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Seewirtschaft Tod am Ruder: Hotelschiff bleibt an Kanalbrücken hängen
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft Tod am Ruder: Hotelschiff bleibt an Kanalbrücken hängen
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00:01 12.09.2016

. Es ist noch dunkel am Main-Donau-Kanal in Erlangen. Doch die Einsatzkräfte sehen genug, um zu wissen, dass sie nicht mehr helfen können: Ein Flusskreuzfahrtschiff ist unter zwei parallel laufenden Brücken hängengeblieben. Wo das Führerhaus sein müsste, klafft nur noch ein schauerliches Loch. Zwei Besatzungsmitglieder sterben in der Nacht zu Sonntag in den Trümmern, während der Rest der 49-köpfigen Crew und die 181 Passagiere unverletzt bleiben.

Es sollte eigentlich eine vergnügliche Flusskreuzfahrt von Erlangen nach Budapest werden: Auf dem Sonnendeck der „Viking Freya“, die vor vier Jahren auf der Neptun Werft in Rostock-Warnemünde gebaut worden war, sorgen eine Minigolf-Anlage und ein Kräutergarten für Abwechslung, das Restaurant hat bodentiefe Fenster für die perfekte Aussicht. Vor allem US-Amerikaner buchen gerne die Tour auf dem unter Schweizer Flagge fahrenden Schiff.

Doch diesmal ist die Kreuzfahrt nach wenigen Minuten vorbei. Noch im Stadtgebiet von Erlangen streift das Schiff ersten Erkenntnissen zufolge eine Straßenbrücke, die über den Main-Donau-Kanal führt.

Dabei wird vermutlich bereits das Dach des Führerhauses abgerissen. Wenige Meter weiter, an einer noch etwas niedrigeren Eisenbahnbrücke aus grünlichem Stahl, wird das Führerhaus dann komplett demoliert.

„Ein kleiner Höhenunterschied kann da schon ausschlaggebend sein“, erläutert Christian Seitz von den Einsatzkräften. Wie es allerdings überhaupt zu der Kollision kommen konnte, blieb zunächst völlig unklar. „Zur Unglücksursache kann man momentan noch gar nichts sagen, ob es rein menschliches Versagen oder ein technisches Problem oder eine Kombination von beidem ist“, erläuterte Polizeisprecher Michael Petzold.

Normalerweise senkt die Besatzung das Führerhaus vor einer niedrigen Brücke bündig auf das Level des Decks ab. Auch Reling, Stühle und Tische werden zusammengeklappt und flach auf das Deck gelegt. Bei der „Viking Freya“ sind in Erlangen dann nicht einmal mehr 50 Zentimeter Platz bis zum Brückenboden. „Es geht schon eng zu“, schildert ein Anwohner, der selbst schon mehrfach Flusskreuzfahrten gemacht hat und regelmäßig die Schiffe beobachtet. Ein mulmiges Gefühl habe er deswegen aber noch nie gehabt.

Doch nun sind zwei Menschen tot, ein 33 Jahre alter Matrose und ein 49 Jahre alter Schiffsführer, der das Steuer in Vertretung des Kapitäns in der Hand hatte. Zur Bergung ihrer Leichen ist schweres Gerät nötig. Auch für die Evakuierung der übrigen Räume müssen die insgesamt rund 200 Rettungskräfte tüfteln: Zunächst vertäuen sie das Schiff, damit es nicht abtreibt. Mit Leitern kommen die ersten Notfallseelsorger an Bord und versuchen, sich mit den meist nur englischsprachigen Gästen zu verständigen.

Es ist ein skurriler Anblick: Die Passagiere warten mitten in der Nacht in hell erleuchteten Räumen an Bord, sitzen vor weiß eingedeckten Tischen im Restaurant oder in ihren Kabinen.

Währendessen liegen an Deck großräumig Glassplitter, Kunststoff- und Stahltrümmer herum. Zugleich bauen die Rettungskräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk aus Baugerüsten eine Notbrücke, über die sie die Reisenden später an Land führen. Sie kommen vorerst in einem Gemeindezentrum unter; das Gepäck wird ihnen nachgeliefert.

Cathérine Simon und Elke Richter

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