Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Seewirtschaft Reeder reduzieren den Rauch
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Reeder reduzieren den Rauch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:06 23.04.2018
Weiße Schiffe, schwarze Schlote: Blick auf die Schornsteine des Kreuzfahrtschiffes „Aidacara“. Quelle: Foto: Dpa
Rostock

Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) will den Ausstoß des als klimaschädlich geltenden Kohlendioxids (CO2) in der Schifffahrt bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent reduzieren. Bis 2023 sollen dazu konkrete Maßnahmen erarbeitet werden, beschloss die IMO bei ihrer Tagung in London. Spätestens bis zum Ende des Jahrhunderts sollen alle Schiffe klimaneutral sein und gar kein CO2 mehr ausstoßen. Die Schifffahrt wird für zwei bis drei Prozent der weltweiten CO2-Produktion verantwortlich gemacht.

„Der Entschluss der IMO ist ein bedeutender historischer Schritt“, sagt dazu Alfred Hartmann, Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Der Seeverkehr sei damit der weltweit erste Industriesektor überhaupt mit konkreten und weitreichenden Vorgaben zum Klimaschutz. „Die deutschen Reeder stehen grundsätzlich hinter dem Ziel, Schiffe möglichst schnell klimaneutral zu betreiben“, sagt Hartmann.

Die Staaten hätten sich zudem auf Zwischenziele geeinigt, wonach Schiffe ihre CO2-Emissionen im Verhältnis zur Transportleistung bis 2030 um mindestens 40 Prozent reduzieren sollen. Bis 2050 soll nach dieser Berechnung eine Absenkung um möglichst 70 Prozent erreicht werden.

„Die konkreten in der IMO beschlossenen Schritte sind äußerst ambitioniert. Die Schifffahrt und die Staatengemeinschaft stehen vor der Herausforderung, die CO2-Emissionen zu senken ohne zugleich den notwendigen Seehandel einzuschränken“, sagt Hartmann. „Wir brauchen eine Innovationsoffensive in Forschung und Entwicklung, vor allem bei alternativen Brennstoffen und Antriebssystemen.“ Weltweit müssten dazu die Regierungen mit der Branche zusammenarbeiten und finanzielle Ressourcen für diese „technologische Revolution“ bereitstellen.

Als größtes Schifffahrtsunternehmen in MV begrüßt auch die Rostock Kreuzfahrtreederei Aida Cruises den Beschluss: Aida Cruises ist sich als Marktführer seiner besonderen Verantwortung bewusst und verfolgt konsequent das Ziel, Kreuzfahrten nachhaltig zu gestalten“, so eine Sprecherin. „Wir investieren Milliarden von Euro in moderne Umwelttechnologien, nicht nur beim Bau neuer Schiffe, sondern auch in die Nachrüstung an Bord der bestehenden Flotte.“ Mit dem Einsatz von emissionsarmem Flüssigerdgas (LNG) und der Nutzung von Landstrom nehme Aida eine Vorreiterrolle in der Kreuzfahrtbranche ein. Ende dieses Jahres wird mit der „Aidanova“ das erste Kreuzfahrtschiff der Welt in Dienst gestellt, das zu hundert Prozent mit emissionsarmem Flüssigerdgas betrieben werden kann, im Hafen und auf See.

Auch die MV Werften tun nach eigenen Angaben viel, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren: „Die Schiffe der ,Global Class’ werden mit den besten Abgasreinigungstechnologien ausgestattet, die es weltweit für diese Leistungsklasse gibt“, sagt Sprecher Stefan Sprunk. Die Schiffe der „Endeavor Klasse“ wiederum würden ausschließlich mit MGO betrieben, einem dieselähnlichen Leichtöl. „Für die konsequente Steigerung der Energieeffizienz werden unsere Schiffe hochgradig im Computer optimiert“, so Sprunk. Der Schlüssel zur CO2-Reduzierung liege aber , in der Vernetzung und Optimierung der gesamten Technologiekette, angefangen bei Werften und Zulieferern über die Schifffahrt bis zu Logistik und Häfen.

Der Naturschutzbund Nabu zeigt sich zufrieden: „Wir begrüßen die Vereinbarung, weil der Schiffssektor zum allerersten Mal in der Geschichte überhaupt einen Plan zur Senkung von Emissionen vorgelegt hat“, sagt Dietmar Oeliger, Leiter des Bereichs Verkehrspolitik beim Nabu. Angesichts von starkem Gegenwind, etwa der USA oder Saudi-Arabiens, sei dieses Ergebnis nicht unbedingt erwartet worden. „Klar ist nun, dass der Weg zur Dekarbonisierung, also einer Mobilität ohne fossiles Erdöl und Erdgas, auch bei Schiffen einsetzen muss“, betont Oeliger.

Für den Klimaschutz reiche dies allein aber nicht aus: „Nur eine Kombination aus vielen Maßnahmen kann zum Ziel führen. Dazu gehört das so genannte Slow Steaming, also das langsamere Fahren, genauso wie der Bau effizienterer Schiffe oder eine Unterstützung von Windantrieben wie Flettner-Rotoren“, so der Naturschützer. Darüber hinaus müssten erst noch die notwendigen Fabriken für emissionsfreie, synthetische Kraftstoffe beziehungsweise für Elektroantriebe aufgebaut werden. „Und nicht zuletzt muss die Energiewende beherzt umgesetzt werden, dann kann auf einen Großteil der Schiffsbewegungen, nämlich die von Öltankern, ganz verzichtet werden.“

Axel Büssem

Expeditionsfahrten immer beliebter – Umweltschützer warnen vor Schäden

13.04.2018

Auch fast zweieinhalb Jahre nach der Zerstörung der Friesenbrücke dauert hinter den Kulissen das Tauziehen um den Wiederaufbau der von einem Frachtschiff gerammten Bahnbrücke über die Ems an.

13.04.2018

Ungeachtet internationaler Proteste haben Japans Walfänger in der Antarktis erneut zahlreiche Wale getötet.

14.04.2018