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Mehr Abfahrten, mehr Passagiere

Mehr Abfahrten, mehr Passagiere

Ron Gerlach (42), Geschäftsführer der deutschen Stena Line GmbH, spricht über höhere Gästezahlen, Eisenbahnfähren – und die erste Geburt an Bord.

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Zwischen Rostock oder Sassnitz und Trelleborg (Schweden) sind 2016 mehr als eine halbe Million Gäste mit Stena Line gefahren.

Quelle: Fotos: Fellechner/archiv

Stena Line hat ein bewegtes Jahr hinter sich – 2016 hat das Unternehmen seinen Deutschland-Sitz von Kiel nach Rostock verlegt und ist eine Kooperation mit TT-Line eingegangen. Wie lautet Ihre Bilanz?

Ron Gerlach (42),

Geschäftsführer der deutschen Stena Line GmbH

Ron Gerlach: Wir haben ein gutes Jahr hinter uns. Der Wechsel der Verwaltung hat gut funktioniert. Derzeit arbeiten 350 Mitarbeiter in Rostock – Verwaltung und Besatzung zusammengezählt. Was das so genannte Swap-Agreement mit der TT-Line betrifft, bin ich auch sehr zufrieden. 'Swap' bedeutet, dass 50 Prozent der Kapazitäten auf unseren Schiffen der TT-Line zur Verfügung stehen und andersherum. Dadurch konnten wir unsere Abfahrten aus Rostock während der Hauptsaison auf sechs erhöhen, so dass jetzt nach Trelleborg alle drei, vier Stunden statt alle acht eine Fähre startet.

Gab es so etwas schon einmal?

Dass man sich jedes Schiff quasi teilt, das gab es vorher in diesem Umfang noch nicht in der Fährschifffahrt. Wir sind sozusagen die Pioniere. Ich bin mir aber sicher, das wird sich durchsetzen.

Fluggesellschaften machen das beispielsweise schon länger so.

Wie wird das Angebot von den Passagieren angenommen?

Wir sind sehr gut gebucht. Im vergangenen Jahr kamen 210 000 Gäste und 77 000 Pkw auf der Route Rostock-Trelleborg an Bord. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr. Auf der Sassnitz-Route waren es 310 000 Gäste und 113 000 Pkw. Auf der Strecke Kiel-Göteborg haben wir das beste Ergebnis seit Jahren eingefahren, vor allem was die Fracht betrifft. Insgesamt gingen dort 420 000 Passagiere an Bord.

Woher kommen die Mitfahrer der Trelleborg-Linien vorrangig?

Auf der Sassnitz-Route sind etwa 70 Prozent aus Schweden, denn die Schweden lieben Rügen. Sonst ist es eigentlich 50 zu 50 auf den anderen beiden Routen. Unsere Gäste kommen aber auch aus Österreich, den Niederlanden oder Norditalien, fahren mit dem Auto nach Rostock und steigen auf die Fähre.

Gibt es auch mal besondere Gäste?

2016 hatten wir in der Tat auf der ’Mecklenburg-Vorpommern’ einen besonderen Gast, wenn man so will. Dort wurde unterwegs ein Baby geboren. Erster und zweiter Offizier haben dabei Geburtshilfe geleistet. Im Pass des Kindes steht jetzt auch der Fährname als Geburtsort. Die deutsche Familie haben wir kürzlich zum ersten Geburtstag wieder an Bord begrüßt.

Passagiere, die mit Auto weiter fahren wollen, können in Zukunft auch den Fehmarn-Belt-Tunnel nutzen, wenn er fertig ist. Wird das Fährgeschäft dann überflüssig?

Grundsätzlich glaube ich, dass die Fährschifffahrt einige Vorteile gegenüber dem Tunnel hat. Der Lkw-Fahrer kann seine Ruhezeiten bequem in die sechs Stunden Aufenthalt an Bord legen. Wenn er den Tunnel nutzt, ist das nicht möglich. Außerdem ist die Fährfahrt für Passagiere ein Erlebnis: schwedische Flusskrebse essen, ABBA hören und sich auf den Urlaub einstimmen – das alles bietet ein Tunnel nicht. Und man braucht zu Tunneln oder Brücken immer einen Plan B – für Ernstfälle wie schwere Unfälle oder Terrorgefahr.

Wo sehen Sie noch Potenziale für

Stena Line zu wachsen?

Über die neue Seidenstraße kommt seit etwa einem Jahr Ladung aus China nach Europa. Das sind riesige Verkehre, die langfristig hinzu kommen. Ein Großteil kommt in Duisburg an. Wenn wir davon verstärkt Teile nach Rostock bekämen, wäre das sehr gut. Es wird aber noch Jahre dauern, bis es auf der Strecke richtig läuft. Ansonsten wollen wir im Passagebereich Städte miteinander verbinden, Berlin mit Malmö, Kopenhagen oder Stockholm. Derzeit arbeiten wir beispielsweise an einer Kooperation mit Flixbus, um diese Strecken mit Angeboten attraktiv zu machen.

Wie weit sind Sie beim Thema Nachhaltigkeit und Alternativantrieb?

Derzeit gibt es bei uns die erste mit Methanol betriebene Fähre der Welt, die auf der Route Kiel-Göteborg fährt. Wir wollen die Emissionen vor allem in Landnähe und in den Häfen nach unten drücken und haben zudem rund 2,5 Millionen Euro in die Schiffe auf den deutschen Routen investiert, um in Häfen Strom laden zu können statt CO2 in die Luft zu blasen.

Das Problem ist jedoch: Man braucht dafür Landstromanlagen. In den Häfen, die wir in Schweden anlaufen, gibt es das bereits, aber in Rostock, Kiel und Sassnitz im Hafen nicht, so dass wir den Strom dort bisher nicht nutzen können. Stena Line wird außerdem bis Ende 2017 Plastiktüten, -becher und -besteck an Bord verbannen.

Ihre Reederei hat die Besonderheit, drei Eisenbahnfähren zu besitzen. Lohnt sich das Geschäft denn noch?

Wir betreiben die beiden größten Eisenbahnfähren, die es weltweit noch gibt. Wir befördern derzeit etwa 17 000 Waggons im Jahr. Es ist aber ein schwieriger Markt. Der Unterhalt ist kostenintensiv, weil man auf der Fähre und an Land relevante Infrastruktur vorhalten muss. Ein Eisenbahndeck wurde in diesem Jahr erst für mehr als eine Million Euro in einer polnischen Werft erneuert. Für die Zukunft vorstellbar wären Passagierzüge an Bord. Derzeit führen wir Gespräche mit privaten Bahnanbietern, unter anderem um mehr Eisenbahntransport nach Sassnitz zu bekommen. Die Route als kürzeste Verbindung zwischen Deutschland und Schweden gibt es bereits seit 120 Jahren. Die Routen sind unser größtes Kapital. Sie zu erhalten ist uns sehr wichtig.

22 Routen weltweit

7 Millionen Passagiere und 1,5 Millionen Pkw hat Stena Line in seinem Routennetzwerk 2016 weltweit transportiert. Die Reederei hat nach eigenen Angaben 40 Schiffe und fährt auf insgesamt 22 Routen, unter anderem im Baltikum, in Großbritannien, Irland und Skandinavien. Der Hauptsitz für Deutschland wurde 2016 nach Rostock verlegt.

Die Linie Sassnitz- Trelleborg gilt als Königslinie, sie wird seit 120 Jahren betrieben. Die anderen beiden deutschen Routen sind Rostock-Trelleborg und Kiel-Göteborg.

Interview von Virginie Wolfram

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