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Seewirtschaft Lotsen gesucht: Ausbildung wird verkürzt
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Lotsen gesucht: Ausbildung wird verkürzt
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00:01 18.04.2016
Christian Subklew von der Lotsen- brüderschaft Wismar-Rostock- Stralsund

/Wismar/Stralsund. Wer kann künftig Lotse werden? Bisher dürfen nur erfahrene Kapitäne und Erste Nautische Offiziere nach einer achtmonatigen Ausbildung Schiffe in Häfen, durch Flüsse und Kanäle manövrieren. „Bis man sich aber als Seelotsenanwärter bewerben kann, vergehen nach dem Erwerb des Patentes an einer Seefahrtsschule fast sieben Jahre“, erklärt Kapitän Christian Subklew, Ältermann der Lotsenbrüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund. Doch die seemännischen Ausbildungsberufe sind nicht mehr so gefragt wie früher. Hinzu kommt: Die Hälfte aller in Deutschland arbeitenden Lotsen — ungefähr 450 — geht bis 2027 in Rente. „Wir brauchen dringend Leute, um diese Lücken zu schließen“, betont Subklew.

Um Lotsen-Anwärter zu gewinnen, soll direkt nach dem Nautikstudium eine zweijährige Ausbildung beginnen. Die bisher vorgeschriebene zweijährige Fahrzeit als nautischer Wachoffizier soll durch einen sechsmonatigen Lehrgang ersetzt werden, in dem die Bewerber alle neun deutschen Seelotsenreviere kennenlernen.

Die Gewerkschaft der Berufsgruppe, der Bundesverband der See- und Hafenlotsen, sieht die Pläne kritisch: „Mit so einer Ausbildung werden die seemännischen Berufe nicht gerettet, sondern die Qualität der Lotsen sinkt“, warnt Präsident Uwe Jepsen. Auch Christian Subklew würde weiterhin gern lieber Kapitäne mit mehrjähriger Erfahrung zum Lotsen ausbilden. Die seien aber nur noch in geringer Zahl verfügbar, darum „musste eine Alternative gefunden werden“. Die soll 2017 auf den Weg gebracht werden. „Künftig fahren die Bewerber ein weiteres halbes Jahr in dem Revier mit, in dem sie später ihre einjährige Aspirantenzeit absolvieren. Das ist für ihre spätere Tätigkeit eventuell sogar effektiver, als zwei Jahre mit dem Schiff wochenlang über die Weltmeere zu fahren“, sagt Subklew.

In der Brüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund arbeiten zurzeit 35 Lotsen, 2015 wurden drei neue Kollegen eingestellt, weil die Arbeit zugenommen hatte. Der Zusammenschluss der Freiberufler betreut das flächenmäßig größte deutsche Lotsenrevier. Neun Mitarbeiter sind in Stralsund im Einsatz, acht in Wismar, der Rest in Rostock. Insgesamt haben sie im vergangenen Jahr 7968 Lotsungen durchgeführt. Das sind etwa 300 mehr als 2014. Die Steigerung liegt vor allem an Rostock, wo 4777 Schiffe (+3,5 Prozent) besetzt wurden. Das größte Schiff war der knapp 330 Meter lange Kreuzfahrt-Gigant „Regal Princess“. Auch viele Frachter wurden in den Hafen manövriert. Sie transportierten Getreide, Ölprodukte, Kohle, Düngemittel, Baustoffe, Holz sowie Windkraftanlagen.

Im Stralsunder Revier haben die Lotsen 1446 Schiffe betreut. Das sind etwa 150 mehr als im Vorjahr, was vor allem an diversen Baggerarbeiten auf See lag. Im Lotsbezirk, zu dem neben der Hansestadt auch die Häfen Vierow, Ladebow, Lubmin und Wolgast gehören, waren die Schiffe unter anderem mit Gips, Getreide, Heizöl und Splitt bestückt. Dazu kommen noch mehr als 100 Lotsungen nach Mukran auf der Insel Rügen, wo viele Getreide-Schiffe festmachen.

Im Wismarer Revier hat es 1638 Lotsungen gegeben, was etwa der Größenordnung von 2014 entspricht. Sechs Kreuzliner-Schiffe wurden manövriert. Größter Bulkcarrier war die 185 Meter lange, mit Salz beladene „Trudy“.

Alle verdienen das Gleiche

980 deutsche Lotsen gibt es zurzeit an Nord- und Ostsee, sie sind Freiberufler und in neun Brüderschaften organisiert — von Emden (Niedersachsen) bis nach Stralsund. Da alle dieselbe Ausbildung haben und jeder annähernd gleich viele Lotsungen durchführt, wird der Erlös aller Einnahmen aufgeteilt. Das heißt, alle Mitglieder einer Brüderschaft verdienen das Gleiche. Mit der geplanten verkürzten Ausbildung würde sich das ändern.

Die Hälfte der Lotsen geht bis 2027 in den Ruhestand.

Von Kerstin Schröder

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