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Seewirtschaft Nord-Ostsee-Kanal: Alte Anlagen müssen saniert werden
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Nord-Ostsee-Kanal: Alte Anlagen müssen saniert werden
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00:00 09.05.2016
Der Sachbereichsleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau, Matthias Visser, braucht mehr Personal für den Bau. Quelle: Beke Zill

Zwei Containerriesen liegen dicht nebeneinander in einer der zwei großen Schleusen in Kiel-Holtenau (Schleswig-Holstein). Die großen Schiffe wollen durch den etwa 100 Kilometer langen Nord-Ostsee-Kanal in die Nordsee. „Ein Drittel der Schiffe fährt nach Hamburg“, erklärt Matthias Visser, zuständiger Sachbereichsleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Kiel-Holtenau.

Durch die Abkürzung ersparen sich die Frachter einen knapp 400 Kilometer langen Umweg um Dänemark. Die Schleuse mit zwei kleinen und zwei großen Kammern ging 1895 in Betrieb. „Der Nord- Ostsee-Kanal ist genauso alt wie die Schleuse“, erklärt Visser. Seitdem wurde kaum etwas an dem Bauwerk getan. Mit erheblichen Folgen: „Die kleine Schleuse ist komplett kaputt“, sagt Visser. Deshalb wird sie für 240 Millionen Euro neu gebaut. Ab Herbst beginnen erste Sicherungsmaßnahmen. Matthias Visser bleibt auf der Brücke, die über die 125 Meter lange kleine Schleuse führt, stehen. Die Kammer ist leer, das Mauerwerk völlig zerstört, ein 30 Zentimeter großer Riss wurde festgestellt. Wegen der schweren Schäden an den Außenmauern habe man die Schleuse schließen müssen.

15 000 Sportboote fahren im Jahr durch die kleinen Kammern. 20 Euro kostet die Durchfahrt. Derzeit und auch während der Sicherung müssen Hobbyskipper auf die große Schleuse ausweichen und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Das WSA kommt den Eignern aber entgegen. „Derzeit kassieren wir Sportboote nicht ab“, berichtet Visser. Für die Bootsinsassen sei ein Steg geplant, damit sie besser aus der großen Schleuse aussteigen und an einem Automaten zahlen können.

Zu Beginn der Arbeiten werden zunächst sogenannte Fangdämme (gegeneinander verschraubte Spundwände) vor die Schleuseneingänge gesetzt. Wenn schweres Gerät jedoch herangefahren wird, könnten die Schleusenmauern einstürzen. Deshalb werden die Kammern mit 200 000 Kubikmeter Sand aufgefüllt, damit die Baugeräte auf dem Sand sicher stehen und arbeiten können.

Die kleine Schleuse soll künftig als Bypass für die große Schleuse genutzt werden, denn auch diese ist sanierungsbedürftig. Wenn jeweils eine Kammer wegen Umbau gesperrt wird, bleibt der reibungslose Ablauf jedoch erhalten. Die zukünftig sanierte kleine Schleuse ist dann nämlich 155 Meter lang. „Dann können auch längere Fahrzeuge hindurchfahren“, sagt Visser. Zwei Drittel der Schiffe, die in Kiel geschleust werden, passen auch durch die kleinen Kammern. Das restliche Drittel kann seinen Weg in einer Kammer der großen Schleuse fortsetzen. Ein Neubau einer fünften Schleuse wie in Brunsbüttel für 530 Millionen Euro ist nicht nötig. „Wir kriegen das mit der Menge an Schiffen hin. Deshalb reicht die kleine Schleuse als Bypass“, sagt Visser.

Ob der Ersatzneubau tatsächlich vom Bund genehmigt wird, kann Visser nicht sagen. Laut der Initiative Kiel-Canal werde das Planfeststellungsverfahren voraussichtlich im Jahr 2017 beginnen, die Ausschreibung sei für Anfang 2019 geplant. „Nach Fertigstellung der neuen kleinen Schleusen soll dann die Instandsetzung der beiden großen Kammern in Kiel folgen und zwar mit einem ähnlichen Zeitbedarf wie in Brunsbüttel“, meint der Vorsitzende Jens Knudsen. Für den Bau braucht die Verwaltung jedoch mehr Leute. „Der jahrzehntelange Personalabbau rächt sich jetzt“, sagt Knudsen.

Von Beke Zill

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