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Neue Grenzwerte für Schifffahrt: Weniger Giftgase an der Ostsee

Rostock/Hamburg/London Neue Grenzwerte für Schifffahrt: Weniger Giftgase an der Ostsee

Containerschiffe laufen mit billigem Schweröl, gelten als besonders umweltbelastend / Strengere Vorschriften könnten jetzt ein Zeitalter gasbetriebener Schiffsmotoren einleiten

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Aida-Sprecher Hansjörg Kunze

Quelle: Aida Cruises

Rostock/Hamburg/London. Die Umweltvorschriften für die Schifffahrt auf Ost- und Nordsee werden weiter verschärft. Ab dem Jahr 2021 müssen die Schiffe ihren Ausstoß an Stickoxiden (NOx) um rund 75 Prozent reduzieren. Das gilt allerdings nur für ab dem Zeitpunkt neu gebaute Schiffe. Reeder in Deutschland begrüßen die neuen Grenzwerte: „Damit ist faktisch das Aus für den heute üblichen Schwerölbetrieb der Seeschiffe beschlossen“, erklärt das Geschäftsführende Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR), Ralf Nagel.

„Ein so niedriger Grenzwert lässt sich mit herkömmlichen Brennstoffen nur mit Hilfe eines Katalysators erreichen“, sagt VDR-Sprecher Christof Schwaner. Die verschärfte Vorgabe dürfe daher „den Einsatz alternativer Brennstoffe vorantreiben, etwa verflüssigtes Erdgas LNG“. Dieser Brennstoff unterschreite den sogenannten Tier III-Grenzwert „deutlich ohne weitere Technik“ (Tier: engl. „Rang“

in einer Klassifizierung, siehe Kasten). Neben Fährreedereien setzten auch einige Kreuzfahrt-Anbieter auf LNG.

Dazu gehört die Rostocker Reederei Aida Cruises. „Die Aida Neubauten, die wir ab 2019 in Dienst stellen, werden unter dem Konzept ,Green Cruising’ als erste Kreuzfahrtschiffe zu 100 Prozent mit dem Flüssigerdgas LNG betrieben“, erklärt Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. Diese Schiffe würden „nahezu gar keine Schwefeloxide und Rußpartikel“ mehr ausstoßen. Der Anteil von Stickoxiden werde um 80 Prozent im Vergleich zur Nutzung von schwefelarmem Marinediesel reduziert und der CO2-Ausstoß um 20 Prozent gesenkt. Diese Neubauten würden damit noch über die Tier-III-Vorgaben hinausgehen.

Doch der Bau neuer Schiffe mit LNG-Technik oder die Nachrüstung älterer Schiffe ist nach Angaben von VDR- Sprecher Schwaner „noch sehr teuer“. Um bis zu 30 Prozent erhöhten Dual-Fuel- oder reine LNG-Motoren samt Tieftemperatur-Tanks die Kosten. Eine wesentliche Hürde zum Bau von LNG-betriebenen Schiffen werde durch ein Förderprogramm beseitigt, das die Bundesregierung gerade auf den Weg bringe.

Ebenfalls beschlossen hat der Umweltausschuss der IMO kürzlich in London eine drastische Reduzierung des Schwefel-Grenzwerts: Ab 2020 dürfen weltweit nur noch Treibstoffe eingesetzt werden, die maximal 0,5 Prozent Schwefel enthalten. Bislang lag dieser Grenzwert bei 3,5 Prozent. Für Ostsee und Nordsee gilt bereits seit dem Jahr 2015 ein noch strengerer Grenzwert von 0,1 Prozent Schwefel im Treibstoff.

„Jetzt wird der moderne Seetransport noch klimafreundlicher und sauberer als jemals zuvor“, betont Nagel. Auch die fünf großen Containerhäfen am nordwesteuropäischen Festland – Le Havre, Antwerpen, Rotterdam, Bremen und Hamburg – begrüßen den Beschluss des IMO-Ausschusses: „Das trägt bei zu einer saubereren und nachhaltigeren Zukunft der internationalen Schifffahrt“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Häfen stehen unter Druck, ihre Emissionen zu reduzieren.

„Die Seeschifffahrt hat ein massives Abgasproblem“, sagt der Geschäftsführer des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), Leif Miller. Die Umweltschützer sehen den IMO-Beschluss als „das richtige Signal, dass die internationale Gemeinschaft wieder das Ruder in die Hand nimmt, um die Abgase zu reduzieren“. Jahrzehntelang habe sich die Seeschifffahrt vor dem Problem „weggeduckt“.

Dennoch ist die Gefahr, die vom Schweröl ausgeht, laut Nabu noch lange nicht gebannt – trotz der Reduzierung des Schwefelanteils. „Der Schiffskraftstoff wird noch immer rund 500-mal so dreckig sein wie Lkw-Diesel“, kritisiert Nabu-Verkehrsexperte Daniel Rieger. So könnten Reeder „auch künftig weiterhin billiges Restöl verfeuern, wenn sie es mit höherwertigen Kraftstoffen mischen oder einen Schwefelwäscher, sogenannte Scrubber, einsetzen“.

Tier I bis III – Grenzwerte werden verschärft

Einen Grenzwert für den Ausstoß von Stickoxid (NOx) bei Seeschiffen hat die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO für alle Neubauten erstmals zum Jahr 2000 weltweit eingeführt (Tier I, eine US-Bezeichnung für Abgasnormen). Seit 2011 gilt weltweit die nächste Stufe Tier II. In gesondert ausgewiesenen Emissionskontrollgebieten (US-amerikanische Gewässer seit 2016, in Nord- und Ostsee ab 2021) gilt für Neubauten der Grenzwert Tier III.

Die Werte für die NOx-Emissionen wurden für die jeweilige Motordrehzahl festgelegt. Ein Beispiel: Darf ein Containerschiff nach Tier II noch 14,4 Gramm NOx pro Kilowattstunde ausstoßen, sind es nach Tier III nur noch 3,4 Gramm NOx /kWh, also 75 Prozent weniger Stickoxid-Emissionen.

Stickoxide tragen maßgeblich zum Abbau von Ozon in der Stratosphäre bei, spielen eine Rolle bei der globalen Erwärmung und der Bildung von Smog. Sie verursachen zudem sauren Regen.

Axel Meyer

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