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Mehr Getreide über Kaikanten – Rostock erweitert Kapazität

Rostock Mehr Getreide über Kaikanten – Rostock erweitert Kapazität

Im Überseehafen entsteht eine weitere Silo- und Umschlaganlage

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Großbaustelle Getreidehafen: Agrarhändler und Euroports investieren kräftig.

Quelle: Foto: D. Lilienthal

Rostock. „Die Erdarbeiten gehen gut voran“, sagt Hans-Bernhard Overberg, Geschäftsführer der Beiselen GmbH Ulm. „Bald soll auch über der Erde richtig etwas zu sehen sein.“ Die Agrarhandelsfirma aus Baden-Württemberg will künftig mehr Getreide exportieren – und baut dafür im Rostocker Überseehafen eine neue Silo- und Umschlagsanlage für rund 25 Millionen Euro.

Über einen langfristigen Pachtvertrag kann der Investor dafür ein etwa fünf Hektar großes Areal nutzen.

Für das Projekt entstand eine neue Gesellschaft: die GT Getreideterminal Rostock GmbH, bei der neben der Firma aus Süddeutschland drei norddeutsche Agrarhändler mit im Boot sitzen: Trede & von Pein (Itzehoe), die J. Stöfen GmbH (Wesselburen/beide Schleswig-Holstein) sowie der Rudolf Peters Landhandel (Winsen/Niedersachsen).

„Bisher haben wir 400000 Tonnen Getreide pro Jahr über Rostock umgeschlagen, künftig sollen es 800000 Tonnen sein“, nennt Beiselen-Chef Overberg die neue Zielmarke. Für die Ernte 2018 soll die neue Anlage schon zur Verfügung stehen. Das Unternehmen will in Mecklenburg-Vorpommern und Umgebung „aus einem größeren Radius“ Getreide aufkaufen und nach Übersee verschiffen. Denn in Nordafrika, im Nahen und Mittleren Osten steigt die Nachfrage nach Agrarprodukten aus Europa.

Davon profitiert Rostocks Überseehafen so stark, dass er an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Lkw-Warteschlangen an der Einfahrt zum Getreideterminal sind keine Seltenheit. Overberg: „Wenn Lkw stehen, verdienen sie kein Geld.“ Getreide avancierte zur stärksten Schüttgutart. 3,5 Millionen Tonnen Getreide gingen 2016 im Überseehafen Rostock über die Kaikanten. 2012 waren es erst zwei Millionen. „Der Getreideumschlag gehört zu unseren wichtigsten Wachstumsträgern“, bestätigt Gernot Tesch, Geschäftsführer bei Rostock Port. Mit 1,7 Millionen Tonnen liege auch das erste Halbjahr 2017 im Trend.

Rostock kann sich in diesem Segment bereits mit Hamburg messen. Tesch: „Wir sind auf Augenhöhe.“ Wie Beiselen erweitern auch andere im Hafen ansässige Getreidehändler – HaGe, Getreide AG, Ceravis und RGL – ihre Kapazität.

Parallel dazu investiert die Umschlaggesellschaft Euroports Germany: Zehn Millionen Euro fließen in Beladetechnik, damit das Korn aus den GT-Silos auf die Schiffe gelangt. Pro Stunde kann die neue Anlage 1200 Tonnen Getreide an Bord befördern. „Unsere Leistungsfähigkeit in dem Bereich wird mehr als verdoppelt“, sagt Euroports-Geschäftsführer Karsten Lentz.

Die kleineren Häfen in MV können da nicht mithalten. „Wir brauchen uns um Getreide gar nicht mehr bewerben“, sagt Michael Ott, Hafenchef in Greifswald-Ladebow. Die versandete Hafeneinfahrt sei nur noch für kleine Frachter passierbar. Ott: „Mit 3000 Tonnen ist bei Getreide kein Geschäft mehr zu machen. Der Trend geht eindeutig zu großen Partien.“

Kleine Häfen verlieren im Getreidegeschäft

4,5 Millionen Tonnen Getreide wurden 2016 in Mecklenburg-Vorpommern umgeschlagen. Der größte Teil entfällt auf den Rostocker Überseehafen , dem – neben Hamburg – wichtigsten deutschen Umschlagplatz für Getreide. In Rostock gingen 3,5 Millionen Tonnen Korn über die Kaikanten.Experten gehen davon aus, dass sich der Getreideexport künftig auf Rostock und Sassnitz-Mukran konzentriert, an beiden Standorten werden die Kapazitäten erweitert. Sassnitz Port peilt pro Jahr eine Million Tonnen Getreide an.

International wird der Getreidehandel zunehmend mit großen Schiffen abgewickelt, die kleinere Häfen nicht anlaufen können.

Greifswald-Ladebow musste 2015 wegen zunehmender Versandung den Getreideumschlag einstellen. Eigentlich sollte der ausgebaut werden – auf bis zu 100000 Tonnen.

Der RFH Fracht- und Fischereihafen Rostock verliert Anteile. Seit 2013 sank der Getreideumschlag von 118000 auf 50000 Tonnen.

Vierows Hafen setzt bei Getreide stärker auf seine Partnerschaft mit Sassnitz Port.

Elke Ehlers

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