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Meyer-Werftenkonzern expandiert im Ostseeraum

Turku/Papenburg Meyer-Werftenkonzern expandiert im Ostseeraum

Die Papenburger Schiffsschmiede baut sich nach und nach ein Imperium auf

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Bernard Meyer, Geschäftsführer der Meyer-Werften

Quelle: Arscholl

Turku/Papenburg. Zwei Jahre ist es her, da war die Stimmung der Schiffbauer im finnischen Turku auf dem Tiefpunkt. Im Sommer 2014 stand die weltweit bekannte Großwerft an der Mündung des Flusses Aura vor dem Aus. Rettung kam aus Deutschland. Die Meyer Werft übernahm die Mehrheitsanteile der Werft. Gleichzeitig bestellte die deutsche Reederei Tui Cruises vier Kreuzfahrtschiffe. Die Meyer Werft hat sich damit einen internationalen Werftenverbund geschaffen. Einen Ostsee-Ems-Verbund sozusagen. Rund ums Mare Baltikum schweißen inzwischen Schiffbauer für Meyer.

Mitte 2014 drohte den 1500 Schiffbauern in Turku das Aus. Der koreanische Werftenkonzern STX hatte keine Lust mehr auf die Tochter, und der finnische Staat fand im eigenen Land keinen Investor. Jetzt prangt in 80 Metern Höhe „Meyer Turku“ in weißer Schrift auf blauem Grund am Werftkran. Der Papenburger Werftchef Bernard Meyer hat sich den Ex-Konkurrenten gesichert – nach der Neptun Werft in Warnemünde ein weiteres Stück im Puzzle auf dem Weg zur Weltspitze im Kreuzfahrtschiffbau. Die Führung der Werft übernahm Jan Meyer, der Sohn. Ihm zur Seite steht ein deutsch-finnisches Führungsteam.

Gleichzeitig lässt Meyer jetzt auch in Danzig Sektionen bauen. Das Werftenimperium um die Ostsee wird größer.

Die Werft in Turku bietet das, was die Familie Meyer in Deutschland nicht mehr fand. Das 1975 vom Reißbrett entworfene Areal umfasst 144 Hektar. Damit gehört die Werft zu den flächenmäßig größten Schiffbauunternehmen in Europa. Herzstück ist das große Felsendock. 365 Meter lang, 80 Meter breit und zehn Meter tief.

Die Meyers haben schnell erkannt, was in Finnland möglich ist. „Deshalb haben wir ein Modernisierungsprogramm gestartet. Wir investieren 35 Millionen Euro in den Standort“, sagt Meyer.

Herzstück ist ein neuer Portalkran, der 1200 Tonnen heben kann. Mit dem neuen Kran können doppelt so schwere Sektionen gebaut werden. Bis zu 70 dieser Elemente sind für ein 300 Meter langes Kreuzfahrtschiff erforderlich. Bislang werden Stahlbau sowie Rohre und ein kleiner Teil der Ausrüstung in den Hallen gefertigt. Dann hebt der 600-Tonnen-Kran die Sektionen ins Dock und setzt so den Rumpf zusammen. Bei Sonne wie bei Schnee. Bislang wurde ein Kreuzfahrtriese in Turku pro Jahr gebaut. Jan Meyer hat für die Zukunft die Verdoppelung auf zwei Neubauten geplant.

Der Winter zwischen Dezember und März ist bisweilen eine Herausforderung für den Stahlbau. „Da haben wir viel von den Kollegen hier in Finnland gelernt“, sagt Meyer. Die Art, wie die Finnen Schiffssektionen bei Minus 20 Grad beheizen, schweißen und Zeitpläne auch im Schneesturm einhalten, hat bei Jan Meyer Eindruck hinterlassen. „Das ist schon wirklich eine Herausforderung, die es so wohl nirgendwo anders gibt“, sagt Meyer.

1500 Mitarbeiter zählt die Werft. Bis 2020 ist Turku ausgelastet. Drei Kreuzfahrer für Tui, zwei für Costa und eine Fähre stehen in den Auftragsbüchern. Außerdem ist die Werft mit innovativen Antriebskonzepten wie Flüssiggas ganz vorn dabei. Gerade wird die erste Fähre gebaut, die einen Antrieb mit Gasmotoren und auch im Rumpf integrierte LNG-Tanks hat. Im nächsten Jahr ist Kiellegung für die ersten mit Gasantrieb versehenen Kreuzfahrtschiffe für die Reederei Costa. Die Schiffe der sogenannten Helios-Klasse baut Meyer Turku in Zusammenarbeit mit der Meyer Werft in Papenburg.

Kein Urteil über Hafen-Erweiterung in Papenburg

Der Rechtsstreit um die geplante Erweiterung des Seehafens in Papenburg liegt zunächst auf Eis. In einem am Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg verhandelten Normenkontrollverfahren wurde kein Urteil gefällt, weil die Beteiligten eine außergerichtliche Einigung anstrebten, wie eine Sprecherin mitteilte. Bei dem Streit geht es um die Rechtmäßigkeit des Bebauungsplanes. Der im März 2014 beschlossene Plan setzt auf 146 Hektar Fläche Industrie-, Gewerbe- und Hafengebiet fest – Erweiterungsflächen für die Meyer- Werft. Dagegen wehren sich vier Bauern.

Frank Behling

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