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Seewirtschaft Monaco: Rostocker arbeitet mit Fürst Albert für Meeresschutz
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Monaco: Rostocker arbeitet mit Fürst Albert für Meeresschutz
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00:00 02.01.2018
Mathias Jonas vor der mondänen Kulisse des Yachthafens von Monte Carlo. Quelle: Foto: Privat
Rostock/Monaco

Der Rostocker Mathias Jonas wechselte vor einem Vierteljahr vom Rostocker Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) an die Spitze der Welt-Hydrographie-Organisation IHO. Im OZ-Interview berichtet er über seine ersten Erfahrungen.

Inwiefern hat sich Ihre Arbeit durch den Umzug von Rostock nach Monaco verändert?

Mathias Jonas: Beruflich hat sich die Perspektive sehr verschoben. Ich habe ja auch in meiner vorherigen Funktion internationale Aufgaben wahrgenommen – dabei aber immer auch aus der Vertretung deutscher Interessen heraus. Nun denke ich global und stelle fest, wie unterschiedlich die Interessenlage sein kann. Da sind etwa die Staaten, die an das Polarmeer grenzen und sich mit Fragen der Passierbarkeit für Schiffe im arktischen Sommer beschäftigen, und dann Inselstaaten wie Kiribati im Pazifik, die vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sind. Als ich vor einigen Wochen den Vertreter dieses Inselstaates in London bei der Vollversammlung der UN-Weltschifffahrtsorganisation IMO traf und ihm sagte, dass es in Deutschland Leute gebe, die meinten, sein Volk würde in einer Art Paradies leben, war er verwundert und erwiderte, dass sein Volk gerade dies von Deutschland vermuten würde.

Wie ist das Leben in Monaco?

Die Küstenlandschaft mit den Seealpen als Kulisse, das meist sonnige Wetter, die milden Winter und die Kultur des Draußenseins, der Geselligkeit, das ist schon ein Kontrast zu Rostock. Auf meinem Weg zur Arbeit komme ich an einem Gebrauchtwagenhändler vorbei, der sich auf Bentley und Ferrari spezialisiert hat. Die Preise an den Autos sind immer sechsstellig. Und aus meinem Bürofenster sehe ich jeden Tag Yachten, über deren Ankunft in Rostock die OZ vermutlich berichten würde.

Sie sind auch mit Fürst Albert zusammengetroffen. Welchen Eindruck hatten Sie von ihm?

Was mich beeindruckt, ist das Engagement des Fürsten für den Schutz der Meere. Der Kleinstaat richtet rund ums Jahr weltweit wahrgenommene Veranstaltungen aus, die dieses Thema adressieren. Das Fürstentum finanziert Meeresforschungsprojekte im großen Stil. Albert II. selbst wird nicht müde, selbst für diese Menschheitsaufgabe zu werben. Das Engagement des Fürstenhauses für dieses Thema zeigt übrigens auch die kostenfreie Unterbringung der IHO in einem dem Fürstenhaus gehörenden Bürogebäude am Hafen.

Ein wichtiges Thema ist die immer stärkere Ausbeutung der maritimen Ressourcen. Macht Ihnen das Sorge?

Die stetig wachsende Weltbevölkerung will ernährt und beschäftigt werden, da können die Meere einen großen Beitrag leisten. Gleichzeitig geht eine solche Verwertung mit erheblichen Gefahren der Übernutzung und Störung des ökologischen Gleichgewichtes einher. Hydrographisches Wissen wird gebraucht, um Nutzung und Schutz auszubalancieren. Letztlich liefern wir damit unseren Beitrag zur Beantwortung größerer Fragen: Wie erfüllen wir das Wohlstandsverlangen bei gleichzeitig reduziertem Ressourcenverbrauch? Und wie vereinen wir das mit umweltfreundlicher Energiegewinnung, Reparatur der schon entstandenen Umweltschäden und Schonung noch intakter Bereiche?

Aus dem Wettlauf um die Meeresressourcen resultieren auch Grenzstreitigkeiten. Kann Ihre Organisation hier behilflich sein?

Die IHO ist keine politische, sondern eine technische Organisation. Wir entwickeln international anerkannte technische Standards für die Seevermessung und die Seekartographie. Weltweit betreiben wir 15 Regionalkommissionen, die die Zusammenarbeit koordinieren. Damit tun wir indirekt auch etwas für die Verständigung in Spannungsgebieten. Die grenzüberschreitende Verständigung in technischen Fragen unterhalb des politischen Radars fördert das Verständnis für die andere Seite und ermöglicht pragmatische Lösungen konkreter Zusammenarbeit, die von oben oft nicht realisierbar wären. Das hat übrigens bereits im Kalten Krieg vor der Wiedervereinigung zwischen den beiden deutschen Staaten funktioniert. Auch damals sind wichtige Informationen zur Herstellung international anerkannter Seekarten zwischen Hamburg und Rostock ausgetauscht worden.

Fürstliche Gründung

87 Küstenstaaten gehören der Internationalen Hydrographischen Organisation (IHO) an. 1921 wurde sie auf Anregung von Albert I., dem Ururgroßvater des heute regierenden Fürsten Albert II., gegründet und ist seither in Monaco ansässig. Hauptaufgabe der IHO ist die Koordinierung der internationalen Zusammenarbeit bei der Vermessung und Kartierung der Weltmeere und Ozeane. Generalsekretär ist derzeit Mathias Jonas aus Rostock.

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