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Rostock Mit Wind statt Schweröl

Schoner „Avontuur“ transportiert Ladung umweltschonend / Schiff legt Donnerstag im Rostocker Stadthafen an

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Die „Avontuur“ bei voller Fahrt auf dem Weg von Elsfleth nach Rostock.

Quelle: Fotos: Timbercoast

Rostock. Die „Avontuur“ kann knapp 114 Tonnen Ladung verschiffen. Das ist fast nichts im Gegensatz zu den riesigen Containerschiffen, die Tausende Tonnen Fracht über die Weltmeere transportieren. Dennoch hat Kapitän Cornelius Bockermann knapp 1,5 Millionen Euro in sein Schiff investiert. Er will zeigen, dass Seeschifffahrt auch anders betrieben werden kann als mit Schwer- oder Dieselöl – nämlich mit Wind- und Sonnenkraft.

Wenn die „Avontuur“ am Donnerstag zur Hanse Sail einläuft, wird sie zwischen den anderen Großseglern kaum auffallen. Sie ist ein typischer Frachtsegelschoner, wie er zu Tausenden den Warentransport in Europa bis in die 1930er Jahre ermöglichte. „Das war eine Zeit, in der es noch keine Autobahnen und keinen Lkw-Verkehr gab“, sagt Bockermann.

Die Idee ist also nicht neu. Bockermann, der 30 Jahre zur See fuhr, seine eigene Reederei gründete und auch in der Ölindustrie tätig war, hat sie jedoch wieder aufgegriffen. Zuletzt wurde der 44

Meter lange Schoner als Passagierschiff zwischen der niederländischen Küste und den Westfriesischen Inseln eingesetzt. Jetzt soll wieder Ladung damit transportiert werden. Nachdem die „Avontuur“ zwei Jahre in der Werft im niedersächsischen Elsfleth bei Bremerhaven lag, ist sie mit ihrer fünf Mann starken Crew und zehn Gästen zum ersten Mal ausgelaufen. Ziel: die Hanse Sail in Rostock. „Wir hatten auch schon ein paar Fässer Schnaps mit an Bord, die wir auf dem Weg nach Rostock in Hamburg abgeliefert haben“, sagt der 57-Jährige. Auf der Sail gehe es vor allem darum, das Projekt bekannt zu machen.

„Das Schiff steht für eine neue Form des Abenteuers, bei dem bisher unbekannte Wege gesucht werden, um gegen die drohende Umweltzerstörung und den Klimawandel vorzugehen“, weiß Sail-Chef Holger Bellgardt.

Dass Bockermann schon 1,5 Millionen Euro in sein Schiff investiert hat, überrascht ihn selbst etwas. Geplant waren anfangs 680000 Euro. „Ja, das ist viel. Aber egal“, sagt der Kapitän. Es gehe darum, etwas zu verändern. Hilfe bekommt er dabei von sogenannten Shareholdern, also Gesellschaftern. „Das sind ein paar hundert Leute, von denen jeder so um die 1000 Euro mit in den Topf geschmissen hat“, erklärt Bockermann. Zusammen setzen sie die Prinzipien der Gemeinwohlökonomie um. Das heißt, dass dieses Projekt sich zwar rechnen muss.

Oberste Maxime ist jedoch nicht der Gewinn. „An erster Stelle stehen für uns der Umweltschutz und sozialverträgliche Arbeitsplätze. Erst dann irgendwann geht es mal um Rentabilität“, sagt der Kapitän. Geld muss er natürlich trotzdem damit verdienen. „Aber ich tue es nicht, um damit reich zu werden. Im Gegenteil. Ich möchte, dass die Leute anfangen, darüber nachzudenken, was eigentlich passiert auf der Welt.“ Und dazu gehöre schonende Seeschifffahrt. Denn seine „Avontuur“ fährt mit 612 Quadratmetern Segelfläche und gerade mal 2,60 Meter Tiefgang lediglich mit bis zu sechs Knoten über die Meere. Zum Vergleich: Ein großer mit Schweröl angetriebener Frachter fährt bis zu 25 Knoten. Der gesamte Energiebedarf der „Avontuur“ wird durch Windgeneratoren und ein Solardach gedeckt.

Der Schoner fährt also fast emissionsfrei. Nur zum An- und Ablegen benutzt die Crew noch einen Dieselmotor. Der soll allerdings alsbald durch einen Elektroantrieb ausgetauscht werden.

Inzwischen hat Bockermann Kontakte zu vielen Inselstaaten, wie Fidschi, den Osterinseln, Palau, Indonesien oder Neuseeland, hergestellt. Sie alle sind daran interessiert, die „Avontuur“ bei sich fahren zu lassen. „Die erinnere ich aber daran, dass wir erst mal ein Zeichen setzen und Aufmerksamkeit wollen, um auf die Missstände hinzuweisen. „Mit unseren 114 Tonnen, die wir transportieren können, werden wir nicht den Welthandel revolutionieren.“ Ein Schritt in die richtige Richtung sei für die Crew aber möglich. „Wir können zum Beispiel das fehlende Verbindungsglied zwischen ökologisch hergestellten Lebensmitteln und dem Endverbraucher sein“, sagt der Vater von zwei Kindern.

Von Donnerstag bis Sonntag liegt die „Avontuur“ im Rostocker Stadthafen. Der Kapitän lädt zum Open Ship ein. Danach geht es weiter ins französische La Rochelle. „Wir haben noch etwas Ladung an Bord – Wein, Portwein, Öl.“

Riskantes Unternehmen

Windkraft als Antrieb für Frachtschiffe kommt zwar in Mode. Das Konzept ist aber nicht immer erfolgreich. Die Hamburger Reederei SkySails hatte eine ähnliche Idee und wollte den Wind nutzen, um große Yachten und Fischtrawler zusätzlich zum Motorantrieb über die Meere zu ziehen. Dabei wurden Drachen eingesetzt, die denen von Kitesurfern ähneln. Das Unternehmen hat allerdings im März Insolvenz angemeldet, musste 80 Mitarbeiter entlassen und hat sich im April aufgelöst.

Terje Lade, ein norwegischer Erfinder, hat auch ein Frachtschiff entwickelt, das allein mit Wind angetrieben werden soll. Lade setzt dabei aber nicht auf Segel oder Drachen. Sein Schiff soll die Form und Angriffsfläche eines Segels haben – ohne Stauraum dafür zu verbrauchen. Laut Lade könnte das Schiff bis zu 7000 Autos transportieren. 2018 soll sein Schiff fertig sein.

Michaela Krohn

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