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Ostsee-Premiere für LNG-Tanker „Cardissa“

Rotterdam/Rostock Ostsee-Premiere für LNG-Tanker „Cardissa“

Niederländisches Schiff ist für den Energiekonzern Shell unterwegs

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Die „Cardissa“ ist als sogenanntes Bunkerfahrzeug konzipiert und kann auch Schiffe auf See oder im Hafen direkt betanken. Von Rotterdam aus verteilt der niederländische Tanker den Flüssig-Treibstoff.

Quelle: Foto: Frank Behling

Rotterdam/Rostock. Verflüssigtes Erdgas erobert die Ostsee. Der als LNG bezeichnete Treibstoff gilt als Hoffnungsträger beim Ersatz von Diesel- und Schweröl als Schiffstreibstoff. Mit der „Cardissa“ ist jetzt die erste schwimmende LNG-Tankstelle auf der Ostsee unterwegs. Von Rotterdam aus verteilt der niederländische Tanker den Treibstoff.

Die „Cardissa“ ist in Nordeuropa für den Energiekonzern Shell im Einsatz – ein Glied in der Versorgungskette ist der schwedische Import-Terminal in Nynäshamn bei Stockholm. Von dort werden mit einem kleinen Bunkerschiff Schiffe in den Häfen rund um Stockholm mit LNG beliefert. Zu ihnen gehört auch die Fähre „Viking Grace“, die mit LNG-Antrieb zwischen Finnland und Schweden pendelt. Ähnliche Strukturen sind derzeit in vielen großen Häfen im Aufbau.

Die 119 Meter lange „Cardissa“ ist dabei eines der Schiffe, die eine wichtige Rolle bei der Versorgung dieser Terminals spielen. Aber auch die Versorgung großer Schiffe ist direkt möglich.

Auch die Rostocker Reederei Aida Cruises hat mit Shell einen Vertrag über die Versorgung mit LNG abgeschlossen. Denn: Die Zeit drängt. Im September wird die „Aidanova“ von der Meyer Werft in Papenburg zur Nordsee überführt. Spätestens dann müssen die drei Tanks des neuen Kussmundflaggschiffes mit 3500 Kubikmetern LNG gefüllt sein.

In Deutschland gibt es für diese Mengen noch keine schwimmende Tankstelle, nicht mal einen Importterminal. „Aber keine Sorge, wir haben für die Versorgung unserer Schiffe bereits eine Lösung und auch einen starken Partner, auch in der Ostsee“, sagt Tom Strang. Der Brite ist beim US-Unternehmen Carnival für die Weiterentwicklung alternativer Treibstoffe zuständig. Zu Carnival gehören auch Aida Cruises und Costa Cruises.

Die „Aidanova“ hat das erste LNG-Antriebsmodul bekommen. Das zweite wird derzeit gerade bei Neptun in Rostock für die „Costa Smeralda“ gebaut, die im finnischen Turku entsteht. „Auch in Turku könnten wir diesen Neubau versorgen. Die ’Cardissa’ ist genau dafür gebaut worden. Die Nachfrage steigt und wir reagieren mit derartigen Schiffen“, sagt Didier Daems von Shell bei der Präsentation in Turku.

Bislang versorgt Shell die beiden Aida-Schiffe „Aidaprima“ und „Aidaperla“ in den Häfen in Nordeuropa, auf den Kanarischen Inseln und im Mittelmeer während der Hafenliegezeite mit LNG in Containern.

In Rotterdam – im Hafenteil Maasvlakte – befindet sich einer der modernsten europäischen Importterminals für das verflüssigte Erdgas. Der größte europäische Seehafen ist auch Heimathafen der „Cardissa“. Betrieben wird die bei der Werft STX in Südkorea gebaute „Cardissa“ von der Reederei Shell Western LNG BV. Pro Fahrt können bis zu 6500 Kubikmeter des auf 162 Grad Minus gekühlten Treibstoffs transportiert werden. Damit könnte die „Cardissa“ fast zwei Schiffe des „Aidanova“-Typs versorgen. Schiffe wie die neue Helios-Klasse von Aida können maximal 3500 Kubikmeter LNG aufnehmen und damit bis zu 14 Tage fahren.

„Die ’Cardissa’ ist als Bunkerfahrzeug konzipiert und kann auch Schiffe auf See oder im Hafen direkt betanken. Quasi überall dort, wo der Kunde uns haben möchte“, sagt Daems. Die „Cardissa“ hat für den Transport zwei zylindrische Tanks. Alle Pumpen und Leitungen sind aus rostfreiem Edelstahl. Dank ihrer robusten Bauweise sind LNG-Tanker sehr langlebig. Die beiden 1977 in Kiel bei HDW gebauten Tanker „Golar Freeze“ und „Hoegh Gandria“ sind inzwischen 41 Jahre in Dienst.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Schiffstreibstoffen wie Marinediesel oder Schweröl verursacht die Nutzung von LNG keine Emissionen von Feinstaub und Schwefeldioxid. Der Ausstoß von Stickoxiden reduziert sich um 80 Prozent und auch beim CO2 gibt es eine Reduzierung. Deshalb gilt LNG als wichtiger Faktor auf dem Weg zur Verbesserung der Umweltbilanz der Schifffahrt.

Nachteile sind die komplexe Handhabung des mit 162 Grad Minus sehr eisigen Kraftstoffes. Erzeugt wird LNG in Nordnorwegen, Algerien, Katar, Nigeria oder Nordamerika.

Deutschland hinkt beim Bau von LNG-Terminals hinterher

In Deutschland gibt es zur Zeit noch keinen LNG-Terminal. Planungen für den Bau eines solchen Terminals in Brunsbüttel laufen noch. 2022 soll dort ein Terminal mit einer Kapazität von 100000 Kubikmetern entstehen. Ganz anders in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Schweden, Polen, Finnland und Litauen. Dort sind LNG-Terminals bereits in Betrieb und können Schiffe mit dem umweltfreundlichen Brennstoff beliefern. Weltweit steigt die Zahl der Schiffe, die mit LNG als Treibstoff fahren. Nach Angaben des Branchenmagazin „LNG World Shipping“ wurde die Marke von 200 Schiffen erreicht, die mit LNG als Treibstoff fahren. Zur Zeit sind 16 LNG-Kreuzfahrtschiffe in Bau oder Planung.

Frank Behling

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