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„Kümonauten“ auf der Brücke

Rostock/Kiel „Kümonauten“ auf der Brücke

Mit ihrem MS „Fredo“ sind die Brüder Bernd und Willem Blanck im Dauereinsatz zwischen Nord- und Ostsee

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Auf der Brücke der „Fredo“: der erste Steuermann Tim Andresen (l.) und Kapitän Willem Blanck. FOTOS (3): PEER SCHMIDT-WALTHER

Rostock/Kiel. Die meisten Schiffe vor Warnemünde steuern den Seehafen Rostock an. Nicht jedoch MS „Fredo“. An diesem stürmischen Herbsttag hat sich der Frachter hinter dem knallroten Tanker-Neubau „Coral Energice“ versteckt, der auf der Neptun Werft fertiggestellt wird.

„Caterpillar“ steht in großen Lettern an der Wand der benachbarten Werkshalle: der Auftraggeber für die Ladung des Küstenfrachters. Er trägt als einziger den Heimathafen „Stralsund“ am Heck, während im Mast das rote hansestädtische Tuch flattert.

Kapitän Willem Blanck freut sich über die Fracht: „Das ist schnell erledigt, sauber und bringt gutes Geld“. Gemeint sind die drei Teile eines Motoren-Katalysators, die gerade mal 5,7 Tonnen wiegen.

Ein Leichtgewicht gegen die 1600 Tonnen Raps oder Getreide, die sonst von polnischen oder vorpommerschen Häfen allwöchentlich in das große Agravis-Futtermittelwerk nach Oldenburg an der Hunte (Niedersachsen) verschifft werden. Das staubt und braucht jeweils einen ganzen Tag zum Laden und Löschen.

Luken dicht! Schon am späten Vormittag steckt „Fredo“ seine Nase in die bewegte See vor Warnemünde. Der Kurs ist direkt abgesetzt auf die Südspitze der Insel Fehmarn. „Mit dem geringen Tiefgang können wir schon mal außerhalb der Schifffahrtsroute fahren“, erklärt Willem Blanck, „das spart Zeit, Sprit und letztlich Geld“. Darauf müssen er und sein Bruder Bernd besonders achten, um einen profitablen Betrieb zu führen. Beide sind zu gleichen Teilen Eigner der Reederei MS „Fredo“ und wechseln sich mit dem Borddienst ab. Seit Gründung der Firma durch ihren Vater im November 1967 gelingt das schon 50 Jahre lang. Damals fing Klaus Blanck, der das Seemannshandwerk von der Pike auf lernte und Vorbild für die Söhne war, mit einem 180-Tonnen-Schiff an. Das wurde nach den 1964 und 1967 geborenen Kindern „Bernd-Birgit“ benannt.

Die Folgedampfer sollten immer einen Tick größer und moderner werden. Womit man auch auf die veränderten Anforderungen des Marktes reagieren konnte, selbst in stürmischen Zeiten, als andere Reedereien reihenweise in die Pleite fuhren. „Zu Vaters Zeiten“, erinnert sich Willem, „machte man das noch per Handschlag, „weil das immer so war“. Heute indes bestimmen rein ökonomische Faktoren gnadenlos, welchen Weg die Ladung nimmt. Das dritte Schiff schließlich war 1980 die „Willem B.“, womit auch der jüngste Sohn „sein“ Schiff erhielt.

Mit der „Fredo“ ist man jetzt beim achten Küstenmotorschiff, unter Seeleuten kurz Kümo genannt, angelangt. Entsprechend nennen sich die beiden Kapitäne auch scherzhaft „Kümonauten“. Die Maße ihres Schiffes sind ideal für ihr Fahrtgebiet zwischen Nord- und Ostseehäfen. Als Neubau war es für die Papierfahrt konzipiert worden, so dass die Reisen auch in den finnischen Saimaa See führten. Im gleichnamigen Kanal dorthin sind nur Schiffe mit den Maximalabmessungen der „Fredo“erlaubt. Heute fährt sie als größter Seeschiffstyp vollbeladen den kleinen Fluss Hunte hinauf nach Oldenburg. Ein enormer wirtschaftlicher Vorteil, der sich quasi in einem Dauerauftrag des Auftraggebers Agravis niederschlägt.

Zwischendurch ist immer mal wieder auch „Luft“ für den lukrativen Transport von Dieselmotoren zwischen dem Rostocker und Kieler Caterpillar-Werk. Der erspart dann auch den ermüdenden 97 Kilometer langen Weg durch den Nord-Ostsee-Kanal. Grund: Die Gebrüder Blanck sind sogenannte Kanal-Freifahrer. Nach entsprechenden Fahrten unter Lotsberatung und einer Prüfung sparen sie sich Kosten für Lotsen und Rudergänger, müssen dafür aber die ganze Zeit selbst am Ruder stehen. Steuermann Tim Andresen aus Maasholm bei Kappeln ist noch nicht so weit, dass er das dürfte. Die beiden Blancks können jedoch schon auf einige tausend Kanalpassagen zurückblicken. „Meistens fahren wir da nachts durch“, sagt Willem, „das ist nicht so prickelnd“. Womit er den ständigen Schlafmangel meint, der ihn in der nächsten Nacht mit Kurs auf Swinemünde wieder erwartet.

An diesem Tag jedoch kommt es nicht dazu, weil die philippinische Dreimann-Crew die „Fredo“ schon nach zehn Stunden an der Pier des Caterpillar-Werkshafens in Kiel-Friedrichsort festmachen kann. „Das gibt eine ruhige Bauernnacht!“, strahlt Tim. Darum gönnen sich die Männer ein Feierabend-Bier und schnacken – unter anderem über vergangene und künftige Zeiten.

MS „Fredo“

Bauwerft: Schiffswerft Hugo Peters, Wewelsfleth/Stör; Baujahr: 2/1985; Bau-Nr.: 607; Flagge: Deutschland; Taufname: PREMIERE (bis 2002), danach MONTIS , ab 1. Mai 2010 FREDO; Abmessungen: Länge: 82,45 m, Breite: 11,33 m, Tiefgang (max.): 3,43 (Typ Saima/Vänern-max, da der Frachter früher jahrelang zu den finnischen Seen unterwegs war); 1 Luke (3105 Kubikm. Schüttgut); eingerichtet für Container-Transport: 46 TEU, verstärkt für Schwergutladung; BRZ: 1649, Tragfähigkeit: 1829 tdw, Ladetonnen: 1700 Tonnen;

Displacement (Ladetonnen und 865 t Schiffsgewicht): 2694 t; Maschine: MWM, Typ TBD 440-6K, 441 kW (700 PS), Geschwindigkeit (max.): 10,6 kn;

Peer Schmidt-Walther

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