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Seewirtschaft Mit voller Wucht ins Schleusentor
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Mit voller Wucht ins Schleusentor
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21:25 26.02.2018
Das unter portugiesischer Flagge fahrende Containerschiff „Akacia“ nach der Kollision mit einem Schleusentor – hier noch in der Südkammer der Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals in Kiel-Holtenau. Inzwischen wurde das havarierte Schiff aus der Schleuse geschleppt. Quelle: Foto: Carsten Rehder/dpa
Kiel/Rostock

Der Nord-Ostsee-Kanal ist wieder ein Nadelöhr für die Schifffahrt. Seit dem 21. Februar. Ein halbes Jahr nach Abschluss der umfangreichen Arbeiten an den Schleusen sollte die meistbefahrene künstliche Seewasserstraße der Welt eigentlich wieder zuverlässig offen stehen. Doch dann kam der Frachter „Akacia“.

Ein Problem mit der Steuerung des Verstellpropellers war es, weshalb am 20. Februar um 23.50 Uhr das 149 Meter lange Schiff mit einer Geschwindigkeit von über zehn Knoten in das Schleusentor Nummer 1 der großen Südschleuse in Kiel-Holtenau krachte. Der für die Eisfahrt verstärkte Bug durchbrach die Stahlkonstruktion und riss ein Loch von der Größe eines Einfamilienhauses ins Tor. „Ich habe so etwas noch nie gesehen. Dieser Schaden ist wirklich außergewöhnlich“, sagt Matthias Visser, stellvertretender Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau (WSA).

Die zwölf großen Schiebetore der Schleusen in Kiel und Brunsbüttel haben schon einige Havarien einstecken müssen. Doch das, was die „Akacia“ anrichtete, ist einmalig in der Geschichte der 1895 eröffneten Wasserstraße. Der Frachter durchbrach nicht nur das Tor, er blieb auch auf dem Tor liegen. Wie ein gestrandeter Wal zeigte sich die „Akacia“ am 21. Februar in der Morgensonne. Die Bergung des Schiffes gelang am selben Tag – nach Abpumpen des Ballastwassers und mit Hilfe eines Schleppers. Danach wurde der Schaden in vollem Ausmaß sichtbar: „Der Frachter hat fünf der 16 Tanks des Tores beschädigt. Diese Tanks sind wichtig, um das Tor aufschwimmen zu lassen“, sagt Visser. Da aber die Tanks ebenfalls aufgerissen sind, steht schnell fest, dass der Ausbau des rund 1000 Tonnen schweren Schleusentores auf die normale Art nicht möglich sein wird. Möglicherweise wird es sogar Wochen dauern, bis das Tor entfernt werden kann.

„Für diese Bergung brauchen wir Hilfe. Das können wir mit unseren Leuten und unserem Gerät nicht mehr machen“, sagt Visser. Großes Bergungsgerät hält der Bund für solche Notfälle nicht vor.

Schwimmkräne privater Reedereien liegen derzeit in Bremerhaven, Rotterdam oder in Dänemark.

Die Schadenshöhe – nach ersten vorsichtigen Schätzungen: zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Aus diesem Grund wurde der Frachter von der Schifffahrtsverwaltung nach der ersten Untersuchung in die Kette gelegt. Der Arrest soll bewirken, dass die Versicherung der Reederei eine Sicherheit hinterlegt. Erst dann darf die ebenfalls beschädigte „Akacia“ in eine Werft. Auch die für Russland bestimmten Container fallen unter den Arrest. Ein Problem wurde am Wochenende bekannt: Der Zeitwert des 14 Jahre alten Frachters liegt angesichts der Schifffahrtskrise weit unter der Schadenssumme an dem Schleusentor.

Bei der Reparatur setzt das WSA-Team auf Schnelligkeit. „Es wird keine Ausschreibung geben.“ Wichtig sei, „dass das Tor so schnell wie möglich geborgen werden kann und wir bald wieder zwei Schleusenkammern haben“, sagt Matthias Visser. Erste Aufträge wurden bereits vergeben.

Heute beginnt ein Schwimmkran der Reederei Knoth aus Hamburg mit den ersten Arbeiten. „Der wird uns dabei helfen, die Trümmer am Schleusentor zu bergen, damit die eigentliche Bergung vorbereitet werden kann, sagt Visser. Diese Bergung soll dann mit großen Schwimmkränen erfolgen. Wenn die Schienen und Wagen unter dem Tor den Unfall ohne größere Schäden überstanden haben, könnte danach sofort ein Ersatztor eingesetzt werden. „Wir haben zur Zeit glücklicherweise zwei Tore in Reserve“, sagt Visser. Bis das aber so weit sein wird, steht der Schifffahrt in Kiel nur eine Schleusenkammer zur Verfügung. Die Folge: lange Wartezeiten. Teilweise liegen Schiffe bis zu acht Stunden in Warteposition. „Viele Reeder haben gleich abgedreht und nehmen den Weg um Skagen. Wer aber Zeit hat und Treibstoff spart, der wartet“, sagt Jann Petersen von der Schiffsmaklerei UCA United Canal Agency.

Bei der Suche nach der Ursache sind inzwischen auch Experten der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen in Hamburg eingeschaltet. Der Lotse und der Kapitän sind jedoch nicht im Fokus. Sie hatten keine Chance, die Fehlsteuerung des Propellers zu bemerken. „Da hat die Besatzung keine wirkliche Chancen mehr überhaupt etwas zu machen. Sie kann sich dann nur noch festhalten“, sagt ein Ermittler.

Lotse und Kapitän haben dennoch ein Notmanöver versucht und beide Anker in der Schleuse fallen lassen. Das hat zumindest etwas Fahrt aus dem Schiff genommen.

Frank Behling

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