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Raketentreffer im Rumpf: MS-„Halberstadt“-Crew erinnert sich

Rostock/Haiphong Raketentreffer im Rumpf: MS-„Halberstadt“-Crew erinnert sich

Und plötzlich war Krieg: Das DDR-Handelsschiff „Halberstadt“ wurde 1972 unvermittelt Teil des Vietnamkriegs.

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Eine US-Rakete riss am 16. April 1972 im vietnamesischen Hafen Haiphong ein Loch in die Bordwand der MS „Halberstadt“.

Quelle: RBB

Rostock/Haiphong. Und plötzlich war Krieg: Das DDR-Handelsschiff „Halberstadt“ wurde 1972 unvermittelt Teil des Vietnamkriegs. Während das Schiff im Hafen von Haiphong lag, wurde es von einer amerikanischen Rakete getroffen. Im Rumpf klaffte ein Loch, einige Besatzungsmitglieder wurden leicht verletzt. Am vergangenen Wochenende traf sich die Crew noch einmal in Rostock. Knapp 30 Männer und Frauen erinnerten an die Ereignisse vor 44 Jahren.

Das hat sich so eingeprägt, das kriegt man nicht mehr raus.“Karl-Heinz Bielka (74), damals Kühlmaschinist auf der „Halberstadt“

„Am Tag vor dem Angriff hatten wir noch einen Ausflug gemacht und ich dachte: Hier muss ich noch mal in Friedenszeiten herkommen“, sagt der frühere Kühlmaschinist Karl-Heinz Bielka. In der Nacht zum 16. April 1972 flogen die Amerikaner den ersten Angriff auf die Hafenstadt Haiphong. „Ich dachte zuerst, es sei ein Gewitter“, sagt Bielka. Aber als dann am Morgen der Hafen bombardiert wird, ist klar, dass der Krieg die DDR-Seeleute eingeholt hat. Bei einem weiteren Angriff am Nachmittag dann der Treffer: „Als wir wieder an Deck kamen, lagen dort Leichenteile“, beschreibt Bielka den Horror.

Die Überreste stammten vermutlich von vietnamesischen Soldaten, meint der heute 74-Jährige: „Rings um die ,Halberstadt‘ lagen kleine Boote, auf denen Flakgeschütze montiert waren. Auch die Rakete, die uns getroffen hat, sollte wahrscheinlich diese Boote treffen.“

In dieser Extremsituation zeigte sich der wahre Charakter der Crewmitglieder, sagt Bielka: „Die Leute, die immer unauffällig ihre Arbeit gemacht haben, zeigten Mut und beteiligten sich an den Löscharbeiten. Andere, die sonst eine große Klappe hatten, bekamen es mit der Angst zu tun.“

Der Großteil der Besatzung wurde danach zeitweise von Bord gebracht. „Ich wollte eigentlich bleiben, aber meine Frau Christine, die als Chefstewardess dabei war, musste runter und wir wollten uns nicht trennen“, sagt Bielka.

Als die Gefahr vorüber schien, durften alle wieder zurück auf die „Halberstadt“, die Kurs auf Singapur nahm, wo das Schiff auf Kosten der USA repariert werden sollte. „Wir mussten mitten durch die amerikanische Flotte. Die Besatzungen wünschten uns noch frohe Ostern“, erinnert sich der Veteran.

Heute leben die Bielkas im brandenburgischen Lauchhammer. Die Ereignisse von damals wirken bis heute nach: „Wenn sich ein Flugzeug im Tiefflug nähert, wird meine Frau immer noch unruhig. Das hat sich so eingeprägt, das kriegt man nicht mehr raus.“

Von Axel Büssem

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