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Seewirtschaft Roboter sollen Munition in der Ostsee unschädlich machen
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Roboter sollen Munition in der Ostsee unschädlich machen
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00:01 18.04.2016

Roboter sollen den Kriegsaltlasten in der Ostsee bald zu Leibe rücken. Mit Hilfe der Technik sollen Granaten und Bomben am Meeresgrund „vollautomatisch unschädlich“

Sprengung von zwei Wasserbomben in der Ostsee Quelle: Wüstneck/dpa

gemacht und „umweltgerecht“ entsorgt werden, teilte das Land Schleswig-Holstein mit.

Der Roboter, der von einer Plattform aus operiert, soll für Meerestiefen bis zu 35 Meter entwickelt werden; perspektivisch seien Einsätze bis 50 Meter möglich. Wie der Roboter funktioniert, halten die Beteiligten, ein Verbund aus Forschung und Industrie, noch geheim. „Das hat patentrechtliche Gründe“, erklärte eine Sprecherin der Gesellschaft für Netzwerk- und Innovationsmanagement der Industrie (Genii) in Bad Belzig (Brandenburg).

Bis September 2018 soll ein Prototyp entwickelt werden. An dem mit rund 3,6 Millionen Euro aus Bundesmitteln geförderten Vorhaben sind unter anderem das Unternehmen Heinrich Hirdes EOD Service (Hamburg), das Kieler Forschungsinstitut Geomar sowie das Land Schleswig-Holstein beteiligt. Man habe einen „sehr konkreten Plan entwickelt“, wie versenkte Munition im Küsten- und Flachwasserbereich „ressourcenschonend“ beseitigt werden könne, sagte der technische Direktor von Hirdes, Jan Kölbel. Bislang müssen Blindgänger häufig gesprengt werden, etwa wenn sie in der Nähe von Fahrrinnen entdeckt werden. Doch die Druckwellen sind gefährlich für Meeresbewohner. Zudem verteilen sich Reste der Munition im Meer. „Ein umweltfreundlicher Munitionsbergungsroboter wäre eine weltweit einmalige Technologie“, sagte der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Bei der Vorstellung des Projekts sagte der Direktor des Geomar-Forschungszentrums, Prof. Peter Herzig, unlängst, dass etwa Italien Interesse an der Technologie angemeldet habe. Dort würde sich die Mafia an Sprengstoff bedienen, der vor italienischen Küsten in geringen Wassertiefen lagert.

Das Schweriner Umweltministerium warnt dagegen: Derzeit gehe Experten zufolge kein größeres Risiko von der Weltkriegsmunition am Meeresgrund aus. „Jedoch könnte eine aktive Bergung mit den derzeitigen vorhandenen technischen Mitteln zu einer weitaus größeren Gefährdung von Mensch und Natur führen“, sagte eine Sprecherin. Munition werde derzeit nur dann geborgen, wenn sie eine akute Gefährdung darstelle.

Um die Voraussetzungen für die Munitionsbergung per Roboter zu schaffen, will Geomar die Umweltauswirkungen der Altlasten untersuchen. Das mit 1,6 Millionen Euro ebenfalls vom Bund geförderte Projekt ist im März gestartet. axm

Gefahr durch Giftstoffe

1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition liegen laut Schätzungen in deutschen Meeresgewässern. Nach Recherchen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Munition im Meer“ befinden sich in der Ostsee ungefähr 300000 Tonnen konventionelle Munition und bis zu 65000 Tonnen chemische Kampfstoffe. Im Sommer 2015 wurden in Boltenhagen (Kreis Nordwestmecklenburg) nach Strandaufspülungen 178 Kilogramm Munition entdeckt. Eine Gefahr geht auch vom weißen Phosphor aus, der während der Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg mit Brandbomben im Meer landete.

• Internet: www.munition-im-meer.de

OZ

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