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Seewirtschaft Ostsee flächendeckend mit Plastikmüll verunreinigt
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Ostsee flächendeckend mit Plastikmüll verunreinigt
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00:05 30.05.2016
Matthias Labrenz vom IOW Quelle: IOW

Plastik verrottet nicht. Für die Ostsee wird das zunehmend zum Problem. Denn Plastetüten, Angelschnüre und Kunststoffnetze schwimmen auch noch in 100 Jahren im Wasser – nicht im Stück, aber als Mikroplastik, die von Wind, Wellen und UV-Strahlung in winzige Teilchen zersetzt werden.

„Plastikmüll hat sämtliche Gebiete in der Ostsee erreicht“, sagt Matthias Labrenz vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Sogar an Messgeräten, die eine Tiefe von 250 Meter erreichen, sei Plastik gefunden worden. Das Problem ist: Bislang gibt es keine genauen Daten über Mengen und Gefahrenpotenzial. Nach Schätzungen der Umweltorganisation WWF landen jedes Jahr bis zu 10000 sogenannte Geisternetze und Angelschnüre in der Ostsee. Hinzu kommt Müll, der illegal von Schiffen entsorgt wird oder vom Land herüberweht.

Seit mittlerweile zwei Jahren untersuchen drei Arbeitsgruppen des IOW, wie sich die Mikroplastik auf das Leben im Wasser auswirkt. Dafür werden Proben aus der Warnow in Rostock gewonnen sowie aus ihrem Ausflussgebiet in der Ostsee bis hin nach Heiligendamm. Denn: „Die Konzentration von Mikroplastik ist in der Nähe von Häfen und Städten viel höher als in dünn besiedelten Gebieten“, berichtet Labrenz. Der Bestand könne bislang nur mit einem sehr aufwendigen Verfahren ermittelt werden: Sedimente werden aus Strand und Flüssen gewonnen und dann mit schweren Salzlösungen gemischt. „Dadurch treibt Plastik nach oben.“ Effektivere und schnellere Messmethoden gibt es noch nicht. Aber Forscher auf der ganzen Welt arbeiten an neuen Verfahren. Ihre Ideen: Satelliten, Flugzeuge oder Roboter sollen künftig den Mikroplastik-Bestand in Gewässern messen können. Was die Rostocker Forscher in den vergangenen zwei Jahren für Erkenntnisse gewonnen haben, wird Matthias Labrenz im September anlässlich der Warnemünder Abende des IOW erstmals der interessierten Öffentlichkeit präsentieren. Das Projekt, das mit 1,3 Millionen Euro Fördermitteln finanziert wird, läuft noch bis 2017.

Mikroplastik-Partikel sind kleiner als fünf Millimeter und können von jedem Organismus aufgenommen werden. Sie befinden sich auch in vielen kosmetischen Produkten und gelangen so ebenfalls in Flüsse, Seen und Meer. Erst kürzlich haben Biologen vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven die kleinen Partikel in Fischen aus Nord- und Ostsee nachgewiesen. Ob die verschluckten Reste Folgen für den Menschen haben, der die Fische isst, ist noch unklar.

„Bisher sind solche Partikel in 690 Spezies gefunden worden“, berichtet Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Die Auswirkungen des Plastikmülls sind immens, warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Weltweit würden jährlich eine Million Vögel und 100000 Meeressäuger daran sterben. Die Tiere verheddern sich im Plastikmüll oder verwechseln Plastikteile im Meer mit Nahrung. Die Folgen sind Verletzungen und Strangulationen. Zudem verhungern Tiere – die Mägen voller Plastik.

Das alarmiert zunehmend auch Politiker in aller Welt: Auf einer Konferenz der Vereinten Nationen ist die Vermüllung der Meere durch biologisch nicht abbaubare Kunststoffe wie Polyethylen, Polypropylen und PVC als Gefahr erkannt worden, „die die Welt bekämpfen müsse“. Im vergangenen Jahr hat unter anderem das Bundesbildungsministerium zusammen mit der EU 7,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um das Umweltproblem genauer zu erforschen.

OZ-Podium zur Nutzung der Ostsee

OZ-Podiumsdiskussion: Am 3. Juni, 15 Uhr, lädt die OZ zum Thema „Denk ich an die Ostsee in der Nacht“ ins OZ-Studio. Referenten äußern sich zur Nutzung der Ostsee für die Wirtschaft und erzählen, wie es um die Fische bestellt ist. Es geht auch darum, wie das Randmeer geschont werden kann.

OZ-Studio: 3. Juni, 15 Uhr, Eintritt frei, Richard-Wagner-Straße 1a

Ostseetag: Der Zustand der Ostsee ist Thema des Ostseetages am 8. Juni in Rostock. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung, das Thünen-Institut für Ostseefischerei, das Deutsche Meeresmuseum Stralsund und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) laden zu Besuchen auf Forschungsschiffe im Stadthafen.

• www.ostseetag.info

Kerstin Schröder

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