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Nabu warnt vor Sprengungen der Marine in der Ostsee

Kiel/Berlin Nabu warnt vor Sprengungen der Marine in der Ostsee

„Schweinswal und Uferschwalbe gefährdet“ – Habeck protestiert beim Bund

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Spezialisten der Marine sprengen 2010 auf der Ostsee vor Eckernförde eine Mine vom Typ Mark 41, wie sie von der deutschen Marine verwendet wird. Ab Mai plant die Bundeswehr auf der Ostsee im Sperrgebiet zwischen Damp und Port Olpenitz Ansprengungen.

Quelle: Foto: Carsten Rehder/dpa

Kiel/Berlin. Die Marine will an der ausgemusterten Fregatte „Karlsruhe“ vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste die Wirkung von Minen und Bomben testen. Die Versuche im Marine-Sperrgebiet Schönhagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) zwischen Damp und Port Olpenitz sollen ab Mai über die Bühne gehen.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor. Der Naturschutzbund (Nabu) protestiert. Die Umweltschützer sehen Schweinswale, Dorsche und Uferschwalben gefährdet. Der Kieler Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ist über den Alleingang der Marine „sehr irritiert“.

Es ist eine Nachnutzung der ungewöhnlichen Art für die im vergangenen Sommer außer Dienst gestellte „Karlsruhe“: Die 130 Meter lange Fregatte wird mit Messinstrumenten, Sensoren und Dummys bestückt, um dann beschossen zu werden. Untersucht wird die Widerstandsfähigkeit des Schiffskörpers gegenüber Minen und Bomben. Die Marine will herausfinden, wie der Schiffstyp insbesondere Angriffen von Terroristen, Piraten oder Milizen standhalten würde. Das Schiff werde mit einem TNT-Äquivalent von deutlich unter einer Tonne „angesprengt“, erklärte ein Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz (Rheinland-Pfalz). Im Erprobungsgebiet werde man zuvor dort lebende Tiere vergrämen.

„Ich bin über das Vorgehen sehr irritiert“, reagiert Umweltminister Habeck. Als oberste Naturschutzbehörde sei sein Ministerium für den Vollzug der Naturschutzaufgaben zuständig. „So geht das nicht.

Ich werde Frau von der Leyen anschreiben und einfordern, dass dies korrigiert wird.“ Dazu sei als Erstes von der Bundeswehr eine Prüfung auf die Vereinbarkeit des Vorhabens mit den Artenschutzbestimmungen sowie eine Flora-Fauna-Habitat-Verträglichkeitsprüfung vorzulegen. Der Nabu befürchtet massive Störungen, Hörschäden und nicht zuletzt tödliche Verletzungen bei den streng geschützten Schweinswalen. „Eine von einer Unterwasserdetonation von 4,5 Tonnen Sprengstoff ausgehende Schockwelle kann einen Schweinswal noch in sieben Kilometern Entfernung schwer verletzen oder töten“, sagt Ingo Ludwichowski, Nabu-Landeschef Schleswig-Holstein. Sprengungen dieser Größenordnung seien bei Versuchen ähnlich großer Schiffe von Nato-Partnern zum Einsatz gekommen. Östlich des Sperrgebiets befänden sich zudem Laichgebiete des Dorsches. Schutzmaßnahmen müssten auch für an der Steilküste von Schönhagen brütende Uferschwalben getroffen werden. Selbst die Bevölkerung dürfte laut Nabu die Druckwelle spüren. „Das Geschirr in den Häusern am Strand wird klirren“, sagt Ludwichowski.

Das Verteidigungsministerium in Berlin verweist darauf, dass die Schonzeiten für Meeressäugetiere und Seevögel eingehalten werden. Grundsätzlich könne ihr Vorkommen im Versuchsgebiet nicht ausgeschlossen werden. Nach jeder Sprengung werde das Versuchsgebiet auf tote Tiere abgesucht.

Unterdessen wirft die schleswig-holsteinische Linke dem Umweltminister Versäumnisse in der Angelegenheit vor. Habeck habe mindestens seit Juli davon gewusst, auch weil darüber berichtet wurde, kritisierte die Linken-Bundestagsabgeordnete Cornelia Möhring in Berlin. Es stelle sich die Frage, warum der Minister bisher nicht schon aktiv geworden sei.

Die Bundeswehr nutzt das Sperrgebiet vor Schönhagen seit Jahrzehnten – allein in den vergangenen sechs Jahren für fünf Sprengversuche, unter anderem an zwei alten U-Booten und einem kleinen Mehrzweckboot. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage weiter hervorgeht, ist neben dem „Ansprengen“ der Fregatte „Karlsruhe“ (F122) in den Jahren 2018/2019 auch eine „Ansprengung“ einer Fregatte vom Typ F125 geplant – ein Datum ist aber nicht genannt.

Durchfahrverbot

Für das Sperrgebiet Schönhagen in der Nähe des aufgelösten Marinestützpunkts Olpenitz gilt ein absolutes Durchfahrverbot. Denn dort wird scharf geschossen. Gekennzeichnet ist die Sperrzone durch gelbe Tonnen, die zusätzlich ein rotes Kreuz tragen. Das Übungsgebiet war der Bundeswehr 1961 als „maritimer Truppenübungsplatz“ zur Verfügung gestellt worden.

Die Fregatte „Karlsruhe“ wurde im Sommer 2017 außer Dienst gestellt.

Curd Tönneman und Matthias Hoenig

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