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Seewirtschaft Kreuzfahrt-Boom lastet Werften in Europa voll aus
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Kreuzfahrt-Boom lastet Werften in Europa voll aus
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09:45 05.03.2018
Eines der Schwimmteile der „Aidanova“ (l.) auf der Papenburger Meyer Werft, rechts die ausgedockte „Norwegian Bliss“. Quelle: Foto: Assanimoghaddam/dpa

Die Kreuzschifffahrt auf hoher See wächst rasant. Um die steigende Nachfrage zu decken, ordern die Reedereien der Branche eine Vielzahl neuer Schiffe. „Die für den Bau großer Kreuzfahrtschiffe etablierten Werften sind sehr gut gebucht“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), Reinhard Lüken.

Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik FOTO: DPA

In diesem Jahr werden so viele neue Kreuzfahrtschiffe wie nie zuvor fertiggestellt, teilt der internationale Kreuzfahrtverband Clia mit. Demnach sollen 17 neue Schiffe bis Ende 2018 die weltweite Kreuzfahrtflotte ergänzen – vom kleineren Expeditionsschiff bis zum bislang größten Kreuzfahrtschiff weltweit: Die „Symphony of the Seas“ der Reederei Royal Caribbean International (USA) soll den Angaben zufolge 5535 Passagieren Platz bieten.

Die „Aidanova“ der Rostocker Reederei Aida Cruises, die ebenfalls in diesem Jahr abgeliefert werden soll, kann rund 5000 Passagiere beherbergen. Insgesamt erhöht sich durch alle Neubauten die Kapazität um mehr als 34000 Plätze. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Laut dem Internetportal Cruise Industry News stehen ab 2019 nach aktuellem Stand 76 weitere Neubauten bis 2023 in den Auftragsbüchern der Werften.

Derzeit ist jedoch nur eine Handvoll Werften in Europa in der Lage, die großen Hochsee-Kreuzfahrtschiffe zu bauen: STX France (Frankreich), Fincantieri in Italien, die Meyer Werften in Papenburg und Turku (Finnland) sowie die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus wagten sich einige Werften an das Segment kleinerer Kreuzfahrtschiffe für 200 oder 300 Passagiere, erklärt Lüken.

Der Bau der großen Kreuzliner sei äußerst anspruchsvoll. „So ein Schiff ist ein hochkomplexes Produkt“, betont Lüken. Dafür benötige es ein erfahrenes Management und Fachleute. Zudem müssten die Arbeiten von rund 800 Zulieferern koordiniert werden. „Es darf nirgendwo haken: Jeder muss zum bestimmten Zeitpunkt am richtigen Ort arbeiten.“ An solchen Voraussetzungen scheiterte laut Lüken etwa die japanische Mitsubishi-Werft, bei der Aida Cruises zwei Neubauten in Auftrag gegeben hatte. Die Folge: Sowohl die „Aidaperla“ als auch die „Aidaprima“ wurden jeweils mit einem Jahr Verzögerung ausgeliefert. Die Werft habe damit einen Verlust von rund zwei Milliarden Euro eingefahren.

Inzwischen lässt Aida ihre Schiffe wieder bei der Meyer Werft in Papenburg bauen. Erst vor wenigen Tagen verkündete die Rostocker Reederei, ein weiteres Schiff bei Meyer in Auftrag gegeben zu haben.

Das mit Flüssigerdgas (LNG) angetriebene Schiff soll 2023 in Dienst gestellt werden. Der Auftragswert beträgt rund eine Milliarde Euro. Mit der Bestellung wird die Flotte des deutschen Kreuzfahrtmarktführers von derzeit zwölf auf insgesamt 15 Schiffe wachsen – zehn davon werden dann auf der Papenburger Meyer Werft gebaut worden sein.

Auch die Auftragsbücher der MV Werften mit den Standorten in Wismar, Warnemünde, und Stralsund sind bis 2026 prall gefüllt. So werden in Stralsund kleinere Luxus-Kreuzfahrtschiffe mit einer Kapazität von 200 Personen für Reisen in die Polarmeere gebaut. In Wismar und Warnemünde sollen nicht weniger als die nach Unternehmensangaben „größten Kreuzfahrtschiffe der Welt“ entstehen – die „Global Class“-Schiffe mit Längen um 340 Meter. Die ersten Kreuzliner sollen ab 2020 in See stechen.

Die Hamburger Kreuzfahrtgesellschaft Tui Cruises lässt derzeit die neuen „Mein Schiff 1“ und „Mein Schiff 2“ auf der Meyer Werft in Turku bauen. Die beiden Kreuzliner sollen dann ab diesem bzw.

kommendem Jahr ihre Vorgänger ersetzen. „Das Wachstum geht weiter“, betont Sprecherin Godja Sönnichsen.

Auch Lüken betont: „Die Kreuzschifffahrt ist eine sehr attraktive Urlaubsform – für die Branche ist noch Luft nach oben.“

Passagierzahlen steigen seit Jahren

27,2 Millionen Passagiere weltweit werden in diesem Jahr eine Fahrt mit einem Kreuzfahrtschiff unternehmen. Damit rechnet der internationale Kreuzfahrtverband Clia (Cruise Lines International Association). Die Nachfrage nach Kreuzfahrten steigt seit Jahren. Im vergangenen Jahr buchten 25,8 Millionen Passagiere eine Reise auf einem Kreuzliner. Das entsprach einem Wachstum von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr (2016: 24,7 Millionen Passagiere).

Axel Meyer

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