern. Außerdem stehen eine Fähre sowie LNG-Tanker für eine niederländische Reederei kurz vor der Fertigstellung. Hinzu kommen Bauarbeiter. Denn neben den beiden bisherigen Montagehallen entsteht eine neue, größere Halle. Dort soll dann ausreichend Platz sein für den Bau der „Kraftwerke“ für die Schwesterschiffe der „Aidanova.“ Die ersten Stahlträger für den Neubau sind bereits gesetzt.

Neues Kerngeschäft

525 Mitarbeiter beschäftigt die Neptun Werft. Der zur Meyer-Gruppe Papenburg (Niedersachsen) gehörende Schiffbaubetrieb baut ab diesem Jahr vor allem Großkomponenten für Hochsee-Kreuzliner. Zuvor war der Betrieb besonders für seine Flusskreuzfahrtschiffe bekannt.

67 Flusskreuzliner entstanden bisher auf der Neptun Werft, davon

50 für die Schweizer Viking River- Reederei. Die beiden letzten wurden im Februar ausgeliefert. Auch die elf schwimmenden Hotels der Rostocker A-Rosa-Reederei entstanden bei Neptun.

Elke Ehlers

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