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Rückkehr nach Rekordeinsatz: „Erfurt“ besteht Härtetest

Rostock Rückkehr nach Rekordeinsatz: „Erfurt“ besteht Härtetest

17 Monate war die Korvette unterwegs – so lange wie kein Schiff der Deutschen Marine zuvor / Am Sonnabend feierten Besatzung und Angehörige das Wiedersehen

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So lange wie die „Erfurt“ war noch kein deutsches Marineschiff im Einsatz. Die Korvette hat die 17 Monate gut überstanden.

Quelle: Marine

Rostock. Fast anderthalb Jahre auf See, mehr als 120000 Kilometer zurückgelegt und das mit vier verschiedenen Besatzungen: Die Korvette „Erfurt“ hat einen echten Härtetest absolviert – und bestanden. Am Sonnabend lief das Boot erstmals seit Februar 2015 wieder in den Heimathafen Rostock-Hohe Düne ein. So lange war zuvor kein deutsches Marineschiff im Einsatz.

 

OZ-Bild

Decksmeister Robert Dockhorn (32, m.) mit Kameraden der Decksmannschaft

Quelle:

Zwar sieht man dem Boot an der einen oder anderen Stelle den Verschleiß an, aber insgesamt hat das Material gehalten, konstatiert Kommandant Thomas Klitzsch, der zusammen mit seiner Crew die „Erfurt“

Anfang Februar übernommen hatte: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Korvette so einen langen Einsatz so gut durchsteht.“

Als die neuen Korvetten der Klasse K 130 ab 2008 in Dienst gestellt wurden, gab es noch einige gravierende Probleme, so mussten die Getriebe komplett ersetzt werden. Den jüngsten Härtetest, bei dem die „Erfurt“ auf vier Weltmeeren und in den verschiedensten Klimazonen unterwegs war, überstand das Waffensystem aber ohne größere Ausfälle, sagt Kommandant Klitzsch nicht ohne Stolz. „Die Korvette konnte alles machen, was von ihr erwartet wurde.“

Stolz ist er auch auf seine 58-köpfige Mannschaft, die ursprünglich auf dem Schwesterschiff „Oldenburg“ Dienst tat. Vor der Crew „Oldenburg“ waren schon drei andere Mannschaften auf der „Erfurt“.

Dieses sogenannte Mehrbesatzungskonzept wurde beim Rekordeinsatz zum ersten Mal auf einer Korvette getestet – erfolgreich, meint Klitzsch. Ausbildung, Vorbereitung und Verlegung aller eingesetzten Soldaten mussten genau terminlich abgestimmt werden. „Es war eine beeindruckende Leistung, auch wenn es an die Substanz der Leute ging.“

Für die „Oldenburg“-Mannschaft – die als vierte Crew im Wechselsystem nun offiziell „Delta“ heißt, nach dem vierten Buchstaben im griechischen Alphabet – war es der erste Einsatz unter UN- beziehungsweise EU-Mandat. Zuletzt waren die 56 Männer und zwei Frauen Teil der Unifil-Mission vor der libanesischen Küste, zuvor überwachten sie die Seewege am Horn von Afrika im Rahmen der Operation Atalanta.

Auf Piraten trafen sie dabei zwar nicht – spannende Begegnungen gab es dennoch. Decksmeister Robert Dockhorn sah sich plötzlich in ein bizarres Verkaufsgespräch verwickelt: Ein Somali wollte eins der beiden weiblichen Besatzungsmitglieder erstehen: „Er bot mir 100 Kamele. Da wir aber nicht so viel Platz auf der ,Erfurt’ haben, einigten wir uns auf eins“, erzählt der 32-Jährige. Der Handel scheiterte dennoch – am Widerstand des Verkaufsobjekts.

Trotz der Verkaufsabsichten – missen möchte er seine Kameraden doch nicht: „In dem Einsatz hat sich ein Team gebildet“, sagt der Decksmeister. „Für viele war es der erste Einsatz überhaupt und sie haben zum ersten Mal gemerkt, wie es ist, das sichere Umfeld zu Hause zu verlassen. Auf einem Boot kann man nicht einfach von Bord gehen, Konflikte müssen vor Ort ausgetragen werden – so etwas schweißt zusammen.“

Der Zusammenhalt war auch am letzten Seetag zu spüren, als kurz vor Rostock zwei langjährige Besatzungsmitglieder verabschiedet wurden. Die restliche Crew stand Spalier, und fast jeder wurde herzlich umarmt und gedrückt. Das entband die Scheidenden aber nicht von dem bevorstehenden Ritual: Am Ende des Spaliers mussten sie vom Hubschrauberdeck in die Ostsee springen, und als sie wieder an Bord kamen, wurden sie mit Mehl beworfen.

Dienst nach Vorschrift

510 Tage war die „Erfurt“ auf See – die letzten drei davon dümpelte sie in der Ostsee. Wetterbedingt war die Korvette auf der Rückfahrt ab Spanien schneller als geplant gefahren und erreichte so die Heimat drei Tage vor dem Zeitplan. Weil der offizielle Empfang aber erst für Samstagmittag geplant war, musste die Besatzung erst vor Neustadt, dann vor Rostock ausharren – sehr zum Unmut mancher Angehöriger, die dieses sinnlose Warten auf ihre Liebsten gar nicht gut fanden.

Axel Büssem

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