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Seewirtschaft Schnellere Daten für die Schifffahrt
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Schnellere Daten für die Schifffahrt
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00:01 16.10.2017
Die BSH modernisiert seine Schiffsflotte. Dieser Nachfolger für die 1987 gebaute „Atair“ wird noch in diesem Jahr auf Kiel gelegt. Quelle: Foto: Bsh
Rostock

Thomas Dehling leitet seit einigen Tagen den Rostocker Standort des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie, wo vor allem Daten für Seekarten erfasst und verarbeitet werden. Im OZ-Interview erklärt der 53-Jährige, welche Schwerpunkte er setzen will: vor allem bei der weiteren Digitalisierung und der Kooperation mit Forschungseinrichtungen.

Thomas Dehling neuer Chef des BSH Rostock FOTO: O. ARSCHOLL

Auf welchen Forschungsgebieten sehen sie Handlungsbedarf?

Thomas Dehling: Wir wollen frühzeitig dabei sein und nicht nur auf Entwicklungen reagieren. Das gilt etwa für die Seevermessung aus dem All oder aus der Luft. Hier gibt es neue Verfahren mit Laserabtastung, die eine gute Ergänzung zur klassischen Sonartechnik darstellen können. Auch bei der Untersuchung von Unterwasserobjekten mit autonomen Tauchrobotern und unbemannten Booten gibt es spannende Fortschritte.

Die Digitalisierung hat ja schon längst auch bei den Seekarten Einzug gehalten. Was ist hier noch an Neuerungen zu erwarten?

Die Anforderungen in der modernen Seefahrt an Seekarten steigen. Die Navigation wird immer genauer und auch der wirtschaftliche Druck, so schnell und exakt wie möglich zu fahren, um Zeit und Treibstoff zu sparen, steigt. Wir wollen die Daten noch stärker digital aufbereiten und der Seefahrt individuell nach Bedarf zur Verfügung stellen. Ein Lotse etwa braucht andere Daten als der Kapitän eines Handelsschiffs.

Und wie kommen dieses individuellen Daten dann auf das jeweilige Schiff?

Ich bin sicher, es wird nicht lange dauern, bis auch Seeschiffe über Breitband-Internet kommunizieren. So werden wir Daten viel detaillierter und vor allem schneller übertragen können. Wichtig ist, dass wir schon bereit sind, wenn diese Technik eingeführt wird, damit wir die Daten dann auch tatsächlich liefern können.

Die klassische Seevermessung wird bislang von Schiffen übernommen. Wie können die fünf Schiffe des BSH künftig bei den Entwicklungen mithalten?

Wir werden die Schiffsflotte modernisieren. Ein Nachfolger für die 1987 gebaute „Atair“ wird noch in diesem Jahr auf Kiel gelegt, in den nächsten Jahren sollen Neubauten für die „Deneb“, die in Rostock beheimatet ist, und die „Wega“ folgen. Künftig werden die Schiffe unter anderem mit Drohnen ausgestattet sein. Dieses Jahr haben wir in der Nordsee Tests mit Flugdrohnen begonnen, um herauszufinden, inwieweit wir sie für die Seevermessung nutzen können. Unsere neuesten Schiffe, die „Capella“ und die „Komet“, werden dann technisch angepasst, da sie noch länger in Fahrt bleiben sollen.

Wer profitiert außer der Schifffahrt von Ihren Daten?

Hydrographische Daten werden für fast alle Nutzungen des Meeres gebraucht, etwa für die Offshore-Windenergie oder den Umwelt- und Hochwasserschutz. So können wir etwa bei der Bestimmung helfen, wo bestimmte Fischarten laichen und damit, wo Schutzgebiete eingerichtet werden könnten. Und je besser ich den Meeresboden kenne, umso besser kann ich auch die Küsten schützen. Die Daten dienen auch der Suche nach Eignungsflächen für Offshore- Windparks. Für die Raumordnung hat das BSH zum 1. Oktober in Hamburg sogar eine eigene Abteilung eingerichtet, die für die Festlegung und Vergabe von Flächen und dann auch für die Genehmigung von Offshore-Windparks zuständig ist.

Wollen sie auch mit Rostocker Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten?

Ich verspreche mir sehr viel vom Bereich Unterwasserarchäologie. Hier könnte eine Kooperation beiden Seiten helfen: Wir könnten Daten liefern, wo historisch bedeutsame Wracks liegen und die Unterwasserarchäologen könnten unsere Informationen ergänzen. Angaben über die gesunkenen Schiffe können uns etwa Aufschluss darüber geben, wie oft so ein Wrack erneut zu untersuchen ist. Weitere Felder der Zusammenarbeit sehe ich in der Entwicklung von Unterwasser-Laserscannern zur besseren Erfassung von Wracks.

Eine Behörde, zwei Standorte, fünf Schiffe

200 Mitarbeiter von insgesamt 800 beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sind am Standort Rostock beschäftigt, die meisten anderen in Hamburg. In Rostock sind zwei der fünf Schiffe des BSH stationiert: die „Deneb“ und die „Capella“. Während die „Capella“ ausschließlich für die Seevermessung eingesetzt wird, übernimmt die „Deneb“

darüber hinaus Forschungsaufgaben und sucht auch nach Wracks.

Entstanden ist das BSH 1990 als Nachfolger des Deutschen Hydrographischen Instituts (DHI) sowie des Bundesamts für Schiffsvermessung (BAS). Mit der Wiedervereinigung wurde dem BSH der Seehydrographische Dienst (SHD) der DDR eingegliedert. Zu den Aufgaben des BSH in Rostock zählt die Herausgabe von Seekarten. Weitere Bereiche des BSH sind die Raumplanung auf See, die Vorhersage von Sturmfluten und der Meeresumweltschutz.

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