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Strenge Umwelt-Grenzwerte: Schifffahrt soll sauberer werden

Hamburg/Rostock Strenge Umwelt-Grenzwerte: Schifffahrt soll sauberer werden

Schweröl mit viel Schwefel soll bis zum Jahr 2020 verschwinden

Hamburg/Rostock. Die Schifffahrt soll sauberer werden. Ab 2020 gelten strengere Umweltanforderungen. Schiffe dürfen dann auf hoher See nur noch Treibstoff mit einem Schwefelgehalt von maximal 0,5 Prozent statt bisher 3,5 Prozent verbrennen – oder müssen die Abgase vom Schwefel reinigen.

 

OZ-Bild

Schiffsabgase belasten die Umwelt.

Die Folge: Sowohl auf die Schifffahrt als auch auf die Ölindustrie kommen Investitionen in Milliardenhöhe zu. Nach einer Studie der US-amerikanischen Beratungsfirma IHS Markit sind bislang weder Reedereien noch Ölfirmen vorbereitet. Die Regelungen, die vor einem Jahr durch die internationale Schifffahrtsorganisation IMO beschlossen wurden, kamen für beide Branchen früher als erwartet. In einigen Regionen, zum Beispiel in Nord- und Ostsee, gilt zwar schon länger ein niedrigerer Grenzwert: 0,1 Prozent Schwefel.

Aber auf hoher See dürfen die Reedereien noch Schweröl verbrennen, das nur halb so viel kostet wie hochwertiger Schiffsdiesel. Schweröl macht rund 70 Prozent des weltweit verwendeten Schiffs- Treibstoffs aus. Künftig können die Reeder entweder den teureren Treibstoff wählen oder in Anlagen zur Reinigung der Abgase, so genannte Scrubber, investieren.

Laut IHS Markit sind gegenwärtig rund 20 000 Schiffe für 80 Prozent des Schwerölverbrauchs verantwortlich. Nur 360 Schiffe haben Scrubber an Bord. Insgesamt umfasst die Welthandelsflotte rund 50

000 Schiffe, von denen aber nicht alle auf hoher See operieren. Der technische Dienstleister DNVGL erwartet, dass nur einige tausend Scrubber bis 2020 eingebaut werden. Die meisten Reeder würden sich darauf verlassen, dass ausreichend Schiffsdiesel in den Häfen zur Verfügung steht.

„Das bedeutet das Ende des herkömmlichen Schweröls für die Seeschifffahrt“, erklärt Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Doch dazu müssen die Ölkonzerne ihre Raffinerien umsteuern, und das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Weltweit ist davon nicht allzu viel zu sehen. Einzige Ausnahme: Shell. Hier will man eine neue Entschwefelungsanlage bauen.

Die Reeder reagieren unterschiedlich: Keine Probleme befürchtet zum Beispiel die Rostocker Kreuzfahrt-Reederei Aida Cruises. „Vier Schiffe wurden bereits nachträglich mit Scrubbern ausgerüstet“, erklärt Sprecher Hansjörg Kunze. Zudem seien die Kreuzliner zumeist in Seegebieten unterwegs, in denen ohnehin strengere Abgasnormen gelten und mit schwefelarmen Treibstoffen gefahren werde. Und:

„Bei den neuen Schiffen setzen wir auf LNG.“ Für das verflüssigte Erdgas, den derzeit modernsten Schiffsantrieb, bedeuten die neuen Regeln Rückenwind.

Eine Nachrüstung mit Abgaswaschanlagen sei für die Hälfte der zehn großen Fischtrawler unter deutscher Flagge „wirtschaftlich nicht sinnvoll“, heißt es beim Deutschen Fischerei-Verband. Zudem fehle „der Platz an Bord für eine solche Nachrüstung“. Hier muss also künftig schwefelarmer Treibstoff eingekauft werden. Gar nicht äußern möchte sich die Reederei F. Laeisz mit Sitz in Rostock.

Fakt ist: Die Preise dürften sich heftig bewegen. Schiffsdiesel wird knapp und teuer, Schweröl noch billiger – wenn es überhaupt einen hinreichenden Absatzmarkt gibt.

Hamburg: Rabatte für saubere Schiffe

. Schiffe mit einem großen Schadstoffausstoß sollen vom kommenden Jahr an in Hamburg ein höheres Hafengeld bezahlen, während umweltfreundliche Schiffe Rabatte erhalten. „Mit diesem neuen Bonus-Malus-System im Hafengeld schaffen wir spürbare Anreize dafür, den Hamburger Hafen mit umweltfreundlichen Schiffen anzulaufen“, erklärte der SPD-Hafenexperte Joachim Seeler. Sein Grünen-Kollege Anjes Tjarks betonte: „Gerade weil viele ökologische Standards in der Seeschifffahrt international geregelt werden, ist das Hafengeld eines der wenigen Instrumente, die im Einflussbereich der Hamburger Politik liegen, um die Luft im Hafen zu verbessern.“ Einen entsprechenden Antrag werde Rot-Grün in die nächste Bürgerschaftssitzung am 11. Oktober einbringen.

Danach soll in das Hafennutzungsentgelt-System der Hamburg Port Authority (HPA) in einem zweistufigen Verfahren eine Umweltkomponente für Seeschiffe eingebaut werden. Zum 1. Januar 2018 sollen dazu zunächst 15 Prozent der Bemessungsgröße Bruttoraumzahl (BRZ) zugunsten der Umwelt-Komponente umgewidmet werden, im Jahr darauf sollen es dann 20 Prozent sein.

Problematischer Treibstoff

Ab 2020 dürfen weltweit nur noch Treibstoffe für Schiffe eingesetzt werden, die maximal 0,5 Prozent Schwefel enthalten. Bislang lag dieser Grenzwert bei 3,5 Prozent.

Für die Ostsee und die Nordsee gilt bereits seit dem Jahr 2015 ein noch strengerer Grenzwert von 0,1 Prozent Schwefel im Treibstoff. Das herkömmliche Schweröl enthält bis zu sechs

Prozent Schwefel. In den Raffinerien ist Schweröl ein Abfallprodukt, das übrigbleibt, wenn alle höherwertigen Bestandteile des Rohöls verarbeitet sind.

Eckart Gienke und Thomas Luczak

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