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Mini-Box hilft Meeresforschern

Rostock Mini-Box hilft Meeresforschern

Rostocker haben einen kompakten Messcontainer entwickelt, der das Datensammeln auf See präziser machen soll

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Regine Labrenz, IOW

Quelle: Frank Söllner

Rostock. Rostocks Meeresforscher nehmen’s ganz genau: Die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) wollen das Datensammeln auf dem Meer wesentlich präziser machen. Bislang wurden Messungen durch Umweltfaktoren wie Seegang oder Algenblüte getrübt. Moderne Technik, die das IOW mit Unternehmen aus der marinen Technologiebranche entwickelt, soll Abhilfe schaffen.

Neueste Errungenschaft ist ein Mini-Messcontainer, mit dem das IOW bereits internationales Fachpublikum auf der Messe Oceanology in London überzeugen konnte. Der kompakte Würfel kann auf See Oberflächenwasser präzise analysieren und wichtige Parameter wie Temperatur oder Salzgehalt erfassen. Dies war bislang nur punktuell durch Sonden möglich, die an bestimmten Stellen vom Forschungsschiff aus in die Tiefe gelassen wurden. Gleichbleibend gute Wasseranalysen während der gesamten Exkursion konnten nicht garantiert werden. Grund: Die sensiblen Sensoren der Messgeräte setzten sich schnell mit Algen und anderen Mikroorganismen zu und mussten immer wieder gereinigt werden. Die Forscher mussten also die Messung unterbrechen und damit auf wichtige Daten verzichten oder aber in Kauf nehmen, dass die Qualität ihrer Messwerte litt. Präzise Non-Stop-Messungen brauchen die Wissenschaftler aber für ihre Arbeit. Welchen Einfluss hat ein Salzwassereinbruch aus der Nordsee? Und was bewirkt der Klimawandel? Nur mit unverfälschten Daten lassen sich verlässliche Aussagen darüber treffen, was sich im Ökosystem Ostsee tut und wie es sich verändert.

Der neue Messcontainer hat mit trübem Wasser kein Problem. Er arbeitet nach dem Master-Slave-Prinzip, erklärt Johann Ruickoldt, Schiffskoordinator beim IOW. Das Gerät besteht aus zwei baugleichen Komponenten: Sobald der Hauptapparat (Master) gereinigt werden muss, schaltet sich automatisch sein Doppelgänger (Slave) ein und setzt die Messung lückenlos fort. Der Datenstrom reißt quasi niemals ab. Master und Slave gleichen ständig ihre Messwerte ab. Weiterer Vorteil: „Durch einfache Anschlusssysteme nach dem ‚plug-and-play‘-Prinzip ist das Gerät praktisch mit jedem Schiff kompatibel“, erklärt Regine Labrenz, IOW-Beauftragte für den Technologietransfer. Es könnte sowohl auf Forschungsschiffen als auch auf jeder beliebigen Fähre eingesetzt werden. Damit stünden künftig weit größere und verlässlichere Datenmengen zum Zustand der Ostsee bereit. Im Gegensatz zu bisher eingesetzten Modellen nimmt das neue Messgerät zudem nur einen Bruchteil des Platzes ein und kann auf externe Technik verzichten. Während der Vorgänger noch an die Schiffs-EDV gekoppelt werden muss, um Daten auszulesen und zu verarbeiten, hat der Minimesser einen eigenen Rechner, einen Bildschirm und eine automatische Selbstreinigung.

Derzeit muss der Messcontainer auf dem Forschungsschiff „Elisabeth Mann Borgese“ den Praxistest bestehen. „Die letzten Feinabstimmungen an der Software laufen. Es geht nur noch um Details“, sagt Ruickoldt. Er rechne damit, dass der Prototyp bis spätestens Mitte des Jahres marktreif sei. „Interessenten gibt es schon auf allen Forschungsschiffen“, sagt Ruickoldt. Die Technik habe gute Chancen, auch von anderen Forschungsinstituten übernommen zu werden. Sie könnten künftige Kunden und Geldquelle für das IOW sein. Der Messcontainer wird zwar vom Thüringer Unternehmen „4H-JENA engineering“

gebaut und vermarktet. Doch an jedem verkauften Stück verdienen die Rostocker als Ideengeber mit.

Auf der „Borgese“ wird nicht nur der Mini-Messcontainer getestet. Die IOW-Crew hat auch eine neue Forschungswinde mit an Bord. Mit ihr können die Wissenschaftler Messsonden punktgenau in einer gewünschten Wassertiefe halten, auch wenn das Schiff bei starkem Seegang schwankt. Mit Technik wie dieser wolle das IOW höchste Standards in der Meeresforschung setzen, erklärt Regine Labrenz. „Wir entwickeln Geräte, die die Genauigkeit von Messungen enorm voranbringen. Davon können Wissenschaftler auf der ganzen Welt profitieren.“

Ostseetag am 8. Juni

Der Zustand der Ostsee ist Thema des Ostseetages am 8. Juni in Rostock. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), das Thünen-Institut für Ostseefischerei, das Deutsche Meeresmuseum Stralsund und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) laden zu Vorträgen, Diskussionsrunden und Besuchen auf drei Forschungsschiffe im Stadthafen. Auch an Land wollen die Experten mit der Öffentlichkeit über aktuelle Forschungsthemen ins Gespräch kommen.

• Programm: www.ostseetag.info

Antje Bernstein

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